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28.01.2014

09:35 Uhr

US-Milliardär Perkins

„Ich entschuldige mich für das Wort Kristallnacht“

Die Diskussion über steigende Mieten im Silicon Valley wird Internetmillionären angelastet. Die teils harsche Kritik hat ein Pionier des Silicon Valleys und Milliardär mit der Judenverfolgung im Dritten Reich verglichen.

Tom Perkins war mit seiner Risikokapital-Firma KPCB ein Vorreiter des Silicon Valleys. Mittlerweile ist er nicht mehr in der Firma aktiv. Reuters

Tom Perkins war mit seiner Risikokapital-Firma KPCB ein Vorreiter des Silicon Valleys. Mittlerweile ist er nicht mehr in der Firma aktiv.

San FranciscoDer US-Milliardär Tom Perkins hat mit einem Nazi-Vergleich für Empörung gesorgt. In einem Brief an das „Wall Street Journal“ beklagte er am Wochenende einen aus seiner Sicht zunehmenden Hass auf Reiche und zog eine Verbindung zur Judenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Es gebe Parallelen zwischen dem nationalsozialistischen Regime und seinem Kampf gegen die Juden und dem „Krieg gegen Amerikas ein Prozent, nämlich die Reichen“, schrieb der als Investor im kalifornischen Silicon Valley bekannt gewordene Unternehmer. Dies sei eine sehr gefährliche Entwicklung.

Am Montag entschuldige sich Perkins, Gründer der renommierte Investmentfirma Kleiner Perkins Caufiled and Byers (KPCB), in einem Fernsehinterview. Er entschuldige sich aufrichtig, das er den Begriff Kristallnacht in diesem Zusammenhang benutzt habe. In dem Leserbrief hatte er vor einer weiteren Radikalisierung der Reichenkritik gewarnt und einen Bezug zur Reichspogromnacht hergestellt: „Die Kristallnacht war 1930 noch undenkbar. Ist es der 'fortschrittliche' Radikalismus auch?“

Während der Progromnacht waren vom 9. auf den 10. November vom Nazi-Regime Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Deutschland koordiniert worden. Etwa 400 Menschen kamen ums Leben, Tausende Synagogen und jüdische Geschäfte wurden zerstört.

Perkins kritisierte die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung und verwies auf Proteste in San Francisco gegen Shuttle-Busse des Internetkonzerns Google, mit denen die Angestellten ins Silicon Valley gebracht werden. Aktivisten fürchten, dass durch die gut verdienenden Mitarbeiter die Mieten, Preise und andere Lebenshaltungskosten in der Stadt nach oben getrieben werden.

Die von Perkins mit aufgebaute Investmentfirma Kleiner Perkins Caufield and Byers (KPCB) distanzierte sich von den Aussagen. „Tom Perkins ist seit Jahren nicht mehr bei KPBC aktiv. Wir waren schockiert über seine heute in der WSJ geäußerten Ansichten, wir stimmen diesen nicht zu“, hieß es in einer Erklärung.

Trotz seiner Entschuldigung hielt der 82-jährige Perkins an seiner Argumentation aber grundsätzlich fest. Er habe den Vergleich gewählt, da die Juden in Deutschland vor dem Holocaust etwa ein Prozent der Bevölkerung ausgemacht hätten. Den Zusammenhang zur „Kristallnacht“ hergestellt zu haben, sei allerdings ein ¿schlimme Fehleinschätzung“ gewesen. Die Aktivisten der Bewegung Occupy Wall Street nannten Perkins' Aussagen auf Twitter „irrsinnig“.

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