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22.04.2014

08:11 Uhr

USA

Staatsanwalt rückt Airbnb-Vermietern auf die Pelle

VonAxel Postinett

Die Miet-Plattform Airbnb auf dem Prüfstand: Marktplatz für Reisende mit geringem Budget – oder illegale Organisation, die den Hausbesitzern schadet? Das will ein New Yorker Staatsanwalt jetzt vor Gericht klären.

Virtueller Marktplatz für weltweite Unterkünfte: die Plattform AirBnB. AFP

Virtueller Marktplatz für weltweite Unterkünfte: die Plattform AirBnB.

San Francisco/New YorkEine unschuldige Webplattform, um ein paar Dollar dazuzuverdienen, oder eine gigantische illegale Untergrundorganisation?  Über 60 Prozent aller Mietangebote in New York über die Web-Plattform Airbnb sind illegal. Das jedenfalls sieht der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman so.  Am heutigen Dienstag zieht er gegen das Start-Up aus San Francisco vor Gericht, um die Herausgabe der Daten tausender Anbieter zu erzwingen.

Für die Betroffenen kann das fatale Folge haben. In 2013 wurde ein New Yorker Airbnb-Anbieter bereits zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt. Doch es kann auch noch schlimmer kommen.

So wie für Jeffrey Katz. Er hatte sein Apartment in San Francisco zeitweise an Urlauber vermietet und die Antwort kam unerbittlich. Der Mietvertrag wurde im April gekündigt, Katz hatte genau 72 Stunden Zeit, um seine Sachen zu packen. Aufgrund der explosiven Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Bay-Metropole ist kein bezahlbarer Mietvertrag in Sicht. Jetzt sucht Jeffrey in Oakland oder noch weiter entfernt nach einer Bleibe.

Die verrücktesten Übernachtungsmöglichkeiten

Gefängnis

Im ehemaligen Untersuchungsgefängnis in Kassel konnten Gäste bis Ende 2012 ihre Nächte verbringen. Draußen auf den Mauern windet sich Stacheldraht, drinnen reiht sich auf den mit Linoleum ausgelegten Gängen eine Zelle an die nächste: eng, mit brüchigen Fliesenböden und Neonröhrenbeleuchtung. Duschen gibt es nur auf dem Flur. „Die Leute nehmen das super gut an", sagt Betreiber Gotthard Fels. „Und über 90 Prozent sagen hinterher: Das war eine tolle Erfahrung."

Indoor-Camping

Auf Natur kommt es den Gästen des Indoor-Campingplatzes in Berlin-Neukölln gerade nicht an. Der „Hüttenpalast" ist in die rustikalen Gemäuer einer ehemaligen Möbelfabrik gebaut. Jeweils drei individuell gestaltete Wohnwagen und -hütten stehen in dem lichtdurchfluteten Raum im Halbkreis beieinander. Die Einrichtung wurde im Mai 2011 eröffnet. Auf dem Gelände solle vor allem das Gefühl von Geborgenheit und Zusammenhalt, wie es dies auch auf anderen Campingplätzen gibt, vermittelt werden, sagte Gründerin und Inhaberin Sabine Lorenzen. Eine Nacht im Wohnwagen kostet 65 Euro für zwei Personen.

Amtsgericht

In den Zellen des alten Amtsgerichts im nordrhein-westfälischen Petershagen übernachten pro Saison bis zu 700 Gäste. Stilecht wird dort in metallenen Doppelstockbetten geschlafen und wer will, kann sich sogar einen gestreiften Sträflingsanzug leihen. Die Nacht kostet 25 Euro pro Person.

Eisenbahnwaggons

Auch in Brandenburg können Gäste an ungewöhnliche Orten schlafen. So verbringen Touristen in einem ehemaligen Hafengelände nahe Groß Neuendorf ihre Nächte in umgebauten Eisenbahnwaggons.

Hausboot

In Brandenburg sind auch schwimmende Ferienhäuser auf der Havel oder in der künstlichen Seenlandschaft der Lausitz gefragt.

Kanalrohr

Doch es gibt noch einfachere Schlafstellen: Wer schon immer mal in einem Kanalisationsrohr träumen wollte, kann dies in Bottrop erleben. Das Parkhotel bietet seit 2011 Schlafplätze in fünf Rohren, die auf dem ehemaligen Gelände einer Kläranlage aufgestellt sind. „Anfänglich hatten wir gedacht, dass vor allem Radfahrer kommen würden, die eine günstige Übernachtungsmöglichkeit suchen", sagt Gregor Evers, der für das Hotel der Arbeitsförderungsgesellschaft Gafög zuständig ist. Doch es habe sich herausgestellt, dass der Kreis der Interessenten viel größer sei.

Die Schlafplätze werden von Besuchern aller Altersklassen gebucht. Auch Rentner hätten schon in den Kanalrohren genächtigt. „Sie haben sich Klappstühle mitgebracht, sich abends vor ihre Rohre gesetzt und einen Wein getrunken", berichtet „Hotel-Chef" Evers.

Weinfass

Auch im übrigen Deutschland gibt es zahlreiche außergewöhnliche Betten. In der Nähe des hessischen Rüdesheim, im Hotel „Lindenwirt“, können Touristen bereits seit Anfang der 1970er Jahre in Weinfässern schlafen. Die Innenausstattung ist spartanisch, immerhin hat das Doppelzimmer sogar Dusche und WC. Der Preis ist mit 39 Euro die Nacht in der Hochsaison überschaubar. Ob die Weinprobe inklusive ist?

Ziegenstall

Mit Schlafstätten mitten in der Natur bietet der Wildwald „Vosswinkel“ nahe Menden im Sauerland außergewöhnliche Übernachtungsorte an. Dazu gehört ein Ziegenstall, in dem bis zu 15 Personen Platz finden – samt Zicklein. Wer's luftiger mag, kann die Nacht in einem Hochsitz verbringen.

Baumhaus

In Deutschlands erstem Baumhaushotel in Neißeaue, Deutschlands östlichster Gemeinde direkt an der Grenze zu Polen können die Besucher zwischen acht Baumhäusern als Übernachtungsmöglichkeit wählen. Das Herz des Hotels ist eine Feierplattform, von wo aus die Wipfelstege zu den Baumhäusern führen.

Die „Kulturinsel Einsiedel“ verspricht einen wunderschönen Blick über das Neißetal bis über die polnische Grenze hinaus, den man auch beim morgendlichen Besuch der Höhendusche inklusive Freilufttrocknung genießen könne. Im Baumstammlokal gibt es morgens ein Frühstücksbüffet.

Katz ist kein Einzelfall, mindestens zwei weitere Airbnb-„Gastgeber“ in San Francisco wurden im März zwangsgeräumt, immer unter Hinweis auf städtische Gesetze. Die verbieten, so wie in New York, kategorisch Untervermietungen für Zeiträume von weniger als 30 Tage. Für die gekündigten Mieter ist es ein Desaster, für die Eigentümer eine willkommene  Chance: bei Neuvermietungen sind heute nicht selten Mietaufschläge von 100 Prozent durchsetzbar.

Ari aus New York brauchte ebenfalls dringend eine neue Bleibe. Er hatte sein Nobelappartement in New York im März an „David“ vermietet. Der organisierte dort eine riesige Pornoparty für zahlende Kunden. Um mehr Platz zu schaffen, ließ er die Möbel zerlegen und rausschaffen, ständig kamen neue Leute zur angegebenen Adresse. Am Ende des Tages saß Ari auf über 80.000 Dollar Schaden, musste die Polizei einschalten und hielt die fristlose Kündigung in der Hand.

Solche Fälle wie auch Meldungen über Wohnungen, die für eine Woche oder zwei zu Ad-hoc-Bordellen umfunktioniert werden, werfen ein schlechtes Licht auf den Service, den im vergangenen Jahr rund elf Millionen Menschen genutzt haben und der erst vergangene Woche nach Informationen von Reuters eine Finanzspritze von 450 Millionen Dollar zu einer Gesamtbewertung von zehn Milliarden Dollar bekommen hat. Airbnb ist auf dem Weg, der nächste Super-Börsengang zu werden und seine jungen Gründer zu Milliardären zu machen.

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