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14.08.2015

11:29 Uhr

Verbraucherschützer zu Vergleichsportalen

„Speziell Verivox verhandelt knallhart“

VonJürgen Flauger

Udo Sieverding beobachtet seit Jahren den Markt für Billigstrom – und die Vergleichsportale. Der Preisvergleich des Marktführers Verivox ist für den Energieexperten der Verbraucherzentrale NRW Fluch und Segen zugleich.

„Man darf nicht vergessen, dass die Portale das ja nicht ohne Eigennutz machen.“ Imago

Vergleichsportal Verivox

„Man darf nicht vergessen, dass die Portale das ja nicht ohne Eigennutz machen.“

Herr Sieverding, sind Sie als Verbraucherschützer froh, dass es Vergleichsportale für Energiepreise wie Verivox gibt?
Grundsätzlich ja. Der Wettbewerb auf dem Energiemarkt wäre ohne die Portale wohl nicht in dem Maße in Schwung gekommen, wie wir ihn derzeit erleben. Die Portale sind für die Verbraucher die einzige Möglichkeit, einen Überblick über die Vielfalt an Tarifen zu behalten. Jeder Haushalt kann immerhin aus rund 150 Angeboten bei Strom und 80 bei Gas wählen. Aber es gibt natürlich auch Probleme.

Inwiefern?
Man darf nicht vergessen, dass die Portale das ja nicht ohne Eigennutz machen, sondern einen Gewinn erwirtschaften wollen. Natürlich haben die Portale die Möglichkeit, die Kunden zu Tarifen von Partnern zu lotsen, mit denen sie hohe Provisionen vereinbart haben.

Udo Sieverding ist Bereichsleiter Energie bei der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen.

Der Interviewpartner

Udo Sieverding ist Bereichsleiter Energie bei der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen.

Welche?
Das funktioniert über die Voreinstellungen bei den Auswahlkriterien, die man deshalb bei jeder Nutzung erst genau an die eigenen Wünsche anpassen sollte. Außerdem gibt es seit einiger Zeit die so genannten Position-Null-Angebote.

Was ist das denn?
Wenn Sie bei Check24 und Verivox einen Tarif suchen, steht über der eigentlichen Ergebnisliste das Angebot eines Unternehmens, das nicht das günstigste ist, das für diese Positionierung aber bezahlt hat. Da steht inzwischen zwar „Anzeige“ darüber, für den Verbraucher ist das aber nicht so leicht zu unterscheiden. Da fallen nach unserer Erfahrung viele darauf herein.

So vergleichen Sie richtig

Tipps der Verbraucherzentrale

Vergleichsrechner im Internet sind eine sinnvolle Hilfe bei der Suche nach einem günstigen Stromtarif. Die Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, wie Verbraucher die Rechner richtig nutzen.

Mehrere Preisrechner nutzen

Im Internet finden sich zwar etliche Vergleichsrechner, viele davon greifen aber auf dieselben Preis-Datenbanken zurück. Die größte Transparenz verschafft sich, wer parallel bei verschiedenen Anbietern sucht wie zum Beispiel Verivox, Check 24, Toptarif oder Mut-zum-Wechseln.

Voreinstellungen bewusst wählen

In vielen Eingabemasken sind bestimmte Suchkriterien voreingestellt. Wer mehrere Rechner nutzt, sollte immer dieselben Einstellungen wählen. Die Verbraucherzentrale rät, Angebote mit Vorkasse oder Kaution von der Suche auszuschließen. Auch Boni sollte man zunächst ausblenden, um den Preisvergleich nicht zu verzerren.

Hervorgehobene Angebote hinterfragen

Zurzeit finden sich bei manchen Vergleichsrechnern hervorgehobene Angebote ganz oben in der Ergebnisliste, beim Preisrechner Verivox etwa heißen sie „Tipp“, gleichzeitig sind sie als „Anzeige“ ausgewiesen. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass bezahlte Anzeigen in Preisrechnern oft nicht deutlich genug markiert sind. Für Verbraucher ist in vielen Fällen nicht erkennbar, aus welchem Grund manche Angebote besonders empfohlen werden.

Nicht nur auf den Preis schauen

Wer bei der Suche den billigsten Anbieter wählt, kann später Probleme bekommen. Bei der Verbraucherzentrale häufen sich Beschwerden über Stromanbieter, die sich oder ihre Markentöchter mit besonders preiswerten Angeboten an die Spitze der Preisvergleiche schieben. Vor dem Zuschlag sollte jeder im Internet recherchieren, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Anbieter haben.

Vor Vertragsschluss recherchieren

Zur Suche gehört auch: Nicht sofort über den Preisrechner einen neuen Vertrag abschließen. Die Rechner übernehmen nämlich keine Gewähr für Konditionen. Verbraucher sollten sich erst auf den Internetseiten des jeweiligen Stromanbieters informieren, ob der ausgewählte Tarif noch aktuell ist. Auch ein Vertragsabschluss ist natürlich mit dem Stromanbieter direkt möglich, statt über einen Stromvergleichsrechner.

Sich höchstens für ein Jahr binden

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, mit dem neuen Anbieter einen Vertrag von nicht länger als einem Jahr Laufzeit zu vereinbaren. Die Kündigungsfrist sollte höchstens einen Monat betragen. Denn auch vermeintliche Preisgarantien werden im Kleingedruckten manchmal eingeschränkt, so dass die Preise weiter steigen können. Verbraucher und Verbraucherinnen sollten sich die Chance lassen, auf neue Marktentwicklungen schnell zu reagieren.

Stromanbieter klagen über die große Marktmacht der Portale. Können Sie die Kritik verstehen?
Natürlich kommen die Versorger im Online-Geschäft nicht an den Portalen vorbei – und die lassen sich das entsprechend bezahlen. Und was man hört, verhandelt speziell Verivox knallhart.

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Ob Reisen, Handyverträge oder Versicherungen – Preisvergleichsportale im Internet boomen. Auf dem Strommarkt gerät Marktführer Verivox in die Kritik. Energieanbieter werfen ihm vor, seine Marktmacht brutal auszunutzen.

Wäre denn eine stärkere Regulierung wünschenswert?
In Österreich gibt es ein staatliches Portal. Das ist natürlich objektiver. Allerdings ist der Markt auch viel übersichtlicher. Und ich habe schon großen Respekt vor den Datenbanken, die die deutschen Portale aufgebaut haben.Die haben schon eine hohe Qualität.

Sind die Portale denn mehr Fluch als Segen für den Verbraucher?
Es ist von beidem etwas. Durch die Portale hat sich ein begrüßenswerter Preiskampf entwickelt. Doch nun locken zahlreiche Unternehmen im ersten Jahr mit hohen Boni– und versuchen dann mit Preiserhöhungen, diese Ausgaben wieder wett zu machen. Das ist für „Preishopper“, die jedes Jahr wechseln, gut. Wer aber nur einmal wechseln und danach seine Ruhe haben will, muss gut aufpassen, dass er im Nachhinein nicht doch drauf zahlt.
Herr Sieverding, vielen Dank für das Interview.

Kommentare (3)

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Frau Ich Kritisch

14.08.2015, 13:08 Uhr

früher gab es die Stadtwerke. Die durften keine Gewinne machen.
Dann war man der Meinung man müsse das privatisieren, weil Strom und Gas selbstverständlich preiswerter werden wenn eine private Firma Gewinne macht. Nachdem Strom und Gas dadurch nicht billiger wurden sorgte man künstlich für Wettbewerb. Wettbewerb bedeutet das Werbung gemacht werden muss.

Nun zahlt der Verbraucher für Strom und Gas, den Gewinn der Privatfirmen und die Werbung.

Nein, billiger wurde es dadurch nicht, aber mancher Verbrauche hatte zudem noch das Glück Geld eine einen Pleitier gezahlt zu haben und somit Strom und Gas zweimal zahlen zu dürfen.

Schöne neue Welt!

Herr wulff baer

14.08.2015, 16:14 Uhr

Wenn man sich überlegt, dass die Deutschen die höchsten Strompreise in Europa zahlen und Angelina die Große über Nacht Atomkraftwerke abschalten lässt und der Steuerzahler, der größte Geschädigte in ganz Europa, jetzt vielleicht Hunderte Milliarden Schadenersatz leisten muß, kann man zu dem Schluß kommen, dass unsere Politiker nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.
In Frankreich kostet Strom ca. 15c/KW/h, in Bulgarien 8 c und der deutsche Depp wird mit 25 bis 30 Cent im wahrsten Sinne des Wortes über den Tisch gezogen.
Und dann haben wir die provisionsgeile Verivox, die aufgrung meiner persönlichen leidvollen Erfahrung teilweise mit sehr, sehr unseriösen Anbietern zusammenarbeitet.
Ich schaue mir die Vergleiche an, buche aber nie mehr über Verivox.

Herr richard roehl

17.08.2015, 10:04 Uhr

Falsch, mehrheitlich zahlen wir für Energieutopia, wie Herr Baer schon richtig bemerkte

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