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07.02.2017

15:08 Uhr

Verdacht auf Insiderhandel

Deutsche Börse gibt Kengeter Rückendeckung

Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse stärkt seinem Vorstandsvorsitzenden den Rücken. Carsten Kengeter steht unter dem Verdacht des Insiderhandels, besitzt aber „einstimmig“ das „volle Vertrauen“.

Obwohl die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen den der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse wegen Insiderhandels ermittelt, steht der Aufsichtsrat hinter ihm. dpa

Carsten Kengeter

Obwohl die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen den der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse wegen Insiderhandels ermittelt, steht der Aufsichtsrat hinter ihm.

Frankfurt/BrüsselDie Deutsche Börse stellt sich hinter Carsten Kengeter und will mit ihrem Vorstandschef für die geplante Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) kämpfen. Der Aufsichtsrat habe Kengeter, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Insiderhandels ermittelt, auf einer außerordentlichen Sitzung „einstimmig sein volles Vertrauen“ ausgesprochen, teilte Deutschlands größter Börsenbetreiber am Dienstag mit. Der EU-Kommission boten Deutsche Börse und LSE offiziell den Verkauf der LSE-Tochter Clearnet SA an, um von den Wettbewerbshütern grünes Licht für ihre gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion zu bekommen.

Informell hatten die Unternehmen den Clearnet-Verkauf in Brüssel schon vor einiger Zeit als Zugeständnis ins Feld geführt. Das Abwicklungshaus soll – nach einer Fusion – für 510 Millionen Euro an die in Paris beheimatete Mehrländerbörse Euronext gehen. Die Unternehmen seien nach Gesprächen mit der EU-Kommission zuversichtlich, dass das ausreichen werde, um die Bedenken der Behörde zu zerstreuen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Von Überlegungen, der EU-Kommission weitere kleinere Zugeständnisse anzubieten, habe man deshalb in den vergangenen Tagen Abstand genommen.

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Nach der offiziellen Einreichung des Vorschlags verlängerte die EU-Kommission die Frist, bis zu der sie über den Zusammenschluss entscheiden will, bis zum 3. April. Neben der EU muss auch die hessische Börsenaufsicht die Fusion genehmigen. Die Behörde sieht es Insidern zufolge aber kritisch, dass die Holdinggesellschaft der Mega-Börse nach derzeitigen Plänen in London angesiedelt werden soll. Sie müsse ihren Sitz in Frankfurt haben, hatte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer in einem Reuters-Interview gefordert.

Ermittler hatten vergangene Woche das Büro von Kengeter in Eschborn bei Frankfurt sowie seine Privatwohnung durchsucht. Der langjährige Investmentbanker hatte im Dezember 2015, gut zwei Monate vor Bekanntwerden der LSE-Fusionsgespräche, in großem Stil Aktien der Deutschen Börse gekauft. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat den Verdacht, dass Kengeter zu dieser Zeit bereits mit der LSE über eine Fusion verhandelte. Nach der Verkündung des Deals legten die Aktien beider Börsenbetreiber deutlich zu.

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Aufsichtsratschef Joachim Faber hatte sich unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Ermittlungen hinter Kengeter gestellt. Nun tat das auch der gesamte Aufsichtsrat. Man habe die Abläufe des Jahres 2015 erneut analysiert und dabei auch mit externen Sachverständigen gesprochen, erklärte das Unternehmen. „Ergebnis der Prüfung war die übereinstimmende Erkenntnis, dass Fusionsverhandlungen mit der LSE im Jahr 2015 nicht stattgefunden haben.“ Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wollte sich dazu nicht äußern.

Ihre Ermittlungen gehen auf Anzeigen gegen Kengeter zurück, eine davon anonym. Inzwischen hat auch die Finanzaufsicht BaFin, die sich mit der Fusion schon länger beschäftigt, ihre Ermittlungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, wie eine BaFin-Sprecherin erklärte. Die Behörde hat sich nicht nur mit dem Verdacht des Insiderhandels beschäftigt, sondern auch mit der Frage, ob die Deutsche Börse die Märkte zu spät mit einer Adhoc-Mitteilung über die geplante Fusion informierte. Die Konzerne taten dies erst, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv über die Fusionsgespräche berichtet hatte.

Insiderhandel nachzuweisen fällt den Behörden in Deutschland oft schwer. In 42 Fällen war die BaFin im vergangenen Jahr konkreten Verdachtsmomenten nachgegangen, nur in jedem zweiten Fall reichten sie am Ende aus, um bei den Staatsanwaltschaften Strafanzeige zu erstatten. Gerichtsurteile wegen Insiderhandels gab es 2016 nur zwei.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Ciller Gurcae

07.02.2017, 09:28 Uhr

Hat er auch das Vertrauen von Merkel? Ich kann mir keinen Staat vorstellen, der seine Börsengesellschaft ins Ausland verschachert. Oder verschachern läßt. Aber im Plünderungsgebiet D geht einfach alles.

Mein Vertrauen hat er jedenfalls nicht. Wenn das Gesetz gegen Insiderhandel irgendeine Bedeutung haben soll, dann muß der Staatsanwalt gegen diesen Goldmann-Sachs- Abkömmling Klage erheben.

Vor Gericht wird man das Nötige schon herausfinden.

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