Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2012

20:44 Uhr

Verdacht auf Steuerbetrug

Manager von Fluege.de-Betreiber Unister verhaftet

Razzia bei Unister: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Betreiber der Internet-Reiseportale fluege.de oder Ab-in-den-Urlaub.de wegen dem Verdacht auf illegalen Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung.

Ein Screenshot des Internetportals "fluege.de". Die von der Firma Unister betriebene Seite stand im Sommer wegen versteckten Gebühren stark in der Kritik. www.fluege.de

Ein Screenshot des Internetportals "fluege.de". Die von der Firma Unister betriebene Seite stand im Sommer wegen versteckten Gebühren stark in der Kritik.

LeipzigBeim Internet-Unternehmen Unister (fluege.de, ab-in-den-urlaub.de) sind zwei Top-Manager wegen Verdachts illegaler Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verhaftet worden. Am Dienstag wurden bei einer großangelegten Razzia Büros und Wohnungen durchsucht. Das Unternehmen sprach von einem unverhältnismäßigen Vorgehen.

Unister-Kunden sei eine Absicherung gegen Stornierungen angeboten worden, hinter der nicht wie üblich eine Versicherung, sondern die Firma selbst gestanden habe, erläuterten die Ermittler. Dafür hätte der Portal-Betreiber demnach eine Genehmigung vom Bundesaufsichtsamt für Versicherungswesen benötigt. „Diese Genehmigung hat die Firma nicht“, sagte Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden. Obendrein sei keine Versicherungssteuer abgeführt worden. Damit sei ein Steuerschaden von rund einer Million Euro entstanden.

Das Unternehmen verwies am Dienstagabend auf die Möglichkeit unterschiedlicher rechtlicher Bewertungen: „Je nachdem, ob man unser Produkt als Nebenleistung zur Reisevermittlung oder als Versicherung wertet, resultieren daraus unterschiedliche steuerliche Folgen.“ Unister stehe in dieser Frage seit geraumer Zeit in Kontakt mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Bafin habe erst am Dienstag zur Durchsuchung mitgeteilt, dass sie das Angebot als Versicherung betrachte und untersagen wolle. Unister finde das Vorgehen der Untersuchungsbehörden unverhältnismäßig, da der Sachverhalt bereits 2011 offen kommuniziert worden sei und Rechtsfragen nach wie vor ungeklärt seien.

Fahnder des Landeskriminalamtes durchsuchten von Dienstagmorgen an den Unister-Hauptsitz in Leipzig sowie rund 20 Wohnungen und Büros im Bundesgebiet. Sie beschlagnahmten Computer und Akten. Insgesamt wird gegen acht Mitarbeiter aus der Unister-Führung wegen des Verdachts ermittelt, unerlaubt Versicherungen vertrieben zu haben. Die Durchsuchungen dauerten den ganzen Tag. Die Angestellten durften während dieser Zeit nicht an ihre Arbeitsplätze und Computer.

Unister-Chef Thomas Wagner. dpa

Unister-Chef Thomas Wagner.

Unister betreibt eine ganze Reihe von Portalen und macht das Hauptgeschäft mit dem Verkauf von Reisen im Internet. Die Firma wurde 2002 von dem Studenten Thomas Wagner (34) gegründet. Er lenkte seither die Geschicke des Unternehmens, das unter dem Dach einer Holding auch Portale wie geld.de, preisvergleich.de oder hotelreservierung.de vereint. Nach eigenen Angaben beschäftigt Unister mehr als 1500 Mitarbeiter.

Im Sommer waren Vorwürfe gegen Unister erhoben worden. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnte öffentlich vor dem Portal fluege.de, wo bei der Buchung versteckte Gebühren aufgeschlagen würden. Unister-Chef Wagner wies die Vorwürfe zurück.

Die sächsische Antikorruptionseinheit „INES“ ermittele seit dem 1. Oktober gegen die acht Unister-Mitarbeiter, sagte Klein. Ausgangspunkt sei eine anonyme Anzeige gewesen. Der Anfangsverdacht habe sich erhärtet. Es sei „Gegenstand der weiteren Ermittlungen“, ob das Geschäft mit den Versicherungen auch auf anderen Portalen betrieben worden sei. „INES“ hatte auch schon die Ermittlungen gegen das illegale Filmportal Kino.to geführt.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

trotter5

12.12.2012, 16:05 Uhr

Dreistigkeit gehört bei Unister zum Geschäftsmodell. Durch Dummheit ist es wohl kaum zu erklären, dass dort in Eigenverantwortung Versicherungsgeschäfte betrieben werden. Die Rechtslage scheint so eindeutig zu sein, dass man sich fragen muss, warum das BaFin bisher nicht eingeschritten ist

lololol

12.12.2012, 20:58 Uhr

ab-in-das-kittchen.de

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×