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30.11.2012

17:00 Uhr

Verdacht der Untreue

Razzia bei Ex-HSH-Chef Nonnenmacher

Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten die Wohnungen des Ex-Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher. Er soll von einer Intrige gegen einen früheren Vorstandskollegen der Bank gewusst haben.

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte Wohnungen des ehemaligen HSH-Nordbank-Chefs Dirk Jens Nonnenmacher. dpa

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte Wohnungen des ehemaligen HSH-Nordbank-Chefs Dirk Jens Nonnenmacher.

KielDie Staatsanwaltschaft Kiel hat am vergangenen Mittwoch in Frankfurt und Hamburg die Wohnungen des früheren Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, durchsucht. Die Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, Birgit Heß, bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Sie ermittelt gegen den Ex-Banker wegen falscher Verdächtigung durch Unterlassen sowie wegen Untreue.

Hintergrund für die Durchsuchungen ist der Rauswurf des früheren HSH-Nordbank-Vorstands Frank Roth im April 2009. Roth war fristlos mit der Begründung gefeuert worden, er habe Bankinterna an die Presse weitergeleitet. Die vorgelegten angeblichen Beweise stellten sich bald danach allerdings als fingiert heraus, die Bank musste Roth vollständig rehabilitieren und mit einer Millionensumme entschädigen.

Auf der Suche nach den Drahtziehern der mutmaßlichen Intrige wird neben dem früheren Justiziar der Bank, Wolfgang Gößmann, nun auch Nonnenmacher als Beschuldigter geführt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft könnte Nonnenmacher von der falschen Verdächtigung gewusst und nichts dagegen unternommen haben.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

In den Skandal, der indirekt zu Nonnenmachers eigenem Rücktritt Anfang 2011 beigetragen hatte, war damals auch ein Sicherheitsunternehmen verwickelt. Der Untreueverdacht ergibt sich „Spiegel Online“ zufolge daraus, dass die HSH Nordbank diese Firma im Zusammenhang mit dem Rauswurf bezahlt haben soll. Offenbar haben sich bei der Auswertung von Computerfestplatten neue Erkenntnisse ergeben.

Nonnenmachers Anwalt teilte mit, er könne zu dem Vorgang nichts sagen, wie es in dem „Spiegel“-Bericht heißt. Ex-Justiziar Gößmann hatte die Vorwürfe stets bestritten, ebenso die inzwischen insolvente Sicherheitsfirma.

Die HSH erklärte, sie habe Kenntnis, dass gegen Nonnenmacher wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung und der Untreue ermittelt werde. "Wir haben sofort Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Kiel beantragt und werden unverzüglich nach der Gewährung derselben prüfen, ob sich aus den Ermittlungsakten neue Erkenntnisse ergeben, die uns zur Geltendmachung von Ansprüchen gegen die Beschuldigten ermächtigen."

Die Durchsuchung steht nicht in Verbindung mit der Anklage, die die Hamburger Staatsanwaltschaft vor dem Hintergrund von Wertpapiergeschäften der HSH Nordbank gegen Nonnenmacher erhob. Das Institut war durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise nach 2008 und verlustreiche Spekulationen in Schieflage geraten. Die Hauptanteilseigner, die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein, mussten mit Kapitalspritzen und Garantien in Milliardenhöhe stabilisieren. Auch der Bankenrettungsfonds des Bundes (SoFFin) sprang ein.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

30.11.2012, 17:32 Uhr

Das ist doch reine Schau und Zeitverschwendung. Wenn der Betroffene, so er was zu verbergen hätte, allerdings nach so vielen Jahren noch ein Krümel Papier im Haus oder eine Adresse oder email auf dem Computer hat, ist ihm tatsächlich nicht zu helfen.

groeschel29764

30.11.2012, 17:56 Uhr

Die Staatsanwaltschaft muss eindeutig beweisen ab wann der Betroffene wusste, dass die Anschuldigungen gegen Roth falsch waren und er nichts dagegen unternommen hat. Bisher hat sie anscheinend nicht genug Beweise, sonst hätte sie die Hausdurchsuchung nicht gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da etwas findet.

AmigosGruessenSogarAusserirdisch

30.11.2012, 18:09 Uhr

Schauspiel würde ich so nicht sagen. Die Zeichen stehen ganz im Focus auf Bayern. Ob die sich denn alle daran erinnern können, daß dort die Uhren anders gingen. Na ja, nicht jeder muß Amigo zu Hause sein. Wenn das Faß überlief, lief so mancher Multi zu Fuß über die Alpen und der schnöde Mammon, der wurde schlußendlich via einer Tochter als Gesellschaft eingekauft und dahingehend ganz geräuscharm verschoben.

Reine ZEITverschwendung @mondahu, NEIN keineswegs, sie sind im vollen Rausch der Befindlichkeiten; denn BürgerINnen sollten wissen, niemand schafft diese Kaste ab, außer diese sich selbst. Laßt sie nur ruhig tun. Der Krug geht solange zum Brunnen, bis dieser versiegt. Dann wird das Geschrei umso größer. Einfach nur global die Pressen anwerfen, wird es nicht bringen.

Apel sagte so schön, ich glaub mich tritt ein Pferd. Wenn alles versteppt, dann treten sich die Pferde gewiß auch gegenseitig mal auf den Schwanz und kämpfen gegeneinander, quasi bis zum Umfallen.

Da fällt mir gerade der brisante alles erklärende Satz auf dieser Seit auf: BayernLB zahlt Schulden an Freistaat zurück. Wie das Herr Seehofer? Von der einen Veranstaltung zur anderen mit Freilosen hantieren, da nenne ich dann wirklich "freie Marktwirtschaft" in systemrelevanten Bündnissen. Wo Seile ungeeignet, da dürfen es mitunter Kälberstricke sein oder?

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