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12.06.2015

11:44 Uhr

Verdi erhöht Druck auf Post

Noch mehr Briefträger treten in den Streik

Die Post gerät durch die massive Ausweitung der Streiks von Zustellern und Beschäftigten in Briefzentren immer stärker unter Druck. Am Freitag schickte Verdi weitere Brief- und Paketboten in einen dauerhaften Ausstand.

Immer mehr Briefe dürften wegen des Tarifstreits liegenbleiben. dpa

Poststreik

Immer mehr Briefe dürften wegen des Tarifstreits liegenbleiben.

DüsseldorfDie Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ihren Streik bei der Deutschen Post erneut ausgeweitet. Mit Schichtbeginn am Freitag seien weitere tausend Brief- und Paketzusteller in Nordrhein-Westfalen zum unbefristeten Streik aufgerufen, teilte Verdi NRW am Freitagmorgen in Düsseldorf mit. Damit beteiligten sich allein in NRW mehr als 4.500 Post-Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen.

Betroffen sind den Angaben zufolge ausgesuchte Orte der Niederlassungen Köln-West, Düsseldorf, Dortmund, Herford, Bonn, Duisburg, Münster, Essen, Hagen und Siegen. In den 14 Briefverteilzentren im Land gehe der unbefristete Streik ebenfalls weiter. Auch in anderen Bundesländern erhöhte Verdi die Schlagzahl.

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Kurz vor Fristende schnell eine Kündigung verschicken? Das kann während des Poststreiks zum Problem werden. Welche Rechte Kunden haben und welche Versandart die Rettung ist – obwohl sie vielfach als antiquiert gilt.

Am Donnerstag hatte Verdi von deutschlandweit 16.000 streikenden Mitarbeitern gesprochen, die Post AG gab ihre Zahl mit rund 15.000 an. Aufgrund von „Ausgleichsmaßnahmen“ seien die Auswirkungen für die Kunden aber „weiterhin gering“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Rund 87 Prozent der Briefe und rund 84 Prozent der Pakete würden ihre Empfänger pünktlich erreichen.

Der Verdi-Fachbereichsleiter für Postdienste in NRW, Uwe Speckenwirth, nannte das Verhalten der Post-Konzernspitze am Freitag einen „tarif- und sozialpolitischen Skandal“. Das Dax-Unternehmen wolle seinen Gewinn von 2,97 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf fünf Milliarden Euro im Jahr 2020 erhöhen. Dies solle "wesentlich durch Lohnsenkungen bei den Beschäftigten erzielt werden, um den Aktionären eine noch höhere Dividende zu zahlen".

Die Post-Beschäftigten hatten am Montag mit dem unbefristeten Streik begonnen. Knackpunkt in dem festgefahrenen Tarifkonflikt ist vor allem die schlechtere Bezahlung bei den umstrittenen neuen Regionalgesellschaften der Post. Die Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag der Deutschen Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Verdi lehnt dies strikt ab und sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

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