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13.06.2015

09:50 Uhr

Verdi

Mehr Zusteller sollen streiken

Bei der Post tobt ein erbitterter Arbeitskampf, ein Ende ist längst noch nicht in Sicht. Verdi will nach und nach mehr Zusteller in den Ausstand holen – und damit den Konzern zum Einlenken zwingen.

Am Freitag beteiligten sich fast 18.000 Zusteller und Beschäftigte in Briefzentren am Streik. dpa

Poststreik

Am Freitag beteiligten sich fast 18.000 Zusteller und Beschäftigte in Briefzentren am Streik.

Bonn/BerlinIm Streik bei der Deutschen Post will die Gewerkschaft Verdi die Muskeln spielen lassen. „Wir legen nach und holen jetzt Tag für Tag mehr Zusteller in den Arbeitskampf“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andreas Kocsis der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei sieht sich die Gewerkschaft auch für länger andauernde Streiks gewappnet. „Wir brechen keinen Arbeitskampf vom Zaun, wenn wir nicht wüssten, dass wir ihn finanziell durchstehen könnten“, sagte Kocsis, die auch stellvertretende Vorsitzende des Post-Aufsichtsrates ist.

Wie lange der Atem in dem Streik reicht – wie gut also die Streikkasse ausgestattet ist und welche Beträge an Streikende fließen –, wollte sie nicht sagen. Für jeden Verdi-Mitarbeiter im Ausstand zahlt die Gewerkschaft eine Unterstützung, aber keinen Lohnausfall.

Dadurch müssen Streikende auch Einkommenseinbußen hinnehmen. Fünf Tage nach dem Beginn der unbefristeten Ausstände hatten sich am Freitag bei der Post fast 18.000 Zusteller und Beschäftigte in Briefzentren im Dauerstreik befunden.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Kocsis machte erneut deutlich, dass Verdi die geplante Auslagerung der Paketzustellung über die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften rückgängig machen will. Jobs könnten auch im Haustarifvertrag langfristig gesichert werden. „Wir glauben, dass die Post ein sehr gutes Netz hat“ – dieses würde sie nun zerschlagen.

Die Gründung der Gesellschaften im Paketgeschäft ist der Knackpunkt in dem Tarifstreit. Die rund 6000 dort inzwischen fest Beschäftigten werden nicht nach dem Haustarifvertrag bezahlt, sondern nach den schlechteren Bedingungen des Speditions- und Logistikgewerbes.

Post-Chef Frank Appel argumentiert, die Gehälter seien im Vergleich zur Konkurrenz viel zu hoch. Er will das Kostenniveau senken. Gleichzeitig verspricht Appel, viele neue und unbefristete Jobs in dem Bereich zu schaffen.

Verdi sei nicht angetreten, um ein Sparpaket der Post umzusetzen, konterte Kocsis. Vielmehr gehe es jetzt darum, in einem „kerngesunden Unternehmen, das Milliardengewinne macht“, einen Kompromiss zu finden. Technisch sei die Rückabwicklung der Auslagerung das kleinste Problem.

Zugleich zeigte sie sich zuversichtlich, dass der Arbeitgeber in der kommenden Woche auf Verdi zukommen werde. „Wir haben dargelegt, dass wir kompromissfähig sind“, beteuerte Kocsis. Allein der Verzicht auf eine lineare Gehaltserhöhung in diesem Jahr würde der Post auf zehn Jahre gerechnet 1,2 Milliarden Euro an Einsparungen bringen.

Von

dpa

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