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22.09.2011

11:42 Uhr

Vergangenheits-Bewältigung

Die Quandts bedauern ihre Rolle in Nazi-Deutschland

Ihre Vorfahren bereicherten sich in der Nazi-Zeit rücksichtslos. Mit dieser Wahrheit haben sich die Erben der Industriellenfamilie Quandt erst spät auseinandergesetzt. Nun machen die Kinder dem Vater schwere Vorwürfe.

Der Großindustrielle Herbert Quandt am 26.11.1973. schwere Vorwürfe der Kinder. dpa

Der Großindustrielle Herbert Quandt am 26.11.1973. schwere Vorwürfe der Kinder.

HamburgIn ihrem ersten Interview zu diesem Thema haben BMW-Großaktionär Stefan Quandt und seine Cousine, die Unternehmerin Gabriele Quandt, in der Wochenzeitung „Die Zeit“ ihren Vätern Herbert und Harald Quandt sowie ihrem Großvater Günther Quandt unmoralisches Verhalten vorgeworfen. „So wie unsere Vorfahren möchten wir bei der Verwaltung und Gestaltung eines großen Vermögens mit unserer Verantwortung nicht umgehen“, sagte Stefan Quandt.

Günther Quandt soll in seinen Rüstungsfabriken bis zu 50.000 Zwangsarbeiter ausgebeutet und zudem von sogenannten „Arisierungen“ von Betrieben im vormals jüdischen Besitz profitiert haben. „Dass unser Großvater über die Grenzen dessen, was man als Anstand oder Verhalten eines „ehrbaren Kaufmanns' bezeichnet, hinausgegangen ist, das sehe ich auch so“, sagte Stefan Quandt in dem Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Zeitung. Sein unternehmerischer Gestaltungswille habe „an moralischen Grenzen nicht haltgemacht.“

Gabriele Quandt sagte über ihren Großvater: „Natürlich würden wir uns wünschen, dass er, wenn er schon von den sogenannten Arisierungen profitieren konnte, wenigstens großzügiger gewesen wäre. Aber er hat es wohl eher als einen glücklichen Umstand bewertet, wenn er eine Firma günstig übernehmen konnte.“

Die Familie hatte nach einer kritischen NDR-Dokumentation ihre Geschichte vom Bonner Historiker Joachim Scholtyseck aufarbeiten lassen. Er hatte belegt, dass auch Herbert Quandt in den Zwangsarbeitereinsatz verstrickt war. Der Vater sei in der NS-Zeit „Teil des Systems“ gewesen, sagte Stefan Quandt. „Aber in den fast vier Jahrzehnten, die darauf folgten, hat er Werte umgesetzt, die mir sehr wohl als Vorbild dienen.“ Die Familie will weiterhin ihren nach Herbert Quandt benannten Medienpreis verleihen.

Die Quandts kündigten an, ein Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide zu fördern. Dort stehen noch zwei Baracken, in denen Zwangsarbeiter der Quandt-Firma Pertrix untergebracht waren. Eine der Baracken soll zu einem Jugendbegegnungszentrum umgebaut werden, die andere soll für Ausstellungen und Seminare zum Thema Zwangsarbeit genutzt werden.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.09.2011, 12:20 Uhr

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Wenn Deutschland wüßte was alleine diese Familie dieses Land gekostete hat, dann ......
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_zum_Thema

22.09.2011, 12:24 Uhr

In 1000 Jahren bekommen wir das noch immer unter die Nase gerieben.

Wer verfolgt eigentlich die Hexenjäger?

Account gelöscht!

22.09.2011, 12:50 Uhr

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Keiner,
vor denen macht ihr jeden Tag drei mal einen Kniefall.
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