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05.01.2011

09:18 Uhr

Vergleich über Ruhegehalt

Ulrich Schumacher fügt Infineon Schlappe zu

Jahrelang haben sich Infineon und Ulrich Schumacher gestritten. Vor ein paar Tagen, quasi in der geruhsamen Weihnachtszeit, wurde nun Frieden geschlossen. Der ehemalige Chef des Halbleiterkonzerns bekommt ein Ruhegehalt von 560 000 Euro pro Jahr. Damit geht eine Schlammschlacht zu Ende.

Ulrich Schumacher hat gut Lachen: Infineon zahlt. Quelle: dpa

Ulrich Schumacher hat gut Lachen: Infineon zahlt.

HB HAMBURG. Der Halbleiterkonzern Infineon legt den jahrelangen Abfindungsstreit mit seinem früheren Vorstandschef Ulrich Schumacher bei. Das Unternehmen will dem Manager nun ab April 2018 ein jährliches Ruhegehalt von 560.000 Euro zahlen, wie aus der Einladung zur Hauptversammlung hervorgeht. Im Gegenzug nimmt Schumacher alle Klagen gegen den Halbleiterkonzern zurück und verzichtet auf alle weitergehenden Forderungen.

Infineon hatte nach Schumachers Rücktritt im März 2004 lediglich die Hälfte seiner Abfindung von insgesamt 5,25 Millionen Euro ausbezahlt. Die restliche Summe hatte der Konzern 2005 mit Verweis auf laufende Ermittlungsverfahren einbehalten. Im Herbst 2009 war ein Gerichtsverfahren wegen Bestechlichkeit und Untreue gegen Schumacher eingestellt worden. Lediglich wegen Steuerdelikten akzeptierte er eine Geldauflage von 200.000 Euro. Unter Schumacher war die einstige Siemens-Tochter tief in die roten Zahlen gerutscht. Schumacher bekommt nun einiges mehr an Pension, als seinem Nachfolger Peter Bauer zusteht, der das Unternehmen wieder in die Gewinnzone geführt hat. Laut Geschäftsbericht sind Bauers Altersbezüge von Infineon auf 400 000 Euro gedeckelt.

Die Aktionäre müssen der Einigung mit Schumacher auf der Hauptversammlung Mitte Februar noch zustimmen. Die Anteilseigner sollen dann auch über eine Aufstockung der Aufsichtsratsgehälter entscheiden. Die feste Vergütung soll demnach auf 50 000 Euro jährlich verdoppelt werden. Der Chefkontrolleur soll weitere 50 000 Euro erhalten. Demnach kann der designierte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber, der früher Lufthansa-Chef war, mit einem Jahresgehalt von mindestens 100 000 Euro rechnen.

Derzeit ist Ulrich Schumacher ohne Job. Bis zum September 2010 führte er den chinesischen Chiphersteller Grace Semiconductor. Allem Anschein nach gab es damals unterschiedliche Auffassungen über die Konzernstrategie.

Kommentare (5)

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WFriedrich

05.01.2011, 10:35 Uhr

Die Adoption ehemaliger beschäftigter durch das Unternehmen! Davon hätte nicht einmal Karl Marx zu träumen gewagt. DGb und iG Metall sind angesichts dieser beachtlichen Angebote der sozialen Marktwirtschaft fast überflüssig geworden. Fast! Denn nun gilt es diese epochale Sozialinnovation in die breite der Gesellschaft hinein zu tragen: "brüder zur Sonne zur Alimente".

Abkassierer-in-Nadelstreifen

05.01.2011, 10:56 Uhr

So läuft das also in Deutschland!
Der Mann ist 2018 59 Jahre alt und bekommt von seinem ehemaligen Arbeitgeber jährlich bis Tod 560.000 € Ruhegehalt.
Wer kann mir bitte erklären, warum ich als Normalverdiener überhaupt noch arbeiten gehen soll?
Für was eigentlich, wenn doch nichts dabei rum kommt?
ich bekomme mit vielleicht 67 (wer weiß?) eine Rente knapp über dem Sozialhilfeniveau und habe dafür 40 Jahre geschuftet. Sowas kann doch einfach nicht wahr sein. ich bin nicht neidisch, sondern richtig wütend. Schumacher (52 Jahre), Nonnenmacher (47 Jahre), Zumwinkel, Claassen (47 Jahre) und Konsorten bankster, Spitzenmanager und Politiker (die Aufzählung liese sich unendlich fortsetzen) kassieren fette Ruhegelder und Pensionen, während der Normalarbeitnehmer immer weiter geschröpft wird und mit einer niedrigen Rente und längerer Lebensarbeitszeit rechnen muß.
Mich kotzt dieses ganze neokapitalistische Wirtschaftssystem der Oben-Abkassierer und politischen Schönredner nur noch an!
ich bin für die soziale Marktwirtschaft, die den erwirtschafteten Gewinn gerecht verteilt und jedem Teilnehmer am Wertschöpfungsprozeß wirtschaftlich zugute kommt. Nur so kann ein Wirtschaftssystem und ein funktionierender Staat auf Dauer funktionieren.
Alles andere endet über kurz oder lang in der Katastrophe.


Blauauge

05.01.2011, 11:10 Uhr

Die Erklärung für dieses schöne Zubrot von Herrn Schumacher liegt auf der Hand:
Kunstfehler des Aufsichtsratsvorsitzenden. Er ließ den Streit im Vorstand eskalieren, er bemerkte in seiner Kontrollfunktion die angeblichen Pflichtver-
letzungen des Vorstandsvorsitzenden Schumacher nicht, später stellten sich
diese Pflichtverletzungen offensichtlich als heißer Dampf heraus. Er ließ
zum falschen Thema lange Prozesse führen obgleich selber Jurist, so daß
er wissen mußte, was er tat etc. Dafür kassierte er bis zum bitteren Ende dicke AR-Tantiemen. im übrigen saß er in der Corporate Governance-Kommission!
Ein Prosit auf die Kommission!

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