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29.01.2013

15:41 Uhr

Verhandlungen abgebrochen

RWE steuert auf Arbeitskampf zu

Nach Eon könnte auch der Energiekonzern RWE bald bestreikt werden. Auch Kraftwerke sollen betroffen sein. Es droht der erste unbefristete Energie-Streik in der Geschichte der Bundesrepublik.

Eine Ladestation von RWE für ein Elektroauto. Der Konzern könnte bereits nächste Woche bestreikt werden. dpa

Eine Ladestation von RWE für ein Elektroauto. Der Konzern könnte bereits nächste Woche bestreikt werden.

DüsseldorfNach Eon droht jetzt auch dem Konkurrenten RWE ein Arbeitskampf. Die dritte Verhandlungsrunde für die rund 50.000 Beschäftigten in Deutschland sei am Montagabend ergebnislos abgebrochen worden, teilte die Gewerkschaft IG BCE am Dienstag mit. "Wir haben in keinem Punkt echte Fortschritte erreichen können", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden. Die Verhandlungskommission werde nun vorschlagen, die Gespräche für gescheitert zu erklären.

IG BCE und die Gewerkschaft Verdi wollen kommende Woche über das weitere Vorgehen beraten. Die Arbeitgeber müssten ein besseres Angebot vorlegen, um eine Eskalation zu verhindern, sagen sie. Bei E.ON könnte es derweil schon kommende Woche Streiks geben.

Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

Singles

2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

Paare ohne Kinder

2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

Alleinerziehende

2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

Paare mit Kindern

2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigen von RWE sechs Prozent mehr Lohn. Der Konzern hat nach ihren Angaben angeboten, die Gehälter 2013 und 2014 um jeweils 1,5 Prozent zu erhöhen. Außerdem sollen die Beschäftigen zwei Einmalzahlungen von je 500 Euro erhalten.

Das Unternehmen bestätigte diese Angaben nicht. RWE sei weiter gesprächs- und verhandlungsbereit, sagte ein Sprecher. "Angesichts der Herausforderungen der Energiewende benötigen wir Flexibilität bei der Zielsetzung, Beschäftigung zu sichern."

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Die Energiekonzerne sind wegen der Einbußen durch die Atomwende, wegen des schwächelnden Gasgeschäfts und hoher Schulden unter Druck. Eon und RWE haben Sparprogramme aufgelegt und wollen Tausende Arbeitsplätze streichen. Eon baut 11.000 Jobs ab, bei RWE sollen 10.400 Stellen wegfallen. RWE-Chef Peter Terium ringt zudem mit den Arbeitnehmervertretern über die Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, die die Gewerkschaften für zehn Jahre verlängern wollen.

Beim Konkurrenten Eon könnten die Mitarbeiter bereits Anfang kommender Woche in den Ausstand treten. Bis Freitag läuft noch die Urabstimmung, bei der mindestens 75 Prozent für einen Arbeitskampf stimmen müssten. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi wäre dies der erste unbefristete Streik in der Energiewirtschaft in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Gewerkschaften würden auch Kraftwerke bestreiken. Eon könnte dadurch gezwungen werden, Strom teuer an der Börse zuzukaufen.

Gewerkschaften fordern bis zu 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt

Diesjährige Tarifrunde

In der diesjährigen Tarifrunde fordern die Gewerkschaften zwischen fünf und 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zum Start der Tarifrunde 2013 mitteilte, laufen in diesem Jahr für rund 12,5 Millionen Beschäftigte die Lohn- und Gehaltstarifverträge aus.

Tarifforderung im öffentlichen Dienst

Nach einer Übersicht der Stiftung lautet die Tarifforderung im öffentlichen Dienst der Länder 6,5 Prozent. Erster Verhandlungstermin ist der 31. Januar. Bei der Deutschen Bahn fordert die Verkehrsgewerkschaft EVG ebenfalls 6,5 Prozent. Für die Holz- und Kunststoffindustrie, wo regional bereits verhandelt wird, will die IG Metall fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten.

Verhandlungen in der Energiewirtschaft

In der Energiewirtschaft beträgt die Forderung der Gewerkschaften ver.di und IG BCE 6,5 Prozent. Verhandelt wird in einzelnen Energieunternehmen und regionalen Verbänden. Bei E.ON laufen nach der ergebnislosen dritten Runde und einem Arbeitgeberangebot von 1,7 Prozent die Vorbereitungen für Urabstimmung und Arbeitskampf.

Verträge der IG Metall und der IG Bau

In der Eisen- und Stahlindustrie laufen die Verträge Ende Februar aus. Die IG Metall hat noch keine konkrete Forderung aufgestellt. Im Bauhauptgewerbe geht die IG BAU mit einer Tarifforderung von 6,6 Prozent in die Verhandlungen. Die Verträge laufen Ende März aus.

Der Einzelhandel

Im Einzelhandel haben die Arbeitgeber bundesweit sämtliche Einkommens- und Manteltarifverträge gekündigt. Ver.di bewertet das als Generalangriff auf die Tarifstandards. Die Verträge laufen regional unterschiedlich Ende März, April und Mai aus. Eine konkrete Tarifforderung von ver.di liegt noch nicht vor. Im Bereich Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert die Gewerkschaft NGG zwischen fünf und 6,0 Prozent mehr Geld.

Sonstige Branchen

Branchen, in denen in diesem Jahr ebenfalls verhandelt wird, sind unter anderem: Metall- und Elektroindustrie (April), Deutsche Post (März), Versicherungsgewerbe (März), Groß- und Außenhandel (März/April), Kfz-Gewerbe (April/Mai), Volkswagen (Juni), Maler- und Lackiererhandwerk (September), Leih-/Zeitarbeit (Oktober).

Tarifsteigerungen 2012

Im vergangenen Jahr betrug die jahresbezogene Tarifsteigerung nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung 2,7 Prozent (2011: Zwei Prozent). Dies habe zu einer realen (preisbereinigten) Anhebung der Tarifverdienste um 0,7 Prozent geführt.

Die Bevölkerung solle nicht getroffen werden. Für die 30.000 Beschäftigen von E.ON in Deutschland haben die Gewerkschaften 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Das letze Angebot der Arbeitgeber habe bei 1,7 Prozent gelegen.

Von

rtr

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