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02.06.2013

12:43 Uhr

Verkehr

Deutsche Bahn prüft Ausbau von Fernbuslinien

Seit der Liberalisierung des Marktes rollen immer mehr Busse über Deutschlands Fernstraßen. Nun liebäugelt auch die Deutsche Bahn mit dem Geschäft. Die Konjunkturschwäche macht dem Unternehmen zu schaffen.

Bald auch im Personenverkehr möglicherweise nicht mehr nur auf der Schiene unterwegs: Fahrzeug der Deutschen Bahn. obs

Bald auch im Personenverkehr möglicherweise nicht mehr nur auf der Schiene unterwegs: Fahrzeug der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn reagiert auf den Boom privater Fernbus-Betreiber in Deutschland und prüft den Ausbau eigener Fernbuslinien. Manfred Rudhart, Vorstandsvorsitzender von DB Regio, sagte der WirtschaftsWoche: „Meine Kollegen von DB Fernverkehr prüfen gerade, welche Busstrecken die ICE- und Intercity-Verbindungen der Deutschen Bahn sinnvoll ergänzen könnten.“ Weitere Strecken durch Deutschland „schließe ich nicht aus“, so Rudhart.
Die Pläne der Deutschen Bahn für einen Ausbau der Fernbusstrecken sind damit offenbar weiter gediehen als bisher angenommen. Bislang hatte der Konzern behauptet, dass man die Entwicklungen des Fernbusmarktes „beobachten“ wolle. Eine Zeitlang hieß es gar, die Bahn wolle sich nicht weiter engagieren, obwohl sie unter der Marke "Berlin Linien Bus" (BLB) bereits seit Jahren Fernbus-Linien vor allem nach Berlin anbietet. Der Aufbau einer neuen Strecke innerhalb Deutschlands erfolgte dann erstmals im April dieses Jahres, als die Bahn unter der Marke „IC Bus“ die Strecke zwischen München und Freiburg startete. Weitere Strecken dürften bald folgen.

Die Deutschen Bahn muss sich offenbar etwas einfallen lassen, um der weltweiten Konjunkturschwäche zu begegnen. „Härtere Zeiten für die Bahn“ und „Alle sind betroffen“, lauten die Überschriften in der Bahn-Mitarbeiterzeitschrift „DB Welt“. Darunter sind die Köpfe aller Vorstände mit kurzen Zitaten abgebildet. „Die weltweite Konjunkturabschwächung spüren wir deutlich“, sagt dort etwa Bahnchef Rüdiger Grube. „Jetzt gilt es im Interesse aller Verantwortung zu übernehmen – ein jeder bei seinen Aufgaben.“ Und im Konzern heißt es weiter, dass damit das alte Ziel eines weiteren Rekordgewinns erledigt ist. Statt der angepeilten 2,9 Milliarden Euro würden es 2013 wohl eher 2,6 Milliarden werden.

Wie der Fernbus-Markt funktioniert

Mehr Alternativen

Konkurrenz von Billigfliegern am Himmel haben die ICE und Intercity der Bahn schon länger. Künftig sollen Reisende auch zu Lande mehr Alternativen haben, wenn es für längere Inlandsstrecken nicht das Auto sein soll. Fernbusse, die das Gesetz seit mehr als 70 Jahren bremst, bekommen von 2013 an bundesweit freie Fahrt auf Linien von Stadt zu Stadt. Günstigere Tickets sollen Kunden locken. Wie schnell ein großer neuer Markt entsteht, muss sich aber erst zeigen.

Was hemmt Fernbuslinien bisher in Deutschland?

Für Busse gelten historische Beschränkungen, die bis in die 1930er Jahre zurückreichen. Damit sollte einst die Entwicklung der Eisenbahn geschützt werden. Fernbuslinien werden deswegen in der Regel noch immer nicht genehmigt, wenn es parallel eine Zugverbindung gibt. Ausnahme ist seit der deutschen Teilung Berlin, dessen Westteil gut erreichbar sein sollte. Auch ins Ausland gibt es Reisebusfahrten schon länger. Zuletzt hatten Fernbusse laut Statistischem Bundesamt zwei Millionen Inlandskunden im Jahr, Fernzüge aber 125 Millionen.

Was soll sich 2013 ändern?

„Zukünftig sind überall in Deutschland Fernbuslinien möglich, die untereinander und auch mit dem Eisenbahnfernverkehr konkurrieren dürfen“, verkündete eine ganz große Bus-Koalition im September. Nach langem Streit fanden Union, FDP, SPD und Grüne einen Kompromiss, den der Bundesrat absegnete. Die K.o.-Klausel zum Schutz der Bahn fällt weg, ein gewisser Rahmen soll aber bleiben. Busunternehmer müssen Fernlinien weiterhin bei den Länderbehörden beantragen. Für die Haltestellen gilt ein Mindestabstand von 50 Kilometern. Das soll verhindern, dass Fernbusse in Wirklichkeit lukrative Strecken im Nahverkehr ins Visier nehmen, der mit Steuergeld mitfinanziert wird.

Für welche Kunden könnten Fernbusse interessant sein?

Schon jetzt sind Busse eine Alternative für Schnäppchenjäger. So kostet die knapp dreieinhalb Stunden lange ICE-Reise von Berlin nach Dortmund 96 Euro zum Normaltarif, eine Busfahrt ist für regulär 38 Euro zu haben - dauert aber gut sieben Stunden. Geschäftsleute dürfte das kaum zum Umsteigen bewegen. Die neuen Angebote richten sich denn auch zuerst an „preissensible Pkw-Nutzer“, denen eine Mitfahrzentrale nicht verlässlich genug ist oder ihr Auto wegen hoher Spritprise schlicht zu teuer, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer erwartet. Am attraktivsten dürften Routen bis 400 Kilometer sein.

Stehen Busfirmen schon in den Startlöchern?

Etwa 50 bis 100 mittelständische Busfirmen interessieren sich für den neuen Markt, wie es beim Verband heißt. Dass zum 1. Januar sofort etliche neue Linien starten, wird in der Branche aber nicht erwartet. Nach der langen politischen Unsicherheit sind Investitionen etwa ins Marketing nötig, kleinere Anbieter könnten sich für Kooperationen zusammentun. Der größte private Bahn-Konkurrent Veolia Verkehr hatte schon 2010 drei Buslinien von Mönchengladbach nach München sowie von Essen nach Hamburg und München beantragt - nach alter Rechtslage. Sie würden nun nochmals neu bewertet, wie eine Sprecherin sagt. „Insofern können wir heute noch nicht sagen, wie, wann und wo wir starten.“

Was sagt die Deutsche Bahn?

Der bundeseigene Konzern wartet zunächst ab. „Wir beobachten die Entwicklungen des Fernbusmarktes und werden entsprechend reagieren“, sagt ein Sprecher. Dabei wollte die Bahn als größter Anbieter der Republik (rund 14.000 Busse/30 Fernlinien) bei einer Marktöffnung eigentlich selbst in die Offensive gehen. Im vergangenen Jahr entschied der Vorstand aber erst einmal, sich auf das Kerngeschäft mit Zügen zu konzentrieren. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betont, es gehe nicht darum, der Schiene Kunden abzujagen. Statt 25 oder 50 Pkws auf der Autobahn sei aber ein Bus mit 50 Gästen wirtschaftlich und auch für die Umwelt besser.

Die von Grube genannten weltweite Konjunkturschwäche trifft in erster Linie den Güterverkehr, sowohl auf der Schiene als auch die internationale Logistik der Tochter Schenker (Lkw, Flugzeug, Schiff). Das allein ist es jedoch nicht, wie Bahn-Manager nach einer Reihe von Strategiesitzungen bestätigen. Das Unternehmen wird von Problemen eingeholt, die sich in Zeiten brummender Konjunktur kaschieren ließen.

Beispiel Güterbahn: Bereits 2011 und 2012 kämpfte die Sparte mit der Gewinnschwelle. 2012 rettete sie sich in Deutschland gerade so in die schwarzen Zahlen. Dabei half vor allem die Verschrottung tausender Güterwagen, deren Wartung so nichts mehr kostete. Zudem wurden die Preise kräftig angehoben und eine Reihe von Transporten aufgegeben. Der "Aktionsplan Deutschland" hat jedoch eine Kehrseite: Die kleinen Bahn-Konkurrenten konnten ihren Marktanteil 2012 deutlich ausweiten. Der einstige Quasi-Monopolist hat mittlerweile fast 30 Prozent verloren.

Kommentare (5)

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Brasil

02.06.2013, 13:05 Uhr

Kann man die Redaktionen innerhalb des HB mal synchronisieren?
Wo gibts denn Konjunkturflaute? Die Konjunktur brummt und die weiteren Aussichten sind phantastisch, das ist doch die Devise!
Wird Zeit, dass dieser Artikel schnellstens politisch korrekt korrigiert wird!

DEUFRA2011

02.06.2013, 16:12 Uhr

Diese Vollpfosten der DB schaffen es zukünftig mit Bussen auf der Autobahn parallel zu den Gleisen zu zu den zu teuren Zügen billiger und pünktlicher von Frankfurt Hauptbahnhof nach Köln Haupftbahnhof zu fahren. Da guckt man dann aus dem vollen Bus in den lehren Zug rüber. Man soll es nicht glauben, da stehen die fertigen ICEs jahrelang rum weil die das mit der Verzögerung von 3 Sekunden bei der Vollbremsung nicht hinkriegen. Derweil kutschieren uns alte TGVs auf ICE Strecken nach Paris. Ich würde die nicht mal gerne bei einer Vollbremsung erleben. Wir sind mal von München nach Frankfurt zwei Stunden stehengeblieben weil die Kontrolleurin einen blinden Passagier unbedingt überführen wollte und der ist ausgestiegen. Ein Zug mit 1000 Menschen und die zwei Keifenden auf dem Bahnsteig. Jeder kann solche Geschichten erzählen. Wann schmeißt mal Einer endlich das Management raus? Wie kann ein Bus günstiger von A nach B fahren als ein Zug zu variablen Kosten? Das können die DB Leute aber wahrscheinlich gar nicht berechnen. Die erhöhen die Preise wenn sie weníger Reisende haben. Ist ja auch logisch für Vollpfosten.

Tom

02.06.2013, 18:03 Uhr

Deutschlands unfähigstes Unternehmen: Die Deutsche Bahn AG

Die Entscheidungen des Herrn Grube haben eine Halbwertzeit von gerademal "von Stunden". So wird das Unternehmen gelenkt: Planlos, ziellos, orientierungslos. Vor kurzem hiess es noch aus dem DB Tower: Eigene Fernbusse ist für uns kein Thema- die Tochterunternehmen reichen aus. In guter Merkel-Manier: Was kümmert mich das Geschwätz von gestern. Entscheidungen werden eben gewürfelt.

Das Zuggeschäft ein Chaos, der Güterverkehr ein Chaos, Fernbusgeschäft ein Chaos, Zustand der Bahnhöfe ein Chaos, Zustand der Schienen ein Chaos, Berliner S-Bahn ein Chaos,
Stuttgart21 ein Chaos, Strecke Stuttgart-Ulm-Nirgendwo ein Chaos.....

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