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15.08.2012

20:00 Uhr

Vertrag verlängert

Diekmann bleibt „Bild“-Chefredakteur

VonHans-Peter Siebenhaar

ExklusivKai Diekmann bleibt bis mindestens 2017 „Bild“-Chefredakteur. Sein Vertrag wurde um weitere fünf Jahre verlängert. Die Verlängerung setzt Gerüchten ein Ende, Diekmann werde nicht mehr lange Chef des Blattes sein.

Geht ins Silicon Valley, bleibt aber Bild-Chefredakteur: Kai Diekmann. dpa

Geht ins Silicon Valley, bleibt aber Bild-Chefredakteur: Kai Diekmann.

DüsseldorfKai Diekmann bleibt „Bild“-Chefredakteur bis Mitte 2017. Der Vertrag des 48-Jährigen wurde um weitere fünf Jahre verlängert. Das berichteten Unternehmensinsider dem Handelsblatt in Berlin. Axel Springer wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die Vertragsverlängerung bis zum 30. Juni 2017 setzt Gerüchten ein Ende, Diekmann werde nicht mehr lange Chefredakteur des Boulevardblattes sein. Diese waren entstanden, nachdem bekannt geworden war, dass Diekmann zusammen mit Springer-Marketingchef Peter Würtenberger und Martin Sinner, dem Gründer und Chef des Preisvergleichsportals Idealo, nach San Francisco gehen wird, um im Silicon Valley Ausschau nach neuen Geschäftsmodellen zu halten.

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Das Trio soll auf Wunsch von CEO Mathias Döpfner in der Heimat von Google, Apple und Facebook unternehmerische Ideen entwickeln. Während der Woche werden Diekmann, Würtenberger und Sinner zusammenleben. Das Team wird mindestens zehn Monate bleiben.

Eine gemeinsame Wohnung in Palo Alto sei bereits auf einer ersten Erkundungsreise angemietet worden, berichteten Unternehmensinsider. Anfang September soll es endgültig losgehen.

Diekmann wird sich während seines US-Aufenthaltes am Tagesgeschäft der „Bild“ nicht beteiligen. Die Aufgabe erledigen seine Stellvertreter.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Kommentare (6)

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wer_haette_das_gedacht

15.08.2012, 20:22 Uhr

Immerhin: Bild kennt noch das Wort Chefredakteur...

Querdenker_fehlen

15.08.2012, 22:51 Uhr

Die Idee ist nicht schlecht, aber evtl. hätte man das team noch um ein paar Leute die bisher NICHTS mit dem Geschäft zu tun haben ergänzen sollen, also Querdenker.
Im Zeitalter der IT ist das Lenken von da drüben auch möglich... Bin gespannt welche neuen Medien-Tools man findet und für BILD nutzen kann...

was_solls_nuetzt_ja_nix

16.08.2012, 00:41 Uhr

Springer "greift" an via Palo Alto in einer Wohnung, die vom Trio infernale bewohnt wird.
Sowas hätte man auch ohne Schlagzeilen implementieren können.
Indes, Fähnlein Fieselschweif scheint zum Leitbild geronnen.

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