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24.05.2012

14:20 Uhr

Vertrauen in der Wirtschaft

Engel im Behauptungskampf

VonLeonard Goebel

Der Blaue Engel, das älteste Umweltzeichen der Welt, droht in der zunehmenden Flut der Produktlabel unterzugehen. Um sich zu behaupten, wollen die Verantwortlichen das Siegel nun sogar auch für Lebensmittel anbieten.

Grafik: Birgit Jansen, bürgie Illustration & Grafik, www.buergie.de Birgit Jansen

Grafik: Birgit Jansen, bürgie Illustration & Grafik, www.buergie.de

Köln„Genius Pro Superweiss“ ist eine gute Farbe. Sagt zumindest Stiftung Warentest. Sichtbar prangt das Urteil der Tester auf dem Bottich. Direkt daneben wirbt die Heimwerkermarke Toom mit weiteren Produktlabeln auf ihrem Farbeimer: Eines von Ökotest, eines vom TÜV-Rheinland, auch die Rewe-Group hat sich mit ihrem Nachhaltigkeitssiegel „Pro Planet“ auf dem hauseigenen Produkt verewigt.  Rechts grüßt auch noch symbolisch der Blaue Engel, das älteste Umweltzeichen der Welt. Ein echter Hingucker ist er nicht mehr.

Die Zeiten sind härter geworden für den Blauen Engel. Seit 1978 zeichnet die unabhängige Jury Umweltzeichen mit dem Siegel Produkte aus, die besonders umweltfreundlich produziert wurden und die Gesundheit der Verbraucher schützen. Der Blaue Engel ist das formgewordene Konsumenten-Gewissen der ersten Stunde, eine Ikone der Müsli-Generation.

Viele Jahre vor Fair Trade oder dem deutschen Bio-Siegel, die erst 1992 und 2001 auf den Markt kamen, schuf der Blaue Engel Vertrauen bei Konsumenten – und lieferte Herstellern ein schlagendes Verkaufsargument. Mit runderneuerten Reifen, Mehrwegflaschen, Altglascontainern und Spraydosen ging es los, es folgten immer neue Kategorien. Heute tragen 11.500 Produkte den Blauen Engel, von Abfallsäcken bis Zeitungspapier.

Doch der Blaue Engel hat Konkurrenz bekommen: Mehr als 400 Label sind allein auf der Seite label-online.de gelistet. Dort versucht der Verein Verbraucher Initiative, die Spreu vom Weizen zu trennen. „Die Labelflut hat in den letzten Jahren noch einmal deutlich zugenommen“, sagt Henrik Sattler, Professor für Marketing und Branding an der Universität Hamburg. „Bei dieser Vielzahl können sich Konsumenten kaum darüber informieren, wofür die einzelnen Label stehen.“ Die Spanne reicht vom staatlichen Bio-Siegel bis hin zu kommerziellen Eigenlabeln wie Aldi One World, Rewe Bio oder dem Umweltbaum der Otto Group.

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Angesichts der Labelfülle hat die Relevanz des Blauen Engel abgenommen: 39 Prozent der Verbraucher achteten 2010 beim Einkauf auf das Zeichen – 2004 waren es noch 49 Prozent. Das ergab eine repräsentative Umweltbewusstseinsstudie von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt. Fast jeder Vierte gibt inzwischen an, den Blauen Engel nicht zu kennen, vor acht Jahren war es nur jeder Sechste. Vor allem bei jungen Menschen hat das Umweltzeichen an Bedeutung verloren.

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