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24.05.2013

09:47 Uhr

Verwaiste Eltern

Die wirtschaftlichen Aspekte tiefer Trauer

VonCarina Kontio

Der Verlust eines Kindes führt bei Eltern nicht nur zu tiefer Trauer, sondern oft auch zu einem geringeren Einkommen und langfristigem Arbeitsplatzverlust. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Uni Mannheim.

Der Verlust eines Kindes führt bei Eltern nicht nur zu tiefer Trauer, sondern oft auch zu einem geringeren Einkommen. dpa

Der Verlust eines Kindes führt bei Eltern nicht nur zu tiefer Trauer, sondern oft auch zu einem geringeren Einkommen.

DüsseldorfEs ist eine der traumatischsten Erfahrungen, die Eltern widerfahren kann: der Tod des eigenen Kindes. Nicht ist mehr, wie es war und die Eltern durchleben nach dem schweren Verlust eine Phase tiefer Trauer.

Ob diese Zeit auch wirtschaftliche Konsequenzen für die verwaisten Eltern hat, wurde jedoch bisher noch nicht im Detail untersucht. Dabei führt Trauer nicht selten zu krankheitsbedingten Fehlzeiten und in manchen Fällen entscheiden sich die Eltern sogar dazu, ihren Job komplett aufzugeben. Im Extremfall kehren sie sogar nie wieder ins Arbeitsleben zurück.

Kurz: Der wirtschaftliche Wohlstand der Eltern könnte lange, nachdem die Trauer nachgelassen hat, noch beeinträchtigt sein. Genau das belegen nun Wirtschaftswissenschaftler der Universität Mannheim in einer neuen Studie. Für ihre Untersuchung haben die Forscher schwedische Daten von rund 1.800 Müttern und 1.500 Vätern ausgewertet, die zwischen 1993 und 2003 ihr Kind verloren haben. Insgesamt waren es über 1.800 Kinder, die im Alter zwischen einem und 24 Jahren plötzlich, zum Beispiel infolge eines schweren Unfalls, starben.

Was Erben wissen sollten

Wer kann erben?

Erben können alle, die im Testament bedacht sind. Auch Minderjährige dürfen erben, dann springt aber ein gesetzlicher Vertreter ein. Das sind in der Regel die Eltern. Ohne Testament gilt das gesetzliche Erbrecht.

Was passiert, wenn die Erben unbekannt sind?

Ein Nachlassgericht sichert das Erbe nach pflichtgemäßen Ermessen. Gegenstände können versiegelt und Wertpapiere hinterlegt werden. Das Gericht bestellt einen Nachlasspfleger, der das Vermögen absichert und die Erben ermitteln soll. Der Verwalter haftet bei vorsätzlichen oder fahrlässigen Schäden.

Wer erbt, wenn kein Testament besteht?

In diesem Falle gilt das gesetzliche Erbrecht. Das Gesetz sieht fünf Ordnungen vor: 1. Direkte Abkömmlinge: Ehegatten, eingetragene Lebensgemeinschaften, Kinder, 2. Die Eltern des Verstorbenen, 3. Großeltern und deren Abkömmlinge, 4. Urgroßeltern und deren Abkömmlinge, 5. Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge. Jeder Verwandte einer vorherigen Kategorie schließt einen Nachfolger aus. Beispiel: Wenn die Kinder noch leben, gehen die Eltern des Verstorbenen leer aus.

Was ist, wenn der rechtmäßige Erbe bereits verstorben ist?

An die Stelle des Verstorbenen treten seine Abkömmlinge. Beispiel: Ein Verstorbener hat zwei Kinder, von denen eines nicht mehr lebt. An die Stelle des verstorbenen Kindes treten dann seine oder ihre Kinder. 

Wie wird das Erbe aufgeteilt?

Das Erbe wird nach dem Verwandtschaftsgrad aufgeteilt. Beispiel: Wenn der Mann stirbt, erbt seine Frau 50 Prozent. Die beiden Kinder teilen die restlichen 50 Prozent unter sich auf. Bruder und Eltern des Verstorbenen gehen leer aus. Sonderfälle gelten bei einem Ehevertrag mit Gütertrennung.

Was regelt das Testament?

In vielen Fällen möchte der Erblasser von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Ein Einvernehmen mit den Erben ist nicht nötig, die Verfügungen können jederzeit widerrufen werden. Eine Alternative ist ein Erbvertrag, der nicht widerrufen werden kann. Ein solcher Vertrag kann auch zwischen Erblasser und Erbe geschlossen werden.

Was ist bei einem Testament zu beachten?

Ein per Handschrift eigenhändig verfasstes, unterzeichnetes Testament bedarf keine Testierung durch den Notar. Der Text muss eigenhändig verfasst sein, ein Diktat reicht nicht: Die Handschrift muss erkennbar sein. Die Form muss gewahrt sein: Die Unterschrift muss in der Regel unter dem letzten Satz stehen und Vor- und Zunamen enthalten. Ort und Zeit sind anzugeben, machen das Testament bei Fehlen aber nicht ungültig. Nachträgliche Streichungen oder Radierungen sind wirksam. Wichtig: Der letzte Wille sollte keine Zweifel aufkommen lassen.

Was steht laut Testament Enterbten zu?

Jedem rechtmäßigem Erben steht unabhängig vom Inhalt des Testamentes ein Pflichtteil des Nachlasses zu. Anspruch haben die Familie sowie Kinder, Enkel, Eltern und Ehegatte. Entfernte Verwandte wie Geschwister, Onkel oder Neffen gehen leer aus. Die Erben haften für die Ansprüche der Pflichtteilberechtigten.

Wann müssen Enterbte auf ihren Pflichtteil verzichten?

In einigen Fällen von Kriminalität, etwa bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder Bedrohung des Lebens der Abkömmlinge. Auch eine Verletzung der Unterhaltspflicht kann zum Verlust des Pflichtteils führen.

Die Daten beinhalten Informationen zu Einkommen, Arbeit, Bezug von Arbeitslosen- und Krankengeld, Familienstand, Gesundheit und darüber, ob die Eltern weitere Kinder bekommen. Die Ergebnisse haben sie mit den Daten von Eltern verglichen, die kein Kind verloren haben, sonst jedoch in ähnlichen Umständen leben wie die trauernden Eltern.

„Wir unterscheiden verschiedene Todesursachen der Kinder und haben besonderes Augenmerk auf Kinder gelegt, die bei Verkehrsunfällen, durch Ertrinken, Stromschläge oder fallende Gegenstände getötet wurden“, erklärt der Studienleiter Gerard van den Berg.

Kommentare (1)

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RabulaRaser

27.05.2013, 08:41 Uhr

Dieser Beitrag beeindruckt, erschüttert, aber er rüttelt doch auch wach.
Niemend von all unserern modernen Schönen und Reichen, die sich ihren materiellen Wohlstand unter Verzicht auf die Aufwendungen, Sorgen und Einschränkungen der persönlichen Freiht erkaufen, werden an der Stunde vorbei kommen, in der ihnen die Einsamkeit, die Verlassenheit und die Sinnlosigkeit an ihren Beinen entlang nach oben ins Herz kriecht, wie die schleimigen Würmer dem Trinker im Dilirium Tremens und zu einem nachweislich erbärmlichen Verrecken führen.

Wer's denn mag, dem sei es gegönnt. Allerdings auch mit dem Verzicht, sich solchen Kreaturen in ihrer letzten Stunde Beistand und Nähe zu leisten, um das Erbarmen
zu praktizieren, auf das jeder "Mensch" Anspruch hat.

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