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23.01.2006

11:30 Uhr

Vice Chairman

Streit um Koch-Weser

In Berlin sorgte der Einstieg Caio Koch-Wesers bei der Deutschen Bank erneut für eine Debatte um Interessenskonflikte beim Wechsel von Politikern in die Wirtschaft. Der frühere Staatssekretär im Finanzministerium wechselt ins Management des größten deutschen Geldhauses.

egl/fmd/mm HB FRANKFURT. Die Deutsche Bank ist bei der Personalsuche in der Politik fündig geworden: Der frühere Staatssekretär im Finanzministerium Caio Koch-Weser wechselt ins Management des größten deutschen Geldhauses. Der 61-Jährige soll ab März als Vice Chairman von London aus die Führungsspitze der Bank beraten.

Koch-Weser gilt als erfahrener Experte für die weltweiten Finanzmärkte. Bis 2005 arbeitete er als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium unter Minister Hans Eichel (SPD). Dort war er für internationale Finanzpolitik, europäische Wirtschafts- und Finanzbeziehungen sowie den Bereich Geld und Kredit zuständig.

In Berlin sorgte der Einstieg Koch-Wesers bei der Deutschen Bank erneut für eine Debatte um Interessenskonflikte beim Wechsel von Politikern in die Wirtschaft (siehe Kasten). „Für mich hat das natürlich einen Beigeschmack“, sagte Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Koch-Weser komme aus dem Herzen des Finanzministeriums, das auch Entscheidungen der Deutschen Bank stark beeinflusst habe. Es stelle sich generell die Frage, „ob Politiker in einen Bereich wechseln dürften, für den sie vorher die Verantwortung getragen haben“.

Koch-Wesers Abteilung im Finanzministerium war unter anderem für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und damit für die Bankenkontrolle zuständig. Das Ministerium spielte beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob das 2003 von der Deutschen Bank neu eingeführte Führungsmodell mit dem deutschen Recht vereinbar ist. Das Geldhaus hatte kurz vor dem Amtsantritt von Vorstandssprecher Josef Ackermann nach angelsächsischem Vorbild ein so genanntes Group Executive Comitee eingeführt, das die Verantwortung für das operative Geschäft vom Vorstand übernahm.

Neben der Kritik aus der CDU waren in Berlin aber auch verständnisvollere Stimmen zu hören. „Man kann einem ehemaligen Staatssekretär nicht untersagen, so ein Amt anzunehmen“, sagte Christine Scheel, von den Grünen. Die Finanzexpertin hält eine „gewisse Durchlässigkeit“ zwischen Wirtschaft und Politik für wichtig.

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