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04.08.2011

14:09 Uhr

Viel Lärm in Bochum

Ackermann macht kein Theater

VonTino Andresen

An sich sollte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf der Bühne des renommierten Bochumer Schauspielhaus eine Rede halten. Doch diese Art von Star war den Bochumern nicht geheuer. Die Vorstellung ist abgesagt.

Die Einladung von Josef Ackermann hat in Bochum für eine Kontroverse gesorgt. Quelle: AFP

Die Einladung von Josef Ackermann hat in Bochum für eine Kontroverse gesorgt.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, polarisiert. Bei vielen hat sich das Bild vom Mannesmann-Prozess eingebrannt, auf dem der Schweizer das Victory-Zeichen macht. Zum Thema „Zukunft der globalen Finanzmärkte“ hat der Banker, der auch den mächtigen Branchenverband IIF führt, gewiss mehr zu sagen als die meisten anderen. In Bochum aber wird er das nicht machen.

Für den 21. September war Ackermann als Redner ins Bochumer Schauspielhaus eingeladen worden. Das sorgte für einen gewaltigen Streit. Der frühere Intendant des Hauses, Frank-Patrick Steckel protestierte in einem Offenen Brief an die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD), die Schirmherrin der Veranstaltungsreihe ist. Darin bezeichnete er den Deutsche-Bank-Chef laut der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) als „stockreaktionäre hochverderbliche Person“, der er als Intendant nie eine Bühne im Schauspielhaus gegeben hätte.

Bei der Oberbürgermeisterin stieß er nicht auf offene Ohren. Sie sah keinen Grund die Veranstaltung abzusagen.

Mehr Anklang fand Steckel mit seinem Appell an das Bochumer Ensemble, „mit einem klaren Votum gegen diesen Auftritt zu protestieren“. Es gab offenbar bereits Überlegungen zu derartigen Aktionen. Große Resonanz fand der Streit auch in den WAZ-Leserbriefspalten. So wertete es ein Bochumer Amtsrichter als „Provokation, wenn der führende Exponent des deutschen und europäischen Finanzkapitals Gelegenheit erhält, in unserem geliebten und über die Grenzen unserer Stadt - noch - geachteten Schauspielhaus, einer herausragenden Stätte für Kunst und Kultur, die verderbliche Unkultur des entfesselten neoliberalen Kapitalismus als Hoffnung für die Zukunft zu verkaufen.“ Als alternativen Ort für Ackermanns Auftritt schlug er polemisch das Gefängnis vor - „im Monolog beim Einzelhofgang“.

Nicht alle Vertreter der Finanzbranche sind im Bochumer Schauspielhaus so wenig willkommen wie Ackermann: Die Bochumer GLS Bank mietete das Theater laut WAZ kürzlich für ihre Hauptversammlung - samt einer Vorstellung des „Cyrano de Bergerac“.

Schließlich sagte Josef Ackermann von sich aus den Termin ab. „Uns geht es um ernsthafte Diskussion. Wir machen kein Theater“, begründet ein Sprecherin der Deutschen Bank den Schritt in Anspielung auf die Kontroverse.

Über seine Stiftung fördert das Geldhaus Kultur übrigens mit großen Summen. Im vergangenen Jahr flossen in Deutschland 50 Millionen Euro in Kunst, Musik, Bildung, Mitarbeiterengagement und Soziales.

Kommentare (1)

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Bochumer1848

04.08.2011, 18:44 Uhr

Naive Künstler, die meinen, dass sie die Welt verbessern können. Das Bochumer Schauspielhaus wird doch einfach nur überschätzt (glauben Sie es mir, ich bin Bochumer) und ein Alt-Intendant meint sich zu Wort melden zu müssen, mich interessiert nicht was er zu sagen hat. Ich hätte Ackermann gern hier gesehen. Da konnten wir ja fast von Glück reden, dass Axel Weber an unserer Ruhr-Uni sprechen durfte (allerdings wenige Wochen bevor sein Wechsel zur UBS bekannt gegeben wurde)...

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