Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2012

04:30 Uhr

Viktor Bout

25 Jahre Haft für „Händler des Todes“

Er war einer der meistgesuchte Waffenhändler der Welt, soll Rebellen und Terroristen rund um den Globus mit Waffen versorgt haben. Seine Karriere wurde verfilmt, und endet nun im Gefängnis.

„Sie waren ein weltbekannter Waffenhändler, der die schlimmsten Regime der Welt versorgt hat“, sagte Richterin Shira Scheindlin bei der Urteilsbegründung. AFP

„Sie waren ein weltbekannter Waffenhändler, der die schlimmsten Regime der Welt versorgt hat“, sagte Richterin Shira Scheindlin bei der Urteilsbegründung.

New YorkFür schuldig erklärt hat ihn ein US-Bundesgericht in New York bereits im Herbst. Nun wurde das Strafmaß bekannt: Der russische Waffenhändler Viktor Bout muss 25 Jahre in Haft, die Mindeststrafe. Zudem muss Bout 15 Millionen Dollar Strafe zahlen.

Zudem erhielt er in drei weiteren Anklagepunkten, in denen er im November für schuldig befunden worden war, jeweils 15 Jahre Haft. Die Haftstrafen werden gleichzeitig verbüßt. „25 Jahre sind genug“, sagte Richterin Shira Scheindlin bei der Verkündung des Strafmaßes.

Der Werdegang von Victor Bout

Unklare Herkunft

Victor Bout wurde am 13. Januar 1967. Wo genau ist unklar. Es gibt unterschiedlichste Angaben. Fest steht, dass er 1984 den akademischen Grad der Soziologie erwarb und Fremdsprachen studierte. Auch über seine Eltern sind nur wenige Dinge bewiesenermaßen bekannt.

Der Soldat

Als junger Mann diente Bout in einem Luftwaffenregiment und wurde in Mosambik stationiert – sein erster Aufenthalt in Afrika. Vieles deutet darauf hin, dass er auch für den Geheimdienst KGB tätig war. Bout bestreitet dies aber bis heute.

Waffen für Jedermann

Bout tauchte Anfang der 90er-Jahre als Mitspieler im internationalen Waffenhandel auf. Rasch erkannte er, dass die alten Regeln nicht mehr galten. Unter Waffen standen längst nicht mehr nur stehende Heere von Staaten, sondern Drogenkartelle, Terroristen und eben auch Afrikas Guerillas und lokale Kriegsfürsten.

Ein neuer Typ Unternehmer

Bout war ein Unternehmer, der sich aus dem Boden der ehemaligen Sowjetunion erhob. Diese Geschäftsleute hatten mühelos Zugang zu riesigen Waffen- und Munitionslagern. Jahrzehntelang wurden sie angelegt, um eine riesige Armee zu versorgen. Abnehmer warteten in den Staaten der Dritten Welt genug. Bout brachte nur Geld und gute Kontakte. Beides besorgte er sich mit großem Geschick.

Die Helfer

Bout hatte ein sehr gutes Auge für Verbündete und wählte seine Helfer stets sehr sorgfältig aus. Und die kamen aus den verschiedensten Branchen: Vor allem brauchte es zuverlässige Banker und loyale Steuerberater. Aber eben auch hartgesottene Wachleute. Solche Menschen in jedem Land zu finden, kostete zwar viel Zeit, zahlte sich für Bout aber aus.

Die logistischen Kapazitäten

Bouts Weg zum Erfolg war seine Frachtflieger-Flotte. Die Maschinen bekam er billig aus den Altbeständen der sowjetischen Armee. Der Rumpf der Flugzeuge war häufig mit Blei verkleidet. Das machte sie schwerer, schützte aber vor Kugeln. Dank seines Netzwerkes und der enormen logistischen Kapazitäten wurde er zum Paradebeispiel für eine transnationale Bedrohung, die rasch auch der Uno sorgen machte.

Diskretion

Bout war stets objektiv und absolut bereit, beide Seiten eines Konfliktes zu beliefern. Umso wichtiger war dabei die absolute Diskretion.

Tarnfirmen

Bis heute ist es den Ermittlern nicht gelungen, Bouts Geflecht aus Tarnfirmen restlos aufzudecken. Der Russe hatte auf der ganzen Welt kleine Unternehmen gegründet und deren Struktur war auch für erfahrene Ermittler praktisch unmöglich zu durchschauen. Gelder flossen von links nach rechts, ohne dass ihm etwas nachzuweisen war.

Die Schwächen der Politik nutzen

Doch ein Stückweit war die Politik auch selbst Schuld. Bout nutzte geschickt die Schwächen im System – also vor allem im internationalen Luftverkehr. Die internationalen Bestimmungen waren widersprüchlich. Er trickste die Flugüberwachung mit Taschenspielertricks aus und nutzte den Umstand, das weite Teile der Welt schlichtweg korrupt sind, wie es Insider ausdrückten.

Erfolglose „Hexenjagd“

Die Behörden, allen voran die in den USA, bemühten sich, konnten Bout aber nichts nachweisen. Sanktionen gegen seine Unternehmen kritisierte er als „Hexenjagd“: „Seit 1998 beschuldigen sie mich des illegalen Waffenhandels in Afrika. Doch sie haben bis heute keine Beweise vorlegen können.“ In der Tat hatten die Maßnahmen nur symbolische Wirkung. Ein europäischer Geheimdienstler lästerte: „Sie legen ihm nicht das Handwerk. Sie machen ihn nur wütend.“

Endlich gefasst

Im März 2008 wurde Bout gefasst. In Bangkok konnten ihn US-Geheimagenten festnageln. Bout hatte in ihnen tatsächlich Geschäftspartner gesehen und der 12-Millionen-Deal, über den sie verhandelt hatten, war allzu verlockend. Er wurde im berüchtigten Gefängnis Klong Prem inhaftiert.

Die Auslieferung

Doch nun begann ein internationaler Streit, wo Bout der Prozess gemacht werden sollte. Russland wollte verhindern, dass Bout an die USA ausgeliefert wird. Doch am Ende siegten letztere nach harten Verhandlungen.

Prozess in den USA

Bout wird wegen Verschwörung zum Mord und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Doch ihm den Prozess zu machen ist für die Staatsanwaltschaft alles andere als einfach. Richterin Shira Scheindlin hatte bereits angemerkt, dass einige der Beweise dünn und dürftig seien.

„Er will kein Gott sein“

Zu Bouts entschiedenen Verteidigern gehört Richard Chichali, ein langjähriger Geschäftspartner. Der sagte: „Er will kein Gott sein. Er will sich nur in Afrika zur Ruhe setzen, um seine Tochter großzuziehen.“ Bout habe nur eben auf beiden Seiten gestanden.

Bout wurde im November unter anderem für schuldig befunden, den Verkauf von Waffen zur Tötung von US-Bürgern geplant zu haben. Konkret ging es um eine verdeckte Operation der US-Behörden im Jahr 2008, bei der Bout festgenommen wurde. Die US-Agenten hatten sich als kolumbianische Rebellen ausgegeben, die „ein paar Amerikaner umbringen“ wollten. Bout fiel auf die falschen Kunden herein.

Die Staatsanwaltschaft hat dafür lebenslänglich gefordert. Die Richterin sagte, es gebe keinen Beweis dafür, dass Bout diese Straftaten ohne die verdeckte Operation jemals geplant hätte. Deshalb sei nach dem Schuldspruch einer Geschworenen-Jury wegen terroristischer Aktivitäten die Mindeststrafe von 25 Jahren angemessen.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

so_what

06.04.2012, 01:38 Uhr

25 Jahre sind absolut zu wenig für einen Handlanger.
(...)

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Account gelöscht!

06.04.2012, 03:45 Uhr

Wovon reden Sie? Wenn Sie keine Ahnung haben um was es hier geht, dann machen Sie sich doch nicht lächerlich!

Viktor Bout sollte umgehend freigesprochen werden das ist ein Skandal. Man kann sich unmöglich noch über Chordokowsky und Putin aufregen, solange Viktor But im Knast und Barrack Obama an der Macht ist.

Seit dem die USA international irgendwelche Leute wegfangen und für Unzeiten hinter Gitter sperren oder sperren wollen die lediglich gegen imaginäre US-Gesetze verstossen haben aber sich ansonsten in keinem Land der Welt strafbar gemacht haben (Kim Schmitz, Viktor Bout) hat meine Meinung über die USA SEHR gelitten. Bush hat mich nicht gestört, der Irakkrieg war mit egal bzw. war ich sogar pro, Afghanistan ebenso, ich war stets kein US Gegner. Aber diese Aktionen in letzter Zeit haben mich echt mehr als irritiert. Das ist ein Unding.

Ich wünsche Russland, das Sie ihren unbescholtenen Staatsbürger schnellst möglich wieder heim holen können. Der hat nichts getan, was die USA nicht auch permanent tun. Waffenhandel ist kein Verbrechen und nicht Illegal. Aber Leute entführen und einsperren, ihrer Freiheit berauben, das ist Illegal.

Account gelöscht!

06.04.2012, 05:36 Uhr

Er hat eben die guten Waffengeschäfte der USA gestört! Nun haben die US Firmen einen Konkurrenten weniger. Russland könnte ja mal im Gegenzug einen US Waffenhändler einsperren!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×