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16.01.2010

08:49 Uhr

Vodafone-Personalchef

„Stechuhr passt nicht zu dem Wert Vertrauen“

VonRuth Lemmer

Vodafone Deutschland hat die Übernahme von Arcor weitgehend abgeschlossen. Personalgeschäftsführer Michele Verna schraubt an der raschen Verankerung der gemeinsamen Unternehmenswerte. Der italienische Manager erklärt PERSONAL-Chefredakteurin Ruth Lemmer, welche Mitarbeiter und Führungskräfte er dafür braucht.

Michele Verna will als Personalchef von Vodafone Deutschland nach der Übernahme von Arcor die gemeinsamen Unternehmenswerte verankern. (Quelle: pr) Pressebild

Michele Verna will als Personalchef von Vodafone Deutschland nach der Übernahme von Arcor die gemeinsamen Unternehmenswerte verankern. (Quelle: pr)

Herr Verna, Sie sind in einer Zeit nach Deutschland gekommen, zu der Vodafone und die ehemalige Arcor verschmolzen sind. Welche Qualitäten wollen Sie mit der Personalarbeit forcieren?

Michele Verna: Deutschland ist berühmt für seine Technologien, für Innovationen und technische Perfektion. Das gilt auch für unser Unternehmen und muss so bleiben. In der Entwicklung der Mitarbeiter und der Führungskräfte geht es deshalb jetzt vorrangig um andere Schwerpunkte – um Werte und Unternehmenskultur.

Das klingt sehr modisch, endet aber meistens in einer Hochglanzbroschüre.

Verna: Das wird bei uns nicht passieren. Denn wir haben die Werte in einem Bottom-up-Prozess entwickelt. Ich wollte wissen, wo das Vodafone-Herz sitzt und wofür es schlägt. Deshalb haben sich 150 Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchiestufen mit Informationen und etwas Geld im Gepäck innerhalb des Unternehmens aufgemacht. Sie haben Kollegen getroffen, in Gruppen diskutiert – in der Kneipe und in der Kantine. Auch im Intranet haben wir abgefragt, was Vodafone-Mitarbeitern wichtig ist, was sie erwarten und erleben. Heraus kamen 240 Werte, die haben wir gebündelt und so auf zwölf reduziert. Dann hatten wir eine große Abstimmung. Zwei Werte haben sich klar durchgesetzt in Deutschland: Vertrauen und Wertschätzung.

Sind das typisch deutsche Werte?

Nein, sie passen zum „Vodafone Way“, wo Einfachheit und Schnelligkeit hinzukommen. Deutschland war einfach etwas früher in der globalen Vodafone- Welt. Die Mitarbeiter fühlen sich als Pioniere – und das ist gut so.

Wie sieht das denn aus, das Vertrauen? Wie kann der Mitarbeiter das spüren?

Vertrauen ist der Wert und Wertschätzung muss sich im Verhalten äußern. Wir stehen gut da, die Werte werden schon gelebt. Das kann man messen. Wir haben in der jährlichen Mitarbeiterbefragung Engagement und Zufriedenheit thematisiert. Vor zwei Jahren hatten wir 71 Prozent Zufriedenheit bei Arcor und 73 bei Vodafone, und in diesem Jahr, wo nicht mehr unterschieden wird, weil wir eine Firma geworden sind, haben wir zusammen 79 Prozent. Diesen Erfolg – wir sind im Benchmark mit anderen Unternehmen, die dies mit der Hay Group analysieren, an der Spitze in Deutschland – verdanken wir der Entwicklung der Werte, der Kultur, des Managements.

Kommentare (2)

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Absolvent

16.01.2010, 19:48 Uhr

"Vertrauensarbeitszeit" ist dieser begriff ist ein Euphemismus. Er besagt, dass Überstunden nicht erfasst und daher auch nicht kompensiert werden.
Ein Unternehmen wird dies nur dann tun, wenn ohnehin klar ist, dass die Mitarbeiter mehr als die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit leisten (müssen).

Misstrauend

09.02.2010, 13:55 Uhr

"Vertrauen" und "Wertschätzung"?
Toll, so eine Aktion. Gewährt sie doch einen gewissen Einblick in die Stimmungslage einer belegschaft. Die Mitarbeiter wünschen sich also diese Werte? Möglicherweise auch deshalb, weil sie bisher in dieser speziellen Unternehmenskultur zu kurz gekommen sind und dort unterrepräsentiert sind???

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