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14.06.2016

21:20 Uhr

Volker Kefer

Vize-Bahnchef räumt wegen Stuttgart 21 seinen Posten

Überraschender Rückzug an der Spitze der Deutschen Bahn: Vizechef Volker Kefer gibt seinen Posten auf. Der Grund: Kritik an seiner Informationspolitik über das Großprojekt Stuttgart 21.

Der Vize-Vorstandschef der Deutschen Bahn ist auch verantwortlich für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, das sich erneut um 500 Millionen Euro verteuert und vermutlich nicht vor 2023 fertig wird. dpa

Volker Kefer

Der Vize-Vorstandschef der Deutschen Bahn ist auch verantwortlich für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, das sich erneut um 500 Millionen Euro verteuert und vermutlich nicht vor 2023 fertig wird.

BerlinNach Kritik an seiner Informationspolitik beim Bahnprojekt Stuttgart 21 räumt der stellvertretende Bahnchef Volker Kefer seinen Vorstandsposten. Das habe der Manager dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht, mitgeteilt, verlautete am Dienstagabend aus dem Umfeld des Kontrollgremiums. Kefer wolle aber noch so lange als Vorstand für Infrastruktur und Technik im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Der 60-Jährige kümmert sich seit 2010 auch um das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Nachdem vor zwei Wochen bekannte wurde, dass der bisherige Kosten- und Zeitplan für den Bau eines neuen unterirdischen Durchgangsbahnhofs samt Zubringerstrecken wahrscheinlich nicht zu halten ist, wuchs die Kritik an Kefer. Aufsichtsrats-Vizechef Alexander Kirchner bemängelte, noch vor drei Monaten habe der Vorstand erklärt, es sei alles in Ordnung. Dies habe sich jetzt als falsch erwiesen, hatte Kirchner, der Vorsitzender der Gewerkschaft EVG ist, am Sonntag der dpa gesagt.

Bei Stuttgart 21 ist nach der jüngsten Bestandsaufnahme der Bahn die angepeilte Inbetriebnahme Ende 2021 in Gefahr. Es könnte dem internen Bericht bis zu zwei Jahre länger dauern. Außerdem ist der finanzielle Puffer von 500 Millionen Euro fast aufgebraucht. Bislang liegt der vom Aufsichtsrat festgelegte Finanzierungsrahmen bei 6,5 Milliarden Euro. Von den Projektpartner sind knapp 6,0 Milliarden Euro als Investitionsbudget genehmigt.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Bei dem Projekt sind laut Bahn-Gutachten seit Ende 2012 durch externe Faktoren Kostenrisiken in Höhe von 623 Millionen Euro hinzugekommen. Allein 166 Millionen Euro davon gingen auf das Konto von verzögerten Baugenehmigungen. Eine veränderte Tunnelbauweise, um Schäden durch das aufquellende Mineral Anhydrit zu vermeiden, schlägt mit 144 Millionen Euro zu Buche.

Obwohl längst an diversen Orten gebaut wird, ist das Projekt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt noch immer hoch umstritten. Der Kern ist der Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofs in eine unterirdische Station.

Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl im März hatte das Projekt noch einmal Spannungen hervorgerufen. Grüne und CDU konnten sich lange nicht auf eine Formulierung einigen, wie die Regierung mit möglichen Mehrkosten umgehen soll. Am Ende hieß es diplomatisch, in Gesprächen mit der Bahn halte man am Ziel fest, sich nicht über die vom Land zugesagten 930 Millionen Euro hinaus an dem Milliarden-Vorhaben zu beteiligen.

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