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23.04.2015

14:13 Uhr

Volkswagen

Piëch dementiert neue Attacke auf Winterkorn

Der Machtkampf bei Volkswagen geht in die nächste Runde. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wollte laut Medienberichten Vorstandschef Winterkorn absetzen – doch der VW-Patriarch lässt das dementieren.

Mitte April hatte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (rechts) überraschend gesagt, er sei „auf Distanz“ zu Vorstandschef Martin Winterkorn (links). dpa

Mitte April hatte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (rechts) überraschend gesagt, er sei „auf Distanz“ zu Vorstandschef Martin Winterkorn (links).

WolfsburgVerwirrspiel im Machtkampf bei Volkswagen: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte dem Handelsblatt, er betreibe nicht die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. Piëch erklärte am Donnerstag über einen Sprecher: „Herr Winterkorn und ich haben uns vergangene Woche ausgesprochen. Wir haben vereinbart, dass wir weiter zusammenarbeiten werden.“

Zuvor hatten die Deutsche Presse-Agentur sowie der NDR berichtet, Piëch versuche, Vorstandschef Winterkorn noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Es gebe Versuche, wonach der Beschluss der Aufsichtsratsspitze vom vergangenen Freitag „unterlaufen werden solle“, hieß es bei Personen, die mit der Sache vertraut sind.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur trafen sich am Mittwoch auf Drängen von Piëch die Familien Piëch und Porsche in Stuttgart. Dort soll der 78-jährige Piëch um Unterstützung für seinen Plan geworben haben, Porsche-Chef Matthias Müller oder Skoda-Chef Winfried Vahland als Nachfolger von Winterkorn durchzusetzen.

Wichtige Zitate Ferdinand Piëchs

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

Dieser kurze, aber eindeutige Satz von VW-Aufsichtsratschef und Firmenpatriarch Ferdinand Piëch vom 10. April 2015, löste die Debatte um VW-Chef Martin Winterkorn aus. Winterkorn galt kurz zuvor noch als unumstrittener Herrscher im VW-Reich sowie als sicherer Nachfolger von Piëch. Den Machtkampf entschied am 17. April 2015 zunächst Winterkorn für sich. Das Präsidium des Aufsichtsrat erklärte die Bereitschaft, den Vertrag des Managers über das Jahr 2016 hinaus zu verlängern.

„Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“

Dass Ferdinand Piëch mit der Entwicklung von Volkswagen nicht zufrieden war, verdeutlichte er im März 2014 mit einer kurzen, aber deutlichen Aussage. Auf die Frage, ob er den VW-Konzern auf einem guten Weg sehe, antwortete er schlicht: „Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“ Damit spielte er darauf an, dass es beim Autohersteller nach Jahren des Erfolgs nicht mehr rund lief. So brachen unter anderem verschiedene Auslandsgeschäfte ein und die Rendite näherte sich der Nulllinie. Besonders ärgerte sich Piëch damals darüber, dass Volkswagen in den USA trotz hoher Investitionen im Vergleich zur Konkurrenz weiter an Boden verlor.

„Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

Im September des Jahres 2013 tauchten Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Abschied Ferdinand Piëchs aus gesundheitlichen Gründen auf. Zudem hieß es, dass der bisherige Konzernchef Martin Winterkorn als Piëchs Nachfolger feststehen würde. Sowohl der VW-Patriarch, als auch Konzern und Betriebsrat dementierten die aufkommenden Gerüchte. Piëch sagte dazu: „Totgesagte leben länger.“ . Außerdem fügte er hinzu, dass er klären wolle, wer der Urheber der Gerüchte war : „Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

„Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“

Um die Übernahme von Porsche zu finanzieren, stimmten die VW-Aktionäre im Dezember 2009 nach langer Debatte einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zu. Trotz großer Kritik vieler Kleinaktionäre beschloss die Mehrheit der Stammaktionäre damit einen Vorratsbeschluss zur Ausgabe von bis zu 135 Millionen neuer, stimmrechtsloser VW-Vorzugsaktien. Dem Vorwurf, er habe Interessenkonflikte sowie der Kritik, dass die Kapitalerhöhung über Vorzugsaktien erfolgen solle und damit die Stammaktionäre schütze, entgegnete Piëch mit den Worten: „Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“ Zuvor hatte Porsche Millionenschulden angesammelt, als sie versucht hatten, VW zu übernehmen.

„Zwölf ist eine gute Zahl.“

Mit dem simplen Satz „Zwölf ist eine gute Zahl" sorgte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kurz vor der IAA des Jahres 2009 für Aufsehen. Das Produktportfolio des Volkswagen Konzerns bestand damals noch aus neun Marken, inzwischen hat sich Piëchs Zitat bewahrheitet: Mit der Komplettübernahme der schwedischen Lkw-Tochter Scania im Jahr 2014 hat Volkwagen das Marken-Dutzend voll gemacht. Zum Konzern gehören die Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ducati, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania und Man.

„Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!"

Mit diesen Worten antwortete Ferdinand Piëch im Übernahmekampf zwischen Porsche und VW im Jahr 2009 auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch sein Vertrauen genieße. Für Wiedeking gab es nach dieser Aussage des VW-Patriarchen und nach monatelangen Verhandlungen über eine mögliche Kooperation der beiden Konzerne keine Zukunft mehr bei Porsche. Im Juli 2009 trat Wiedeking von seinem Posten im Aufsichtsrat zurück und machte den Weg für eine gemeinsame Zukunft der Autobauer frei.

„Zwei Kranke in einem Doppelbett oder gar drei ergeben noch keinen Gesunden."

Mit diesen Worten entgegnete der VW-Patriarch am 11. Mai 2009 gelassen einer möglichen Kooperation von Fiat, Opel und Chrysler. Die drei Autohersteller hätten zu unterschiedliche Unternehmenskulturen, die eine erfolgreiche Kooperation verhinderten. Zudem war sich Piëch damals sicher, dass eine funktionierende Allianz etwa 15 Jahre Zeit brauche, genau wie beim Zusammenschluss von Volkswagen und Audi im Jahr 1969. Im Juni 2009 übernahm Fiat dann 20 Prozent der Anteile von Chrysler.

„Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte.“

Als es im März 2006 um die Zukunft des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder ging, äußerte sich Ferdinand Piëch im Wall Street Journal Europe deutlich über Mehrheiten für die Vertragsverlängerung Pischetsrieders. Bedeutend war auch Piëchs Zusatz: „Es ist wirklich eine offene Frage." Ein halbes Jahr später war die Frage dann geklärt: Bernd Pischetsrieder verließ den Wolfsburger Autokonzern zum 31. Dezember 2006 und wurde von Martin Winterkorn abgelöst.

Am vergangenen Freitag hatte das VW-Aufsichtsratspräsidium bei einem Treffen in Salzburg Vorstandschef Winterkorn gestärkt und angekündigt, dessen bis Ende 2016 laufender Vertrag solle verlängert werden. Das Gremium ist ein zentraler Machtfaktor bei Europas größtem Autobauer. „Das Aufsichtsratspräsidium hat am Freitag eine Erklärung abgegeben, der nichts hinzuzufügen ist“, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag.

Im 20-köpfigen Aufsichtsrat von Volkswagen haben sich zuletzt die zehn Vertreter der Belegschaft für Winterkorn ausgesprochen. Auf Arbeitgeberseite schlugen sich auch die beiden Vertreter des Landes Niedersachsen als Großaktionär auf die Seite Winterkorns. Doch laut NDR gilt es nicht als sicher, dass sich bei einer Einigkeit der Familien Piëch und Porsche sowohl Arbeitnehmer als auch die Landesvertreter tatsächlich noch einer Ablösung Winterkorns widersetzen. Die Familien Porsche und Piëch halten über den Umweg der Porsche SE insgesamt 50,73 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien an Volkswagen.

Kommentare (6)

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Herr peter Spirat

23.04.2015, 12:54 Uhr

Also das würde uns aber freuen, dass endlich wieder ein echte Ingenieur an die VW-Spitze kommen.

Mir ist u.a. aufgefallen, dass die VW Autostadt zu einer billigen Verkaufsbude (BWL-Denke) verkommen ist. Früher (Piech) konnte man dort Konzepte, Emotionen und Ideen sehen. Und so war es einfach, dass sich jede Zielgruppe schnell verstanden weiß. Aber inzwischen ist es nur noch billig und leer.

Vermutlich hat Wiko wohl auch sonst nur von der Substanz gelebt

Frau Ute Umlauf

23.04.2015, 13:11 Uhr

Piech/Porsche sind Mehrheitseigner am VW Konzern. Somit hat er das Sagen.
In Anbetracht einer Rendite von mageren 1.6% bei der Marke VW u. eines desolaten US Geschäfts ist ein Rausschmiss angebracht. Man sollte es allerdings geräuschlos regeln. BMW zeigt, wie man die Nachfolge ohne Getöse regelt!!

Herr peter Spirat

23.04.2015, 13:14 Uhr

Wie mein Nachbar Gerhard (kommt eben auch aus Hannover) schon sagte: "Zustimmung in allen Punkten, aber nicht zwingen durch die Presse verkünden lassen"

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