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04.01.2017

12:15 Uhr

Volkswagen

Winterkorn erhält 3100 Euro Rente – am Tag

Der Vertrag von Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn ist offiziell beendet. Damit erhält er Anspruch auf sein millionenschweres Ruhegehalt. Wegen des Abgasskandals und der Firmenkrise löst die Rente scharfe Kritik aus.

Der ehemalige Vorstandschef von VW erhält eine Rente von knapp 3100  Euro pro Tag. dpa

Martin Winterkorn

Der ehemalige Vorstandschef von VW erhält eine Rente von knapp 3100 Euro pro Tag.

Wolfsburg/BerlinDer über die Abgas-Affäre gestürzte frühere Vorstandschef von Volkswagen, Martin Winterkorn, hat seinen Vertrag bei Europas größtem Autobauer zum Jahreswechsel offiziell beendet. Der Ex-Top-Manager (69) hat damit nun Anspruch auf hohe Rentenzahlungen, wie bereits im Geschäftsbericht des Konzerns für 2015 vom vergangenen April bekanntgegeben wurde.

Das sogenannte Ruhegehalt für Winterkorn - festgesetzt als Anteil von 70 Prozent an der letzten Grundvergütung – beläuft sich auf rund 1,2 Millionen Euro oder umgerechnet knapp 3100 Euro pro Tag. Zuvor hatte auch die „Bild“-Zeitung darüber berichtet. Andere Vorstände haben ähnlich umfangreiche Rentenansprüche.

Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte, das Unternehmen äußere sich grundsätzlich nicht zu Vertragsinhalten.

Die Sparprogramme bei Volkswagen

1993: Massenentlassungen drohen

Im Jahr des Amtsantritts des späteren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch als Vorstandschef steckt der Konzern in einer tiefen Krise. Er produziert im Vergleich mit der globalen Konkurrenz viel zu teuer, es droht die Entlassung von bis zu 30.000 Beschäftigten.

Hartz verhindert Kahlschlag

Peter Hartz, von Piëch eingestellter Personalvorstand und späterer Entwickler der Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder, kann den Kahlschlag abwenden. Er führt in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall unter anderem die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen ein - eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich. Auch der umstrittene „Kostenkiller“ und Ex-General-Motors-Manager José Ignacio López bringt den verlustreichen Konzern finanziell wieder auf Kurs.

2006: Ende der Vier-Tage-Woche

Die Hauptmarke Volkswagen-Pkw fährt chronisch niedrige Erträge ein - eine deutliche Parallele zur heutigen Lage. Nach monatelangen Verhandlungen zum neuen Haustarifvertrag bei VW einigen sich die Parteien auf eine Abkehr von der Vier-Tage-Woche. Als Gegenleistung für die wieder deutlich längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlangt die IG Metall vom Unternehmen verbindliche Zusagen für die langfristige Zukunft der sechs westdeutschen Werke.

Nachdem Kernmarken-Chef Wolfgang Bernhard mit Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen gedroht hat, verlässt er den Konzern. VW kann dennoch die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

2016: Dieselskandal belastet VW

Nach Jahren satter Gewinne dümpelt die Marke mit dem VW-Emblem – gemessen an der Marge (Anteil des Gewinns am Umsatz) – im Branchenvergleich erneut vor sich hin. Zugleich muss der Gesamtkonzern die Milliardenlasten des Abgas-Skandals verdauen und sich stärker auf die Zukunftsthemen der Branche konzentrieren.

Der „Zukunftspakt“

Der „Zukunftspakt“ soll daher den Spardruck, den Umbau in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen sowie das Interesse der Belegschaft an sicheren Jobs und Standorten in die Balance bringen. Nach Monaten des Ringens steht fest: Dies wird nicht ohne Zugeständnisse bei den Jobs gehen. 30.000 Stellen sollen weltweit bis 2020 auslaufen, Kündigungen gibt es aber nicht.

Winterkorn war im September 2015 wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen an Millionen Dieselautos zurückgetreten. Für Volkswagen begann damals die schwerste Krise der Firmengeschichte - samt Milliarden-Rückstellungen, rechtlichen Auseinandersetzungen und einem Sparprogramm mit Stellenstreichungen, dessen Bedarf durch die Kosten von „Dieselgate“ noch akuter wurde. In diesem Zusammenhang gab es auch heftige Kritik an der üppigen Bezahlung des VW-Managements. Unter anderem hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) „kein Verständnis“ für die Verteidigung hoher Bonuszahlungen gezeigt.

Nach langem Ringen einigte sich die VW-Spitze im vorigen Jahr darauf, dass 30 Prozent der variablen Bezüge zunächst einbehalten und so behandelt werden, als wären es Aktien. Nach Ablauf von drei Jahren wird dann geprüft, wie sich der Kurs entwickelt hat. Liegt dieser um ein Viertel über dem Ausgangsniveau, wird das Geld ausbezahlt. Dass Winterkorns regulärer Vertrag bis Dezember 2016 weiterlaufen sollte, hatte schon 2015 für Empörung bei Kritikern des Konzerns gesorgt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Erich Marquardt

04.01.2017, 12:27 Uhr

Das ist eine ungeheuerlich skandalöse Nachricht! Millionenfacher Betrug, Umweltmegasünder, Verantwortlicher für Mrd. Euro Steuermindereinnahmen etc.
- wann endlich gibt es schnelle Strafverfolgung und Gerechtigkeit in unserem Land?
Hoffentlich ist H. Winterkorn so vernünftig, dass er diesen täglichen Betrag an die
Menschen spendet, die auf der Schattenseite unseres Daseins stehen.

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