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24.02.2006

07:00 Uhr

Voll im Stoff

Gerhard Weber ist nicht mehr aufzuhalten

VonTanja Kewes

Der Gründer und Vorstandschef von Gerry Weber eröffnet immer neue Läden – und ist gegen alle Widerstände erfolgreich. Ein Ohnmachtsgefühl beschlich Weber trotzdem im Sommer des vergangenen Jahres.

Gerhard Weber. Foto: PR

Gerhard Weber. Foto: PR

LONDON. Leichtfüßig und strahlend schwebt Gerhard Weber über das Parkett. Seine maßgefertigten Schuhe aus feinem schwarzem Leder tragen ihn wie einen Tänzer von Kundin zu Kundin, von Kleiderständer zu Kleiderständer, zur Kasse. Das violette Innenfutter seines Jacketts blitzt immer wieder auf – so eilfertig ist er, so zuvorkommend, so voll in seinem Element.

„Von einem solchen Auftritt habe ich vor Jahren noch geträumt“, ruft er aus und lässt sich in einen schwarzen Sessel fallen. Das neue Flaggschiff des Modekonzerns Gerry Weber umfasst 730 Quadratmeter und drei Etagen und liegt an der feinen Regent Street in London. Im Sessel hält es den 64-Jährigen aber nicht lange. Er springt auf, bietet einem unschlüssig herumstehenden Gast den Platz an. Der Kunde ist König, das Geschäft geht vor, gerade an einem Tag wie diesem.

Der Ostwestfale, der mit seinen stahlblauen Augen und glatten grauen Haaren an Kirk Douglas erinnert, ist nicht mehr aufzuhalten. Seit dem Börsengang von Gerry Weber International 1989 treibt Weber den Wandel vom Damenmodehersteller zum internationalen Lifestylekonzern systematisch voran. Seinem Traum – „die Dame von Kopf bis Fuß in Gerry Weber“ – kommt er von Jahr zu Jahr näher. Neben Mode gibt es heute Taschen, Brillen, Uhren, Schmuck und Duft. Um die Markenwelt in ihrer ganzen Breite präsentieren zu können, setzt Weber seit Ende der 90er-Jahre auf eigene Häuser. Das erste so genannte „House of Gerry Weber“ eröffnete 1999 in Bielefeld, die Regent Street ist Nummer 103. Bis zu 300 weitere sollen in den nächsten zwei Jahren folgen.

„Weber ist ein Macher. Seine Strategie verfolgt er konsequent“, sagt Christoph Schlienkamp. Der Konsumgüteranalyst beim Bankhaus Lampe verfolgt den Aufstieg des Ostwestfalen seit Jahren. Das Geschäftsjahr 2004/2005 schloss das S-Dax-Unternehmen mit einem Umsatzplus von knapp zwölf Prozent auf 352 Millionen Euro ab. Das Betriebsergebnis kletterte um 28 Prozent auf 35,8 Millionen Euro. Der Aktienkurs um 80 Prozent.

Ein Liebling der Börsenbeobachter ist Weber deshalb nicht. Dass sich der Gründer und Vorstandschef in Analystenkonferenzen regelmäßig von seinem Finanzchef Hans-Dieter Kley vertreten lässt, stößt negativ auf. „Doch das ist nur“, sagt Schlienkamp, „eine Petitesse!“ Wichtig sei vielmehr, dass er sein Metier beherrsche. Die Kreation und den Verkauf.

Und darin übt sich Weber früh. Im Modeladen seiner Mutter Luise fühlt er die ersten Stoffe. Mit 23 Jahren hat er genug gesehen und macht sich selbstständig. „Weber Moden“ heißt sein erster Laden. 1973 gründet Weber zusätzlich die Damenmodefabrik Hatex, die Kleider für große Handelsketten produziert. Doch das Lieferantendasein und die kleine Kette von sieben Filialen reichen Weber nicht. Aus seinem Namen soll eine Marke werden. Aber wie? „Weber ist wie Müller-Meier-Schulze ein Allerweltsname. Und Halle eine Kleinstadt“, erinnert er sich.

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