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07.05.2014

22:20 Uhr

Vom Bau- zum Ingenieurkonzern

Bilfinger will Tiefbausparte verkaufen

Der Mannheimer Konzern will die Tiefbausparte mit Tausenden Mitarbeitern verkaufen. Bilfinger-Chef Koch richtet das Unternehmen noch stärker auf Ingenieursdienstleistungen aus. Eine Bausparte soll aber bleiben.

Baukonzern Bilfinger: Die Tiefbausparte nahm im vergangenen Jahr 800 Millionen Euro ein. obs

Baukonzern Bilfinger: Die Tiefbausparte nahm im vergangenen Jahr 800 Millionen Euro ein.

MannheimDer ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch räumt beim Bau- und Industriedienstleister Bilfinger weiter um: Der Konzern will wesentliche Teile seine Ingenieurbaugeschäfts verkaufen, wie die Mannheimer am Mittwochabend mitteilten.

Zum Verkauf gestellt werde der Ingenieurbau - also der Tiefbau, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Die Sparte habe im vergangenen Jahr 800 Millionen Euro umgesetzt. Der Konzern gehe davon aus, die Teile binnen eines Jahres verkaufen zu können.

Der Hochbau mit einem Umsatz von 700 Millionen Euro sei nicht betroffen. Nach Angaben eines Sprechers arbeiten in den zum Verkauf stehenden Geschäftsfeldern 3000 Mitarbeiter, davon 1700 in Deutschland.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Der Mannheimer Konzern zieht sich damit immer mehr aus dem Baugeschäft zurück und verlegt sich stärker auf Ingenieurdienstleistungen. 2013 hatte Bilfinger deshalb den defizitären Straßenbau verkauft.

Ganz verzichten auf das traditionelle Baugeschäft wollte der Konzern bisher nicht, um das Know-how für seine Bau-Service-Angebote nicht zu verlieren. Über die Hintergründe des Verkaufs wird Koch auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Mannheim informieren.

Quartalszahlen am Donnerstag

Bilfinger legt am Donnerstag zudem seine Geschäftszahlen zum ersten Quartal vor. Der Konzern will die Bauleistung von zuletzt 8,5 Milliarden auf elf bis zwölf Milliarden Euro im Jahr 2016 steigern.

Das bereinigte Konzernergebnis soll bei 400 Millionen Euro liegen - 2013 waren es knapp 250 Millionen Euro. Das Wachstum will Koch vor allem durch Zukäufe erreichen, für die zuletzt noch immer 800 Millionen Euro an Mittel verfügbar waren. Hier haben sich aber schon länger keine geeigneten Kandidaten mehr gefunden.

Kommentare (1)

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08.05.2014, 09:06 Uhr

Das typische Bild eines ohne Grund zum Manager gemachten Politikers, der Opfer seiner eigenen alten Propaganda wird - wobei natürlich die eigentlichen Opfer die Mitarbeiter und Aktionäre sind. Da hat man (alles Leute, die nie aktiv zum Bruttosozialprodukt beigetragen haben) dem Ministerpräsidenten damals in jede Rede geschrieben, wir seien auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft. So, als könnten Versicherungen leben, ohne dass es was zu versichern, als könnten Speditionen leben, ohne was zu bewegen ( beliebtes politisches Ziel: Logistikregion)gibt, so als könnte man technisches know-how verkaufen, wenn man selbst keine Technik mehr betreibt. Da treffen sich wirre grüne Fantasien auf beste mit einem Berufspolitikertum, das von der realen Wirtschaft aber auch so gar nichts weiß. Aktientipp: immer sofort abstoßen, wenn einem Expolitiker ein Unternehmen ausgeliefert wird.

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