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03.12.2013

17:36 Uhr

Vor 125 Jahren starb Carl Zeiss

Ein sozialer Genauigkeitsfanatiker

Vor 125 Jahren starb der Mikroskop-Bauer Carl Zeiss. Der Konzern-Gründer schätzte Genauigkeit und die Arbeitsteilung. Nach seinem Tod blieb der soziale Gedanke erhalten: Das Unternehmen wurde in eine Stiftung überführt.

Eingang zum Nachbau der historischen Zeiss-Werkstatt von 1866: „Er ist ein Genauigkeitsfanatiker gewesen“. dpa

Eingang zum Nachbau der historischen Zeiss-Werkstatt von 1866: „Er ist ein Genauigkeitsfanatiker gewesen“.

JenaÜber Carl Zeiss kursiert die Geschichte, er habe manches Mikroskop mit dem Hammer zerschlagen, weil es seinen Ansprüchen nicht genügte. Für diesen Qualitätsanspruch schätzten Wissenschaftler seine Instrumente. Mit dem Startkapital von 100 Talern gründete der gelernte Mechaniker 1846 in Jena eine Werkstatt und verschrieb sich dem Bau von Mikroskopen.

Doch das „Pröbeln“, das optimale Zusammenspiel der Linsen durch Probieren zu finden, reichte ihm nicht - er suchte nach wissenschaftliche Methoden, um seine Geräte zu verbessern. „Er ist ein Genauigkeitsfanatiker gewesen“, sagt Wirtschaftshistoriker Rolf Walter über Zeiss, der vor genau 125 Jahren gestorben ist. „Und er hat mit seiner Firma ein soziales Engagement an den Tag gelegt, das seinesgleichen suchte.“

Wie einst gearbeitet wurde, ist heute in der Zeiss-Werkstatt im optischen Museum in Jena zu besichtigen. Strom gab es noch nicht und so wurden die Maschinen an den einzelnen Werkbänken mit Füßen angetrieben. Ihre Öllampen mussten die Arbeiter selbst mitbringen, erläutert Museumspädagogin Karin Ebert. An einem Platz wurden Linsen geschliffen, an einem anderen poliert und wieder an einem anderen in Messingfassungen eingepasst. Dann wurden die Mikroskope mit Pinzetten und kleinen Zangen zusammengebaut. Eineinhalb Monate konnte die Herstellung dauern.

„Zeiss war jemand, der die Vorzüge der Arbeitsteilung sehr früh gesehen hat - aber auch seine eigenen Grenzen“, erklärt Walter, der an der Universität Jena lehrt. So habe er versucht, die genaue Form der Linsen zu berechnen, war daran aber gescheitert. Dies übernahm der Physiker Ernst Abbe, der stiller Teilhaber des Unternehmens wurde.

Zeiss und Abbe standen noch vor einer weiteren Herausforderung: Oft wies das Glas Schlieren oder Blasen auf. Das Problem löste der Chemiker Otto Schott durch Änderungen der Glasrezeptur. Mit Abbe, Zeiss und dessen Sohn gründete Schott in Jena das Glastechnische Laboratorium Schott & Gen., einen Vorläufer des heutigen Technologiekonzerns und Glasherstellers Schott. Erst das Trio Zeiss, Abbe und Schott habe den optischen Geräten zum Durchbruch verholfen, erläutert Walter. Die Mikroskope machten es Mikrobiologen wie Robert Koch möglich, die Erreger von Krankheiten zu erforschen. Später erweiterte Zeiss sein Angebot auf Fernrohre und Feldstecher bis hin zu Weltraumtechnik und Laser im 20. Jahrhundert.

Kommentare (1)

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03.12.2013, 19:49 Uhr

Wenn zwischen 25 und 40% des Reingewinns -je nach Konjunktur - von exakt einem Kunden aus einem Nachbarland kommt, ist das mit der breiten Aufstellung von Zeiss nur bedingt richtig.

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