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17.11.2014

14:45 Uhr

Vorlieben der Anleger

Mein Sparbuch, mein Haus

VonAnke Rezmer

Eine Umfrage belegt, wie traditionell die Deutschen heute 100.000 Euro anlegen würden. Anleihen, Fonds und Aktien sind wenig beliebt. Dafür bauen die Bundesbürger auf Festgeld und Immobilien.

Wohnhäuser in Köln: Den Traum von Immobilien hegt gut jeder dritte Deutsche. dpa - picture-alliance

Wohnhäuser in Köln: Den Traum von Immobilien hegt gut jeder dritte Deutsche.

FrankfurtSparkonto und Immobilie – dann kommt lange nichts. Gefragt danach, wie die Deutschen 100.000 Euro anlegen würden, zeigen sie sich wieder einmal börsenscheu. Mit ihrer Vorliebe für Betongold und Sparanlagen können die Deutschen, die sich selbst als wenig risikobereit einstufen, aber offenbar gut leben: Die meisten zeigen sich zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrer Geldanlage. Das ergibt eine repräsentative Umfrage der Marktforschungsfirma TNS Infratest im Auftrag des Vermögensverwalters Goldman Sachs Asset Management (GSAM) unter 1.019 Menschen im Alter von über 16 Jahren, die sich nach eigener Angabe gut mit Geldanlage auskennen.

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, wie sicherheitsbewusst die deutschen Privatanleger agieren“, kommentiert Markus Weis, Vertriebsexperte bei GSAM. Eine Folge anhaltender Niedrigzinsen sei leider, dass die Geldanlagen „keine ausreichende Rendite abwerfen“. Aktien und Investmentfonds stünden auch jetzt nicht in der Gunst der Anleger, bedauert der Experte des Fondsanbieters.

In der Tat gehören Fonds und Aktien neben Anleihen zu den Anlageklassen, die in einem 100.000-Euro-Depot der Deutschen wenig Gewicht bekämen. Den größten Anteil von 37 Prozent würden die Deutschen in Immobilien stecken. 24.000 Euro kämen aufs Sparbuch, Tages- oder Festgeldkonto. Abgeschlagen folgen Aktien, Fonds sowie Staats- und Firmenanleihen.

Interessant ist, dass eine große Mehrheit der Deutschen angibt, für dieses Musterdepot keine Anleihen zu kaufen. Auch Fonds lehnen knapp zwei Drittel ab, Aktien jeder Zweite. Ihr ohnehin starkes Sicherheitsbedürfnis scheint in der Zeit niedriger Zinsen, schwankender Aktienmärkte, der Sorge über eine schwächelnde Wirtschaft in der Euro-Zone und politischer Krisen offenbar immer ausgeprägter zu werden. So nennen knapp zwei Drittel der Befragten Sicherheit als wichtigstes Anlagekriterium. Die allermeisten wollen nur ein geringes oder gar kein Risiko eingehen.

In ihren realen Depots halten immerhin fast vierzig Prozent der Befragten auch Fonds, 36 Prozent besitzen Immobilien und ein knappes Drittel Aktien. Die beliebteste Anlageklasse sind allerdings mit großem Abstand Sparbuch, Tages- und Festgeld – dort sparen knapp drei Viertel der Deutschen. Dazu passt, dass nach Zahlen der Deutschen Bundesbank rund 40 Prozent des Geldvermögens der Deutschen auf Konten und Sparbüchern liegt – insgesamt gut zwei Billionen Euro. Anleihen spielen auch hier eine geringe Rolle.

Fazit: Theoretisch ist den meisten Deutschen der Umfrage zufolge zwar wichtig, ihr Kapital über verschiedene Anlageklassen zu streuen. Doch in der Realität besitzen sie vor allem Spargeld, die Börse meiden viele. Das kann ihnen zwar in der aktuellen Phase stark schwankender Aktienmärkte niemand verdenken. Schließlich haben Anleger mit Aktien in Europa in diesem Jahr bisher nichts oder kaum etwas verdient, aber enorme Schwankungen aushalten müssen. Doch auf Dauer lässt sich mit Mini-Sparzinsen kein Vermögen aufbauen, ja nicht einmal erhalten. Und die aktuelle Diskussion um Strafzinsen auf Einlagen bedeutet nicht gerade Entwarnung.

Kommentare (1)

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Herr Pom Muc

19.11.2014, 10:17 Uhr

Der Goldpreis stieg von 35 Dollar in 1971 auf 1200 in 2014. Das entspricht ca. 8% jährliche Rendite nach Steuern.

Weder Immobilien noch Aktien kommen an diese Rendite heran. Fonds durch Verwaltungsgebühren noch weniger. Anleihen ebenfalls nicht. Nach Steuern schon gar nicht.

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