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23.01.2012

12:55 Uhr

Vorsicht, Fettnäpfchen!

Wie Sie die versteckten Karrierekiller enttarnen

VonGero Brandenburg

Wohin zum Business-Lunch? Wann gilt welcher Dresscode? Muss Small Talk sein? Viele Fachleute stolpern auf der Karriereleiter, weil sie im Auftreten eher ein Problembär sind. Wie man die Stolperfallen im Job vermeidet.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

Frau Meyden, Sie sprechen in ihrem Buch „Karrierekiller“ von versteckten Fallen auf dem Weg nach oben. Sie sagen, die größte Falle sei das Ignorieren der versteckten Codes – was sind denn die versteckten Codes?

Leider kann man das so konkret nicht benennen, obwohl es schön wäre, wenn man eine Handvoll Fehler vermeiden könnte und dann wäre alles gut. Eigentlich liegt die Herausforderung unserer Zeit darin, die Beschaffenheit der gesellschaftlichen Kultur zu erkennen, in der ich mich gerade bewege. Wir haben eine Gesellschaft, die sich in vielen Bereichen ausdifferenziert. Wo nach Regionen, Branchen und Unternehmen ganz eigene Kulturen und Spielregeln entstanden sind. Das heißt, im zwischenmenschlichen Bereich passieren viele Fehler.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Stellen Sie sich den Manager vor, der mehrere Jahre in einem IT-Unternehmen gearbeitet und dort erfahren hat, dass man relativ entspannt miteinander umgeht. Die Hierarchien waren flach, die Kleidung informell. Der Umgang mit den Kunden war locker. In einem anderen Software-Unternehmen hat er Ähnliches erlebt. Aber jetzt, nach zehn Jahren in der Branche, kommt er zum dritten Softwareunternehmen. Und dort laufen die Dinge ganz anders. Manche Dinge sieht man natürlich recht schnell, etwa dass bei Terminen Krawatten getragen werden und das Siezen Alltag ist. Dennoch versteht der Manager die Firmenkultur in vielen Bereichen noch nicht. Eine E-Mail an den großen Verteiler, die mit den vertraulichen Worten „Liebe Kollegen, …“ beginnt, kann schon zuviel des Guten sein. Dass solche Formulierungen nicht erwünscht sind, das sagt einem niemand explizit. Stattdessen gab es anfangs nur den Hinweis, dass es im Unternehmen konventioneller zugeht.

Wie kann ich mich mit den gängigen Codes vertraut machen?

Das Wichtigste ist vor allem, dass man bei aller Berufs- und Branchenerfahrung immer daran denkt, dass jedes Unternehmen eigene Regeln hat. Also: Zu Beginn sollte man sich neugierig und sehr aufmerksam umgucken und versuchen, nicht nur das Fachliche, sondern auch das Zwischenmenschliche abzugleichen. Fragen Sie, um nicht aus Unwissenheit in Fettnäpfchen zu tappen: Welcher Umgangston wird gepflegt? Welchen Wert haben Hierarchien? Was ist bei Meetings wichtig? Am Anfang sollte man mehr beobachten und sich weniger positionieren! Hilfreich ist auch ein Kollege, eine Art Mentor, der regelmäßig Rückmeldung gibt.

Tipps für Bewerbung und Einstieg

Keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wer beim ersten Gespräch unangenehm auffällt, für den gibt es keine zweite Chance. Wir beurteilen Menschen in den ersten drei bis fünf Sekunden- dieser Eindruck bleibt haften. Personalreferenten wissen: Wer schon beim Vorstellungsgespräch ein Gespür dafür hat, was angemessen ist, der wird auch im Job Situationen richtig einschätzen.

Wer ruft wen an?

Das Bewerbungsgespräch ist gut überstanden. Jetzt beginnt die nächste Zitterpartie: Habe ich das Rennen gemacht? Soll ich nachfragen oder abwarten? Wer nicht tagelang das Telefon fixieren möchte, sollte dies schon beim Gespräch klären. Sagen Sie, dass Sie interessiert sind und fragen Sie, wie es weiter geht.

Bewerbungs-Outfit

Wenn Sie nicht gerade in einer Kinderkrippe oder für eine Rockband vorstellen, gilt für die meisten Branchen: Männer tragen Anzug und Frauen ein Kostüm. Bis Sie ein Gefühl dafür haben, wie Ihre Kollegen erscheinen, sollten Sie das beibehalten.

Die ersten Wochen

Nachwuchskräfte aufgepasst! Unsicherheit mit Coolness zu überspielen klappt nicht. Fragen Sie erfahrene Kollegen, lernen Sie die Gepflogenheiten des Unternehmens kennen. Üben Sie sich in Bescheidenheit- das erste große Projekt kommt bestimmt, und dann können Sie Ihrem Übermut freie Fahrt gewähren.

Auch wenn Sie privat andere berühren oder Gespräche aus nächster Nähe führen- kommen Sie Kollegen und Geschäftspartnern nicht zu nahe! Die Distanzzone liegt bei einigen bis zwei Metern.

Wer ist der Neue?

Neue Kollegen bedeuten Stress für alle, denn Ihre Mitarbeiter sorgen sich vielleicht, dass ihre Routine durcheinandergewirbelt wird oder dass ihr Job in Gefahr ist. Sympathiepunkte sammelt man jetzt durch Interesse und Respekt. Tipp: Schmeicheln Sie den neuen Kollegen, und machen Sie Bemerkungen über vergangene Projekte, die Ihnen gefallen haben.

Das gekonnte Selbstmarketing

Der erste Tag ist fast überstanden, dann soll man sich in großer Runde vor allen Kollegen vorstellen. Bereiten Sie sich gut vor. Wichtig ist, Berufserfahrung und Ausbildung sachlich und Knapp auf den Punkt zu bringen. Lenken Sie die Aufmerksamkeit dabei auf Ihre größten Erfolge. Verkaufen Sie nicht mehr, als Sie liefern können.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nur wer in Stress- Situationen Höflichkeit und Respekt wahrt, beweist, dass er umgänglich ist. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie Verärgerung nicht offen zeigen. Eine wutverzerrte Miene wirkt nicht souverän. Hören Sie sich die Argumente Ihres Gegenübers ruhig an. Beschreiben Sie, was Ihnen Probleme macht, ohne Kollegen zu beschuldigen.

Richtiger Umgang mit Mails

Gerade wenn man seinen Ansprechpartner nicht kennt, verfällt man oft in gestelztes Briefdeutsch. Besser ist es, so zu formulieren, wie man es mündlich tun würde. Allerdings sollte ein guter Ton gewahrt bleiben: Verzichten Sie unbedingt auf saloppe Smileys und auf Abkürzungen („MFG“ statt „Mit freundlichen Grüßen“). So viel Zeit sollte sein.

Grundkurs Netikette

Nur weil es eine E-Mail ist, sollten Sie nicht automatisch "Hallo Frau Meyer" oder "Lieber Herr Müller" schreiben. Das "Sehr geehrte Frau Schulze" ist durchaus nicht altmodisch. E-Mails erreichen ihre Adressaten schnell- das heißt aber nicht, dass diese ebenso schnell antworten müssen. Geben Sie ihnen zwei bis drei Tage Zeit, oder vermerken Sie in der E-Mail, dass es eilt. Entgegen allen Gerüchten: Großbuchstaben sind noch nicht aus der Mode. Rechtschreibung und Grammatik sind auch bei E-Mails essenziell.

Ordnung muss sein! Vergessen sie nie eine aussagekräftige Betreffzeile, denn die hilft dem Empfänger, seine E-Mail-Flut zu ordnen. Anlagen sollten Sie in gängigen Dateitypen verschicken und darauf achten, dass Sie mit großen Datenmengen nicht das Postfach des Adressaten verstopfen.

Entspannungsphase

Im Meetingraum, beim Geschäftsessen oder bei offiziellen Anlässen dürfen Sie Ihr Jackett oder ihre Kostümjacke erst ablegen, wenn die Gastgeber Sie dazu auffordern oder es vormachen. Stoßen sie zu einer Gruppe, die sich bereits "entspannt", fragen Sie erst. Werden Ihnen Getränke angeboten, sollten Sie annehmen. So geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, ein guter Gastgeber zu sein. Mit exotischen Wünschen (Bananensaft, Brennnessel-Tee) bringen Sie Ihren Gastgeber allerdings in Verlegenheit.

Quelle: www.trust-wi.de

Sie widmen Kapitel 1 dem „Karrierekiller Äußeres“. Also wie erscheine ich am ersten Tag im neuen Unternehmen? Konservativ?

Ja, sicher etwas konservativer. Wenn Sie vor der Frage stehen, ob mit oder ohne Krawatte, überlegen Sie sich die Konsequenzen. Ziehe ich eine Krawatte an, und wird das auch so erwartet, dann ist alles fein. Ist die Krawatte zu viel des Guten, kann ich sie ablegen. Schlimmstenfalls werde ich als etwas zu konservativ eingeschätzt. Das wird aber jedem Neuling nachgesehen. Entscheide ich mich aber gegen die Krawatte, und wird das als nicht angemessen betrachtet, dann habe ich Problem. Denn dann gibt es negative Reaktionen wie „Der weiß wohl nicht, wie das hier läuft“, „Der hat noch eine Menge zu lernen!“ und „Das scheint ihm nicht wichtig zu sein, es mangelt ihm an Respekt.“

An wem sollte der Kleidungsstil sich orientieren: Am Chef oder an den Kollegen?

Ein kluger Mensch wird beide Seiten beobachten und abwägen. Wer sich zu sehr am Chef orientiert, fällt unangenehm auf. Der Vorgesetzte schaut irritiert auf sein „Double“, zum anderen ist es komisch, wenn man als junger Mensch den Kleidungsstil eines Älteren nachahmt, etwa durch Manschettenknöpfe oder durch ein Monogramm. Außerdem grenzt man sich dann von den Kollegen ab. Das könnte noch gefährlicher sein, denn deren Wohlwollen ist wichtig. Am Anfang würde ich deshalb dazu raten, sich an den Kollegen zu orientieren. Langfristig gesehen sollte man sich so kleiden, wie die Hierarchieebene, die man anpeilt. Die Botschaft, die man damit aussendet, ist: Ich bin leistungs- und aufstiegswillig. Und ich sehe mich selbst durchaus schon einen Schritt weiter.

Nandine Meyden arbeitet seit vielen Jahren als Etikette-Trainerin.

Nandine Meyden arbeitet seit vielen Jahren als Etikette-Trainerin.

Bei Einladungen wird der Dresscode nicht immer klar definiert. Wie umgehe ich ein Fettnäpfchen?

Das stimmt, oft wird der gewünschte Kleidungsstil nicht ausreichend kommuniziert. Wenn ich vom Dresscode her nicht deplatziert wirken möchte, kann ich mir aber anhand einiger Kriterien weiterhelfen: Wie formell war der Text der Einladung? War es nur eine lockere Mail oder ein Brief auf Büttenpapier? Lädt ein kleines, aber sehr traditionelles Unternehmen ein oder eine junge, schnell wachsende Firma? Wo findet das Treffen statt? Der Veranstaltungsort verrät viel über die erwünschte Kleidung. Zu welchem Anlass wird eingeladen? Ist es das Jubiläum zum 100. Geburtstag des Unternehmens? Dann wird es sicher vornehmer. Ganz wichtige Fragen sind auch: Als wer trete ich auf: Als Vertreter der Firma oder meiner Branche oder als Privatperson? Selbst im eigenen Unternehmen habe ich eine bestimmte Rolle auszufüllen. Wer Rechtsberater eines Internet-Start-up ist, sollte diese Rolle seriös ausfüllen, selbst wenn in einen Club eingeladen wird. Man ist schließlich keiner der Programmierer, die im T-Shirt herumlaufen. Jeans sind in diesem Fall okay, Hemd und Jacket sollten dann aber auch sein. Sonst beschädigt man sein Image.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

23.01.2012, 15:05 Uhr

Aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als Sales Manager kann ich leider sagen, dass deutsche Manager bis heute den Charme eines Holzklotzes versprühen. Es versteht sich wohl, dass ein Regionalmanager für Kairo, Moskau, Shanghai oder Tokio ein mehrtägiges, besser: mehrwöchiges Training benötigt, um sich mit Kultur, Sitten und z.T. auch Sprache vertraut zu machen. Obwohl: bei vielen deutschen Firmen ist dies leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Viele Chefs meinen, die Kenntnis des Englischen reiche aus, um zusammen mit dem erforderlichen technischen und kaufmännischen Wissen in einer fremden Region Erfolg zu haben. Weit gefehlt! Manchmal ist es besser, beim ersten Treffen oder Geschäftsessen überhaupt nicht über Geschäfte zu sprechen - für Deutsche oder tumbe Amerikaner ist dies aber meist undenkbar, und sie zerschlagen schon beim ersten Mal so viel Porzellan, das sich weitere Treffen eigentlich erübrigen. Das Schlimmste jedoch ist, dass die Deutschen oder Amerikaner nicht begreifen, dass sie alles kaputtgemacht haben - solange, bis man sie einfach nicht mehr einlädt. Dann heisst es: "Oh! Did I do something wrong?" Auch in Europa sollte jeder -Arbeiter oder Manager- daran denken, dass gerade Deutsche immer noch vorbelastet sind. Ein Beispiel dafür ist die Katastrophe bei EADS in Toulouse, wo die deutschen Mitarbeiter sich noch nicht einmal bemühten, die Franzosen morgens überhaupt zu begrüssen!! Für die sozial eingestellten Franzosen ein Unding. Wer dies als Deutscher verstehen will, sollte sich unbedingt den berühmten Sketch mit Louis de Funès über das Rezept für Kartoffelpüree auf Youtube anschauen: "... und ein Muskatnuss, (H)err Müllèr!" Wer diesen Sketch verinnerlicht, hat schon vieles verstanden. Mehr Selbstironie, bitte!

hoschmo

23.01.2012, 15:46 Uhr

Es ist schon erstaunlich, was so für Tipps für den Karriereaufbau gegeben werden.
Mein Tipp lautet:
Mit einer guten Ausbildung und einem freundlichen Wesen stehen einem alle Türen offen, denn dann ist man auf das Wohlwollen der Wegbereiter nicht angewiesen.

Brechreiz

23.01.2012, 16:19 Uhr

Mich würde ja interessieren, wie weit Sie mit dieser Strategie gekommen sind.
Für mich klingt das nach etwas zu wenig, um wirklich Karriere zu machen...

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