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19.01.2016

08:08 Uhr

Vorstellungsgespräche

Streber haben es bei der Jobsuche schwer

VonVera Münch
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Wen stellen Personaler eher ein: den fleißigen Arbeiter oder das Naturtalent? Forscher glauben, dass die Emsigen benachteiligt werden. Schuld daran ist einer Studie zufolge die Intuition der Personalchefs.

Wen bevorzugen die Personalchefs eher, die Naturtalente oder doch die fleißigen Arbeiter? Eine Studie von Chia-Jung Tsay zeigt das Ergebnis. Fotolia.com

Naturtalente und fleißige Arbeiter

Wen bevorzugen die Personalchefs eher, die Naturtalente oder doch die fleißigen Arbeiter? Eine Studie von Chia-Jung Tsay zeigt das Ergebnis.

Hier das Naturtalent, dem scheinbar alles mühelos zufliegt. Dort der harte Arbeiter, der sich alles mit Ausdauer und Biss erkämpft. Hand aufs Herz: Wen würden Sie eher einstellen?

Objektiv scheint es logisch, den zweiten Kandidaten zu bevorzugen. Immerhin zeigt der zuverlässig, was er drauf hat, während der erste Kandidat – so talentiert er auch sein mag – ein Spiel mit der Unsicherheit ist. Denn wir können nicht sicher sein, ob er sein Potenzial tatsächlich abruft. Doch offenbar ist uns das häufig lieber.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Ursprünglich stammt der Begriff „Talent“ vom griechischen „talanton“, was so viel heißt wie Waage oder Gewicht. Im Neuen Testament ist die Rede von einem anvertrauten Gut, woraus sich das heutige Verständnis ableitet: Talent ist eine Gabe, die man entweder hat oder nicht. Und die die meisten Menschen anscheinend bewundern – so sehr, dass sie sich davon enorm beeindrucken lassen.

Denn tatsächlich tendieren sowohl Investoren als auch Personalchefs dazu, objektive Belege für Leistungen zu ignorieren. Beeindruckende Arbeitszeugnisse, tolle Abschlussnoten – alles nicht so wichtig. Anstatt auf harte Fakten verlassen sich die meisten Menschen beim Vorstellungsgespräch dann doch lieber auf ihre Intuition. Naturtalente sind klar im Vorteil.

Jobsuche: So erhöhen Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Bewerbung

Jobsuche

So erhöhen Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Bewerbung

Wer dieses Jahr den Jobwechsel in Angriff nehmen möchte, sollte geduldig sein. Bis eine Antwort auf eine Bewerbung kommt, können sechs Wochen vergehen. Mit diesen Tipps wird die Bewerbung zumindest nicht übersehen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Chia-Jung Tsay, Assistenzprofessorin am Universitätscollege in London. Sie präsentierte 194 potenziellen Investoren 36 fiktive Lebensläufe von zukünftigen Unternehmern. Darin enthalten waren vier Kriterien: wie viel Führungserfahrung die Nachwuchskräfte hatten, wie es um ihre Managementfähigkeiten im Vergleich zu Kollegen bestellt war, wie hoch ihr Intelligenzquotient war und wie viel Kapital sie bislang eingesammelt hatten.

Die fünfte Information gab einen Hinweis darauf, ob der Kandidat seinen Erfolg eher natürlichem Talent oder hartem Fleiß zu verdanken hatte. Auf dieser Basis sollten die Investoren entscheiden, wem sie ihr Geld anvertrauen würden. Was sie nicht wussten: Das präsentierte Geschäftsmodell kam von ein und derselben Person. Lediglich die Lebensläufe waren manipuliert.

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