Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.09.2014

08:34 Uhr

Vorwürfe gegen Fahrdienst

Uber-Fahrer soll Fahrgast misshandelt haben

VonAxel Postinett

Es ging um einen Streit über die Wegstrecke, und es endet mit einer lebensgefährlichen Hammerattacke. Jetzt fordert der Distriktanwalt von San Francisco Auskunft, wie das Mitfahr-Startup seine Fahrer rekrutiert.

Der Fahrdienst Uber soll den Behörden erklären, wie er seine Fahrer auswählt. dpa

Der Fahrdienst Uber soll den Behörden erklären, wie er seine Fahrer auswählt.

San FranciscoEs war Dienstagabend, als eine harmlose Kneipentour mit einer lebensgefährlichen Hammerattacke endete: Nach einem Kneipenbesuch in San Francisco hatte das spätere Opfer zusammen mit zwei Freunden ein Uber-Taxi für den Heimweg genommen, als ein Streit über den vermeintlich besten Fahrweg ausbrach. Der Fahrer stoppte das Fahrzeug und warf seine Kunden raus. Dann holte er aber offenbar nochmal mit einem Hammer aus und ließ ihn auf dem Kopf des Opfers niedergehen. Vermutlich wird er Mann ein Auge verlieren. Er liegt mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Der 26-jährige Fahrer plädierte am Freitag vor Gericht auf „nicht schuldig“ und ist auf Kaution frei.

In einer Pressekonferenz zeigte sich San Franciscos Distriktanwalt George Gascon entsetzt über den Vorfall. Er fordert jetzt schriftlich Auskunft über die Praxis, wie die Vergangenheit der Fahrer überprüft wird, speziell hinsichtlich etwaiger sexueller Gewalt, Trunkenheit am Steuer oder sonstigen Vorstrafen. Für „normale“ Taxifahrer ist dies gesetzlich vorgeschrieben. „Es mag so aussehen, als ob ich gegen neue Geschäftsmodelle bin. Aber das ist nicht der Fall“, betonte Gascon. „Es geht nur darum den Schutz der Konsumenten zu wahren.“

Uber teilte lediglich mit, die Sicherheit der Fahrgäste habe oberste Priorität. Der Fahrer sei suspendiert und man werde offen mit den Behörden zusammenarbeiten. Der Vorfall kommt nur kurz nachdem drei Frauen in San Francisco einen Uber-Fahrer beschuldigt haben, sie belästigt zu haben. Er soll demnach seinen Arm auf die Lehne des Beifahrersitzes gelegt haben, auf dem eine der Passagierinnen saß und sie dann längere Zeit gemustert haben. Im Juni soll ein Uber-Fahrer einen Gast angefahren haben.

Der Streit um Uber

Vermittlung gegen Provision

Uber vermittelt über seine Smartphone-App Uber Pop zwischen Fahrern und Gästen – dafür kassiert das Unternehmen eine Provision, die in der Regel 20 Prozent des Fahrpreises beträgt.

Konkurrenz für Taxifahrer

Der Fahrdienst macht der Taxi-Branche Konkurrenz. Er expandiert aggressiv, in Deutschland bedient er große Städte wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Das Unternehmen hat seit der Gründung 2009 rund 3,9 Milliarden Dollar Kapital erhalten, unter anderem von Google und Goldman Sachs.

Streit um offizielle Papiere

Streit gibt es vor allem um den Dienst Uber Pop, über den private Autobesitzer Fahrdienste anbieten (über Uber Black bekommen Nutzer Mietwagen mit Fahrer). In Deutschland haben mehrere Gerichte das Angebot zwischenzeitlich verboten. Viele Chauffeure haben keinen Personenbeförderungsschein – den brauchen sie aber, um auf gewerblicher Basis Fahrgäste befördern zu dürfen.

Nur eine Mitfahrzentrale?

Uber stuft die Fahrten als Mitfahrgelegenheiten ein: Wer als privater Fahrer andere mitnimmt und dafür Spritgeld nimmt, benötigt auch keinen Personenbeförderungsschein. Allerdings empfiehlt das Unternehmen einen Preis, der über den Betriebskosten liegen dürfte – damit bewertet das Personenbeförderungsgesetz die Fahrt als gewerblich.

„Rahmenbedingungen anpassen“

Uber ist sich der gesetzlichen Beschränkungen offenbar bewusst – das Unternehmen fordert immer wieder, die rechtlichen Rahmenbedingungen an neue Fahrdienste anzupassen.

Die neue Konkurrenz zu etablierten Taxiunternehmen führt einen erbarmungslosen Krieg um immer mehr Fahrer, weil sich nur so das Geschäftsmodell ausweiten und Umsätze steigern lassen. Dabei wehren sich die Internet-Start-Ups mit aller Macht gegen gesetzliche Regelungen, die ihre Verantwortlichkeiten oder Kosten erhöhen könnten. Diese Regeln dienten nur dazu, die alteingesessene Konkurrenz zu schützen, lautet das Standard-Argument zum Beispiel gegen erweiterten, und damit teureren Versicherungsschutz für die Fahrer.

Die Vorfälle in San Francisco sind krass, aber nicht die ersten Probleme. In Orlando wurde am Donnerstag ein Uber-Fahrer verhaftet, weil er eine Frau sexuell belästigt hatte. Der 28-jährige sei, so berichtet die Nachrichtenagentur AP, „zunächst ziellos umhergefahren“, bevor er angehalten und der Frau unter ihre Bluse gegriffen habe. Er soll den Vorfall nicht bestreiten und der Polizei später gesagt haben, wenn sich Frauen „in Ägypten so verhalten, heißt das sie fragen danach“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×