Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2015

06:22 Uhr

Vorwürfe gegen Uber

Mit kriminellen Chauffeuren unterwegs

VonAxel Postinett

Vergewaltiger, Betrüger, Mörder: Dank lascher Sicherheitskontrollen fahren Straftäter Kunden durch Kalifornien. So jedenfalls steht es in einer Anklageschrift, die dem Taxivermittler Uber ins Haus flatterte.

Sind die Sicherheitskontrollen bei Uber zu lasch? ap

Vorwürfe gegen Uber

Sind die Sicherheitskontrollen bei Uber zu lasch?

San FranciscoGegen die Taxi-App Uber werden schwere Vorwürfe erhoben. Nach Unfällen, tätlichen Übergriffen sowie Klagen und Anzeigen gegen Uber-Fahrer ist das Sicherheitsimage des mit 50 Milliarden Dollar teuersten Start-ups der Welt schwer angekratzt.

Eine Klage gegen Uber wegen unlauterem Geschäftsgebaren wurde schon im Dezember angestrengt. Die harmlosesten Vorwürfe sind dabei noch das Abkassieren von Flughafengebühren, die aber gar nicht angefallen sind oder die Erhebung einer angeblichen „Sicherheitsgebühr“, die der Überprüfung der Vergangenheit von angehenden Fahrern dienen soll, nach Ansicht der Kläger aber genau das nicht macht.

Jetzt liegt eine erweiterte Fassung der Anklageschrift der Öffentlichkeit vor - und sie enthält brisante Zusatzdetails. Penibel werden Vorstrafen von 25 Fahrer aufgezählt und wie sie sich durch die Kontrollen schmuggeln konnten. Die Vergehen sind teilweise massiv, von Mord über sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige und bewaffnete Überfälle bis Kidnapping oder Betrug ist alles dabei. Bußgelder für Fahren mit abgelaufenem Führerschein oder ohne Versicherung scheinen da schon fast harmlos.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Der Vorwurf, den San Franciscos oberster Staatsanwalt George Gascon dem Unternehmen aus San Francisco macht: Man hätte es wissen können, wenn man gewollt hätte. Ubers System zur Überprüfung der Fahrer habe „riesige Lücken“. Zum Beispiel, wenn Fahrer mit einer (gut gemachten) falschen Identität auftreten.

Der Grund dafür sei einfach zu erklären. Anders als für die Taxifahrer der Stadt verpflichtend, nehme Uber keine Fingerabdrücke der Bewerber und verlasse sich auf öffentlich zugängliche Daten. Dadurch, so Gascon auf einer Pressekonferenz, blieben zum Beispiel alle Sexualstraftaten verborgen, die länger als sieben Jahre her seien. Außerdem seien rund 30.000 registrierte Sexualstraftäter in Kalifornien nicht über die öffentlichen Register abrufbar. Mit einer Fingerabdruck-Überprüfung würden alle Straftaten sichtbar und falsche Identitäten leichter aufgedeckt.

Uber verteidigt sich und kritisiert vor allem das angeblich so sichere kalifornische Verfahren: Während man in einer Erklärung zugibt, dass „kein System zu 100 Prozent perfekt sei“, wird auf rund 1000 Fahrer hingewiesen, die sich angeblich als lizensierte Taxi- oder Limousinen-Fahrer beworben hätten und die man wegen Vorstrafen abgewiesen habe. Zudem liefere das „Live Scan“-System für Fingerabdrücke auch negative Treffer, selbst wenn Menschen beschuldigt, aber nie angeklagt oder verurteilt wurden. Das könnte diskriminieren.

Auch den Vorwurf mit den sieben Jahren lässt der Dienst so nicht stehen: Der kalifornische Gesetzgeber selbst habe diese Frist als angemessene Balance zwischen Schutz der Öffentlichkeit und dem Recht auf Resozialisierung festgelegt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Martin Wienand

21.08.2015, 10:23 Uhr

Der Fisch stinkt vom Kopf her.

Und das ist nun mal der CEO Kalanick..

Zitat SPIEGEL: Bei einem Sympathie-Wettbewerb gegenüber einer Landmine würde Kalanick klar verlieren.

Und die Uber-Investoren sind natürlich auch die üblichen Verdächtigen, wenn es eklig wird: Amazon, Goldman Sachs & Co.

Was will man hier anderes erwarten außer Kriminalität und hässlichen Geschichten?

Gegen Kalanick liegen in verschiedenen Staaten Haftbefehle vor. Frankreich z. B. hat Uber verboten.

Nur Deutschland hängt natürlich hinterher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×