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26.04.2013

09:47 Uhr

Vorwurf der Steuerhinterziehung

Bayern-Aufsichtsrat grübelt über Hoeneß' Zukunft

ExklusivUnter den Aufsichtsratsmitgliedern des FC Bayern München wird diskutiert, dem Vorsitzenden Uli Hoeneß zu empfehlen, seine Ämter vorübergehend ruhen zu lassen. Im Falle einer Anklage sei der Manager keinesfalls zu halten.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (rechts) auf einer Geburtstagsfeier von Bayern-Präsident Uli Hoeneß (links). Beide sitzen im Aufsichtsrat des Fußball-Clubs. Reuters

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (rechts) auf einer Geburtstagsfeier von Bayern-Präsident Uli Hoeneß (links). Beide sitzen im Aufsichtsrat des Fußball-Clubs.

DüsseldorfDer Verbleib von Uli Hoeneß an der Spitze des FC Bayern wird unwahrscheinlicher. Während führende Manager des Klubs, darunter Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, öffentlich noch zu ihm halten, regt sich im Aufsichtsrat Widerstand. Wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfuhr, wollen wichtige Vertreter des Gremiums aus Wirtschaftskonzernen dem 61-Jährigen bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der FC Bayern München AG nahelegen, seine Ämter bis zur Klärung der Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung ruhen zu lassen.

„Das wäre doch eine elegante Lösung“, heißt es in den Kreisen. Der Vertraute eines weiteren Kontrolleurs sagt: „Ich habe von dem Plan gehört.“ Komme es zur Anklage, sei Hoeneß ohnehin nicht zu halten.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Eine abschließende Meinungsbildung gibt es offenbar noch nicht. Neben Rummenigge sprachen sich auch andere Funktionäre für einen Verbleib von Hoeneß aus. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident. Im Aufsichtsrat sitzen hauptsächlich Vertreter wichtiger Sponsoren und Anteilseigner wie Adidas-Chef Herbert Hainer, der künftige Telekom-Chef Timotheus Höttges, VW-Boss Martin Winterkorn und Audi-Chef Rupert Stadler. Die Autobosse wollten auf der VW-Hauptversammlung am gestrigen Donnerstag keinerlei Kommentar zu Hoeneß abgeben.

Der Widerstand gegen Hoeneß aus Kreisen der Konzerne verwundert nicht. Die Manager sind strenge Compliance-Richtlinien gewohnt und müssen ihren Anteilseignern Rechenschaft ablegen.

Drahteln zum Diktat

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Drahteln zum Diktat: Hoeneß über sein Geld: "Ich brauche keine Berater"

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Von

jojo

Kommentare (43)

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Glaubemir

26.04.2013, 10:16 Uhr

Hoeneß hätte sich sicher selbst einen Gefallen getan, wenn
er von sich aus seine Ämter bei Bayer bis zum Abschluss des Steuerverfahrens hätte ruhen lassen. Eine entsprechende
Abstimmung im Aufsichtsrat darüber ist doch nur zusätzlich
peinlich.

Account gelöscht!

26.04.2013, 10:24 Uhr

Welche juristischen Maßnahmen braucht man denn noch, um einen mutmaßlichen Steuerkriminellen zu feuern. Dem Mann wurde doch schon ein Haftbefehl zugestellt mit Meldeauflagen.

Oder vertraut man dem bayrischen Amigo-System und erwartet einen Freispruch gegen Zahlung von ein paar Millionen.

Lasst doch den Uli sich zukünftig um seinen Wurstladen kümmern.
Als Vorbild und Law und Order Mann ist er eh nicht mehr zu gebrauchen.

BeHonest

26.04.2013, 10:43 Uhr

So ein Quatsch Uli Hoeneß ist der Fc Bayern München in einer Person geballt. Herr Hoeneß hat bei seinen Transaktionen, so wie es jedem der bei seinen ersten Spekulationen sehr hohe Gewinne einfährt passiert, den Überblick verloren. Es handelt sich hier um eine Steuerschuld aus Kapitalerträgen von Spekulationen und nicht um systematisches Abschöpfen von Gewinnen bzw. Verschleierung von Umsätzen wie es in der "korruptionsfreien" deutschen Wirtschaft gang und gebe ist. Man sollte diesen Mann nicht dazu drängen, sein Lebenswerk aufzugeben, sondern den privat Mann Hoeneß und den Anleger Hoeneß trennen. Des Weiteren sollte man bedenken, dass ein Herr Zumwinkel, welcher sich nicht selbstangezeigt hat mit einer Bewährungsstrafe davon kam.

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