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04.06.2013

12:56 Uhr

Vorwurf des Kreditbetrugs

Ex-Porsche-Vorstand zu Geldstrafe verurteilt

Holger Härter, Ex-Vorstand des Autoherstellers Porsche, ist zu einer Geldstrafe wegen Kreditbetrugs verurteilt worden. Das Kapitel in der Geschichte zur VW-Porsche-Übernahmeschlacht ist damit aber nicht beendet.

Manager Holger Härter beim Prozessauftakt im September. dpa

Manager Holger Härter beim Prozessauftakt im September.

StuttgartAm Montag hatte Holger Härter in seinem letzten Wort als Angeklagter vor dem Landgericht Stuttgart gesagt, etwas anderes als einen Freispruch würde er „nicht verstehen“. Die Richter des Stuttgarter Landgerichts haben dem ehemaligen Vorstand des Sportwagenbauers Porsche am Dienstag etwas zum Grübeln mit auf den Weg gegeben. Sie verurteilten ihn nach neunmonatiger Verhandlung zu einer Geldstrafe in Höhe von 630.000 Euro (180 Tagessätze à 3500 Euro). Eine weitere Verhandlung gilt aber als gesetzt.

Nach der Urteilsverkündung erklärte Härter, die Begründung enthalte viele Fehler. Er werde Revision einlegen. „Und wir sind zuversichtlich, dass wir die Revision gewinnen.“ Auch ein mitangeklagter Manager bekam eine Geldstrafe.

Härter habe bei Kreditverhandlungen mit der französischen Bank BNP Paribas 2009 unvollständige und unrichtige Angaben gemacht, erklärte Richter Roderich Martis am Dienstag in Stuttgart. Im Zuge der Übernahmeschlacht zwischen der Porsche-Dachgesellschaft und Volkswagen ging es um die Anschlussfinanzierung eines 10-Milliarden-Euro-Kredits, an der die französische Bank BNP Paribas beteiligt war. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung von einem Jahr für Härter gefordert, die bei einer Bewährungsauflage von einer Million Euro zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe ausgesetzt werden könne.

Die Übernahmeschlacht von VW und Porsche

September 2005

Porsche kündigt an, beim weitaus größeren VW-Konzern einsteigen zu wollen. Zunächst ist von rund 20 Prozent der Aktien die Rede, im Laufe des Jahres 2006 wird der Anteil aufgestockt. Porsche will Zugriff auf die Kasse von VW und die Entwicklungsleistungen bekommen.

August 2006

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking spricht sich dafür aus, das VW-Gesetz zu kippen. Dieses räumt Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile besitzt, eine Sperrminorität ein. Bei den VW-Beschäftigten, die Porsches Einstieg zunächst begrüßt hatten, stößt Wiedeking auf Ablehnung.

April 2007

Porsche überspringt bei VW die Hürde von 30 Prozent und legt ein Pflichtangebot vor, das auf wenig Resonanz stößt.

März 2008

Der Porsche-Aufsichtsrat gibt grünes Licht, den VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent aufzustocken und damit Europas größten Autobauer zu einer Tochter von Porsche zu machen. Die Absicht zur Beherrschung dementiert Porsche.

Mai 2008

Nach jahrelangem Streit mit der EU bringt die Bundesregierung ein neues VW-Gesetz auf den Weg, das Einwände der EU ausräumen soll. Niedersachsen erhält jedoch weiter ein Vetorecht, zudem kann die Arbeitnehmerseite Entscheidungen über Werksstandorte blockieren. Der Streit dauert an.

Oktober 2008

Der Paukenschlag: Porsche teilt mit, sich über Aktien und Optionen 74 Prozent der VW-Anteile gesichert zu haben. Ein Beherrschungsvertrag wird für 2009 angekündigt. Die VW-Aktie schießt auf mehr 1000 Euro hoch: Hedge-Fonds, die beim Handel mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, müssen die Papiere nun um jeden Preis zurückkaufen und setzen dabei mehrere Milliarden Euro in den Sand.

Januar 2009

Mit 50,76 Prozent der Anteile hat Porsche die Mehrheit an VW. Den Kauf dieser Anteile hat die Stuttgarter 23 Milliarden Euro gekostet.

April 2009

Wegen seiner Schuldenlast muss Porsche um die VW-Übernahme bangen. Für die Nettoschulden von fast zehn Milliarden Euro werden hohe Zinsen fällig, die Autokrise sorgt für Druck.

Mai 2009

Die Porsche-Eigentümerfamilien Piech und Porsche sind zerstritten, Porsche-Chef Wiedeking sucht mit dem Emirat Katar einen Verbündeten, der später tatsächlich Stammaktien übernimmt und frisches Geld zuschießt.

Juni 2009

Porsche scheitert mit einem Antrag bei der Staatsbank KfW auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro.

Juli 2009

Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum 23. Juli setzt der Aufsichtsrat von Porsche Firmenboss Wiedeking und Finanzchef Holger Härter vor die Tür. Die Porsche Holding soll mit einer Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro am Leben erhalten werden, VW schießt mit der Übernahme von knapp der Hälfte des Fahrzeuggeschäfts frisches Geld zu. Ein Fusionsfahrplan wird ausgearbeitet: Bis Ende 2011 wollen beide Konzerne per Aktientausch mit einander verschmelzen.

September 2009

Die Staatsanwaltschaft nimmt Ex-Porsche-Chef Wiedeking und Finanzchef Härter ins Visier: Sie sollen den Börsenhandel mit gezielten Falschinformationen manipuliert haben. Die Ermittlungen sind Anlass für zahlreiche Investoren in Deutschland und den USA, milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche anzustrengen.

Dezember 2009

VW erhöht das Kapital für die Übernahme von gut der Hälfte der Porsche AG. Die Vorzugsaktionäre laufen Sturm, können sich aber nicht durchsetzen. Porsche verliert damit die alleinige Kontrolle über das lukrative Fahrzeuggeschäft.

November 2010

Porsche beschließt die bereits 2009 anvisierte Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro, um die Schulden zu reduzieren und damit eine Voraussetzung für Fusion mit VW zu schaffen, bei der mit einer Steuerlast von gut einer Milliarde Euro gerechnet wird.

September 2011

VW begräbt die Fusionspläne, da den Wolfsburgern das finanzielle Risiko der vielen Schadenersatzklagen gegen die Porsche Holding zu hoch erscheint. Als Plan B verfolgen die Unternehmen nun die bereits 2009 verabredete Alternative, dass Porsche sich in eine Holding ohne operatives Geschäft umwandelt und die Fahrzeug-Entwicklung und Produktion ganz in die Hände von VW legt. Erstmals wäre diese Transaktion, die die Holding ebenfalls entschulden würde, ab Ende 2012 möglich. Allerdings drohen bis Mitte 2014 Steuerzahlungen.

November 2011

VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch lotet Alternativen für einen Schulterschluss mit Porsche aus und sucht nach Möglichkeiten, die Steuerlast zu drücken.

Februar 2012

Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsrat Piëch hat einem Urteil des OLG Stuttgart zufolge bei den umstrittenen VW-Optionsgeschäften von Porsche gegen seine "Kardinalpflichten" als Mitglied des Aufsichtsrats des Autobauers verstoßen. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte verschafft und sei auch nicht gegen die milliardenschweren Geschäfte, die die Porsche Holding im Zuge der Finanzkrise 2009 an den Rand des Ruins brachten, eingeschritten.

März 2012

VW-Finanzvorstand Pötsch dämpft die Erwartungen auf eine schnelle Integration mit Porsche. Die Experten steckten noch mitten in der Prüfung, wie sich ein Zusammenschluss schnell und günstig realisieren lasse. Garantiert steuerfrei wäre die Übernahme erst ab August 2014.

Juni 2012

VW und Porsche entdecken ein Schlupfloch in der Besteuerung von Unternehmenszusammenschlüssen, durch das sie Porsche übernehmen können, ohne Steuern in Milliardenhöhe zu zahlen. Nun soll das Zusammengehen so schnell wie möglich realisiert werden. Porsche erringt vor Gericht einen Etappensieg gegen zwei auf millionenschweren Schadenersatz klagende Anteilseigner. Der Richter konstatiert "hohe Hürden" für den Vorwurf, Porsche habe die Anleger über die Absicht zur Beherrschung von VW im Jahr 2008 getäuscht.

Juli 2012

VW und Porsche kündigen überraschend an, schon zum 1. August zusammenzugehen. Die Porsche Holding bekommt rund 4,5 Milliarden Euro und eine VW-Stammaktie, damit geht der fast Fiskus leer aus.

Härter sagte im Verfahren, er habe Anfang 2009 in den Verhandlungen über die Verlängerung des Milliardenkredits entgegen der Meinung der Anklage alle Anfragen der Bank „mit bestem Wissen und Gewissen“ richtig beantwortet und würde „nochmals gleich antworten“. Die beiden Angeklagten sollen laut Anklage den Liquiditätsbedarf, der sich bei der Ausübung der von Porsche gehaltenen Kaufoptionen auf VW-Stammaktien ergeben hätte, mit 4,1 Milliarden Euro um etwa 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben haben.

Zudem sind die Strafverfolger überzeugt, dass die beiden Angeklagten rund 45 Millionen von Porsche veräußerte Verkaufsoptionen auf VW-Stammaktien verschwiegen und die Bank damit ebenfalls falsch über das Kreditrisiko informierten. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.

Kommentare (4)

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Hagbard_Celine

04.06.2013, 12:04 Uhr

Die BNP ist nichts weiter als eine Fassade für die Geschichte.
Drahtzieher dieses "Verfahrens" sind letztlich Hedgefonds die eine Verurteilung Härters später als "Verhandlungsmasse" in einem "Vergleich" mit der Porsche Holding benutzen wollen um dieser eine Unsumme abzupressen.
easy money...
Keiner der Bankster hat auch nur einen Klaps auf den Popo bekommen aber mit einem Manager eines der erfolgreichsten Unternehmen Europas wird aus niedrigen Beweggründen ein Schauprozess veranstaltet.
Das ist so pervers wie der Fall Gustl Mollath.

kreditkrull

04.06.2013, 12:28 Uhr

nö,härter hat agiert wie mollaths ehefrau mit lug und trug und das vorsätzlich

ein justizopfer is er nicht .eher ein opfer seiner großmannsucht und seines unvorsichtigen agierens.

im übrigen is der deal grandios gescheitert,weil die masters of univers nicht zur realistischen lageeinschätzung fähig waren

SenecAAA

04.06.2013, 16:16 Uhr

Laut FAZ ("net purchase Price post collateral" vs "cash auf te täsch") ein Willkür-Urteil. Botschaft: Niemand legt sich ungestraft mit der Finanz-Welt an und darf auf eine gerechte Justiz hoffen !

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