Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2012

13:50 Uhr

Wachstumsbremse

Die Zeitarbeitsbranche zittert vor Equal Pay

VonMarkus Fasse

Der Boom in der Zeitarbeitsbranche ist vorerst gestoppt. 2012 flacht das Wachstum deutlich ab. Gleichzeitig suchen die Personaldienstleister Tausende Fachkräfte - und müssen sich ganz nebenbei neu erfinden.

Zeitarbeiter sollen genauso viel Geld erhalten wie Stammkräfte. dpa

Zeitarbeiter sollen genauso viel Geld erhalten wie Stammkräfte.

MünchenDie führenden Personaldienstleister in Deutschland müssen sich auf deutlich schwächeres Wachstum einstellen. Nachdem der Markt für Zeitarbeit im vergangenen Jahr um 17,5 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro gewachsen ist, rechnet die Marktforschungsagentur Lünendonk für dieses Jahr nur noch mit einem Zuwachs von 11,4 Prozent. Zum einen klagen die Zeitarbeitsunternehmen über Fachkräftemangel, zum anderen lastet auf der Branche die Unsicherheit über den Ausgang der Tarifverhandlungen. "Unsere Kunden zögern mit Aufträgen, obwohl ihre Auftragsbücher voll sind", sagt Jan Ole Schneider vom Marktführer Randstad.

Seit Monaten verhandelt die Branche mit den Gewerkschaften über die sogenannte Equal-Pay-Regelung. Demnach sollen Zeitarbeiter genauso viel Geld erhalten wie Stammkräfte. Neben den Gewerkschaften drängt vor allem die Bundesregierung auf eine Lösung, sie will Lohndumping verhindern. Die Branche ist zwiegespalten: Einerseits sind die großen Anbieter daran interessiert, das Image der Personaldienstleister zu verbessern. Andererseits fürchten sie, ein Teil des Markts könnte wegen der Kostensteigerung wegbrechen.

"Wenn das Instrument Zeitarbeit gestoppt wird, dann wandern Teile der Industrie ins Ausland", warnt Andreas Dinges, Deutschland-Chef von Adecco. "Wir müssen auch für einfach qualifizierte Tätigkeiten weiterhin attraktiv bleiben. Equal Pay gefährdet dieses Segment", sagt Randstad-Manager Schneider. Denn von der Anhebung der Löhne auf das Niveau der Branchen Metall oder Chemie wären vor allem die unteren Lohngruppen der Zeitarbeit betroffen. Derzeit liegt der Einstiegstarif für Zeitarbeit bei 7,79 Euro im Westen - und der gilt im Westen für 44 Prozent der Beschäftigten, im Osten wird noch weniger gezahlt.

"Equal Pay" auf das Niveau der Industriegewerkschaften würde Aufschläge von bis zu 30 Prozent bedeuten. "Ein generelles Equal-Pay werden sich nicht alle Branchen und einzelne Kunden leisten können", warnt Stefan Polak von der Job AG.

Kommentare (32)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

obsoleszenz

02.06.2012, 18:14 Uhr

Mit der "Legalisierung" der Zeitarbeit vor über 15 Jahren wurde der Niedriglohnpolitik und dem Lohndumping Tür und Tor geöffnet.
Zeitarbeitsfirmen schöpfen im Grunde nur den Teil des Gehalts ab, der einem Arbeiter ohnehin zusteht.
Wie Parasiten saugen sie permanent den deutschen Mittelstand aus. 30 Prozent höhere Löhne ist absolut fair. Parallel sinken natürlich die Gewinne der Zeitarbeitsfirmen und "normale" Personaler müssen wieder Personalgespräche führen, normal Arbeiten anstatt per Telefon mal schnell 10 Arbeiter, für den niedrigsten Preis für 2 Monate zu ordern...
Ich persönlich fordere 50% Preisaufschlag auf die Zeitarbeitslöhne!!!
Das ist fair und gerecht!

Riedl

02.06.2012, 18:44 Uhr

Hallo Zusammen,

wenn Herr Dinges Angst vor Abwanderung ins Ausland hat, dann hat er vergessen, dass 1) inzwischen im Ausland teilweise besser bezahlt wird als in Deutschland und 2)
Dienstleistungen nicht im ausland erbracht werden können.

Wenn solche Arbeitsplätze ins Ausland gehen, dann wird wenigsten den Parasiten der Zeitarbeitsfirmen die Existenz entzogen.

Zeitarbeit funktioniert relativ einfach: 20% weniger Lohn,
keine Fahrtkosten oder sonstige tarifliche Sozialleistungen,
sowie 10% Aufschlag an die Auftraggeber für die Übernahme des Risikos. Eine echte Sauerei wenn in einem modernen Land
wie Deutschland so etwas zulässig ist.

Gruss

Rudolf

skl

02.06.2012, 18:56 Uhr

Jetzt wissen wir auch woher der Fachkraeftemangel kommt! Diese Schmarotzer mit ihrem Niedriglohngeschaeftsmodell suchen immer sehr billige Fachkraefte. Wie waer es, wenn auch Politiker und Beamte in Zeitarbeit beschaeftigt wuerden? Das waere bestimmt guenstiger als die derzeitigen Vollzeitstellen mit Rundumversorgung und Pensionsanspruechen! Zudem werden dann die notwendigen Pensionsrueckstellungen geringer analog zu den angeblich "unseren" Rentenkassen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×