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17.01.2005

07:00 Uhr

Während die Szene trauert, hat die Polizei den Mörder von Rudolph Moshammer festgenommen

Der König ist tot

VonInge Hufschlag (Handelsblatt)

Wenn der König stirbt, dann leuchtet München nimmer so wie immer. Das war 1886 beim Tode vom „Kini“ Ludwig II. so, wie der König im Volksmund genannt wurde. Und nun ist’s wieder so, nachdem Mosi nicht mehr ist. Rudolph Moshammer hatte sich selbst besungen im Schlagerwettbewerb „Grand Prix d’Eurovision de la Chanson“: „Hier spricht der König der Welt.“

Rudolph Moshammer wurde ermordet. Foto: dpa

Rudolph Moshammer wurde ermordet. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Sein Lebenslicht ist in der Nacht zum vergangenen Freitag erloschen. Mit einem Telefonkabel um den Hals war Moshammer am Freitagmorgen tot in seiner Grünwalder Villa gefunden worden. Am Wochenende nahm die Polizei den 25-jährigen Iraker Herisch A. fest. „Nach mehrstündigen Vernehmungen hat er vor den Kollegen der Mordkommission ein Geständnis abgelegt“, erklärte der Leiter der Sonderkommission, Harald Pickert, am Sonntag. Als Motiv gab die Polizei Heimtücke und Habgier an. Der Verdächtige habe hohe Spielschulden.

Laut Pickert war der Iraker am Donnerstagabend in der Nähe des Münchener Hauptbahnhofs in den Rolls-Royce des Modeschöpfers gestiegen und zu dessen Haus gefahren. Für sexuelle Handlungen sei nach Angaben des Festgenommenen ein Betrag von 2000 Euro ausgemacht worden, die der 64-jährige Moshammer nicht bezahlt habe. Darüber sei es zum Streit gekommen. „In diesem Streit hat der Tatverdächtige Herrn Moshammer ein Kabel um den Hals geschlungen und ihn erdrosselt“, sagte Pickert. Da die Leiche keine Abwehrkampfspuren aufweise, müsse die Tat blitzschnell begangen worden sein.

„Schrecklich, das hat er nicht verdient. Noch im Sommer haben wir bei einer Feier in Berlin zusammengesessen“, erinnert sich der Düsseldorfer Modehändler Albert Eickhoff an die schillernde Figur der Münchener Schickeria. Der Berliner Prominentenfriseur Udo Walz reagiert „entsetzt und sprachlos“ auf den Tod seines Freundes: „Moshammer hat viel Gutes getan. Anonym hat er vielen Menschen geholfen.“ Was nicht anonym blieb. Dafür sorgte nicht zuletzt der Helfer selbst, wenn er über seine Gaben an die Münchener Obdachlosen berichtete: „Die polieren aus Dankbarkeit mit dem Ärmel meine Emily“. Eine seiner Emilys. Moshammer besaß mehrere Rolls-Royce in unterschiedlichen Farben.

Der frühere Boss-Chef Werner Baldessarini spricht aus, an was viele spontan bei der Todesnachricht dachten: „Die Wiederholung des Falls Walter Sedlmayr“, der 1990 ermordet wurde. Die Täter wurden damals im unmittelbaren Umfeld des ebenfalls homosexuellen Volksschauspielers gesucht und gefunden.

Von Moshammer war offiziell immer nur bekannt, dass er eng mit seiner „Mama Else“ zusammenlebte. Nach deren Tod wurde er regelmäßig eigentlich nur noch mit seinem Yorkshireterrier Daisy gesehen. Die Hundedame war das blond gesträhnte Pendant zu seinem eigenen schwarzmoppigen Schopf. Wenn das Hündchen mit seiner kaputten, mit Platin geschienten Pfote nicht über seinem Arm hing, residierte es in einer Art maßgeschneidertem Taschenberg-Palais von Louis Vuitton. Seit dem Wochenende kümmert sich Moshammers Fahrer um das Tier.

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