Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2011

10:00 Uhr

Waffenhandel

Wenn die Realität Hollywood übertrifft

VonRegina Krieger

Eine TV-Dokumentation über den russischen Waffenhändler Viktor Bout zeigt das geheime Leben des „Händlers des Todes“. Der Film zeigt exklusive Bilder aus Buts Privatarchiv und Interviews mit Angehörigen, ehemaligen Bodyguards und Ermittlungsbeamten. Die Dokumentation kann die skrupellosen Deals der Realität aber nicht mehr überbieten.

Viktor Bouts Machenschaften dienten als Vorlage. dpa

Viktor Bouts Machenschaften dienten als Vorlage.

DÜSSELDORF. Mit dem Rücken zur Kamera steht Nicolas Cage auf einem Platz in einem afrikanischen Dorf. Der Boden ist mit Patronenhülsen übersät. Er dreht sich langsam um und sagt, dass jeder zwölfte Mensch auf der Welt eine Schusswaffe habe. Dann ein Zug aus der Zigarette und er fährt fort: "Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf?"

Der US-Schauspieler Nicolas Cage spielt in dem Film "Händler des Todes" den russischen Waffenhändler Jurij Orlov, der sich nach dem Ende des Kalten Kriegs mit Beständen aus der Sowjetarmee eindeckt und florierende Geschäfte mit afrikanischen Diktatoren, levantinischen Machthabern und kolumbianischen Drogenbossen macht.

Einen solchen Waffenhändler gibt es wirklich, und er hat Regisseur Andrew Niccol zu der Figur des Jurij Orlov inspiriert. Doch in diesem Fall schlägt die Realität die Fiktion um Längen. Die Geheimnisse des russischen Waffenhändlers Viktor But brauchen eigentlich keine Hollywood-Adaption. Seine Geschichte, die erst langsam publik wird, offenbart eine Welt der skrupellosen Deals mit Kriegsparteien auf der ganzen Welt.

Karin Assmann und Anna Sadovdikova haben für das Spiegel-TV-Magazin tief gegraben und für ihre spannende Dokumentation über But neues Material gefunden. Lange gab es nur zwei alte Bilder von ihm. Die Redakteurinnen zeigen nun exklusiv Bilder aus Buts Privatarchiv und haben mit Angehörigen, ehemaligen Bodyguards und Ermittlungsbeamten gesprochen.

Sie erzählen die Geschichte eines 44-jährigen, korpulenten Mannes mit Schnauzbart, der sechs Sprachen spricht: von seinen militärischen Anfängen auf einer Kaderschule in Moskau über erste Einsätze in Mosambik bis zur Selbstständigkeit nach dem Ende der Sowjetunion 1991. Er kauft ausrangierte Antonovs und Iljuschins, heuert ehemalige Piloten der Roten Armee an, organisiert Transportflüge und steigt groß ins Waffengeschäft ein.

Beinahe komisch wirkt ein Interview mit Ehefrau Alla, Designerin in Moskau. Von Waffen könne überhaupt nicht die Rede sein, ihr Mann sei Spediteur, sagt sie mit großen Augen. Im Februar 2008 enden die lukrativen Geschäfte mit Figuren wie Charles Taylor in Liberia: Beamte der US-Drogenfahndungsbehörde DEA, die sich als interessierte Kunden aus Kolumbien geben, überführen ihn in Bangkok mitten im Waffendeal.

Im November 2010 wird er in die USA ausgeliefert, im September soll in Manhattan der Prozess beginnen. Die Anklagepunkte: Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, Geldwäsche und Verschwörung zum Mord an US-Bürgern.

Er selbst hält alles für eine Farce. Der Prozess wird vermutlich noch mehr Details öffentlich machen als die Fernsehdokumentation. Da könnte auch zur Sprache kommen, was die Autorinnen ansprechen: Viktor But wollte nach dem 11.September 2001 mit den Amerikanern ins Geschäft kommen und Waffen und Know-how für den Afghanistan-Krieg anbieten. Ob der Deal geklappt hat, ist unklar. Das wäre dann wieder ein Stoff für Hollywood.

Der Film über den „Händler des Todes“ läuft am Sonntag, 30. Januar, um 22.15 Uhr im Spiegel-TV-Magazin bei RTL.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

norbert

30.01.2011, 12:48 Uhr

but ist einer von vielen !
Und deutsche Vermittler mischen da auch mit. Und die deutschen Firmen freuen sich über Exporte.

peter.pan

30.01.2011, 19:44 Uhr

So lange Regierungen der ganzen Welt den Export von Kriegswaffen aller Art in Krisenregionen und an Diktaturen als "Arbeitsplatzsicherung" ihrer Länder deklarieren und ihre eigene bevölkerung über die Adressaten im Unklaren lassen können, so lange wird das grausame Geschäft weitergehen! Wir Deutschen haben da ein gespaltenes Gewissen. Nach innen ein rigoroses Waffengesetz gegen legale und staatstreue Waffenbesitzer, nach außen einer der größten Kriegswaffenlieferanten! Da kommt man doch ins Grübeln! bei den Summen spielt wohl das Gewissen aller Politiker falsch, Hauptsache, Export! Das nenne ich beihilfe zum Völkermord! Wer klagt an?

Worldwatch

31.01.2011, 08:15 Uhr

"Waffenhandel". Eines der lukrativsten und aeltsten Geschaefte der Welt. Und wo eine "Nachfrage" besteht, wird ein "Angebot" geschaffen.
Teils "legal", teils im "Graubereich", teils "illegal".
Dabei sind die "" sehr entscheidend.

Typen wie V.butt decken den "Nachfragebereich" ab, der vorgebl. "legal" am "Markt" nicht gedeckt werden kann oder darf. Dabei ist schon der sog. "legale Waffenhandel" zwischen "ehrlich-aufrechten Laendern und Regierunggeschaeftspartnern" an absurder Zweifelhaftigkeit und fragwuerdigen Rechtfertigungsversuchen reich.

Und Typen wie V.butt sind die Lueckenfueller fuer die "voellig zweifelhaften", bis nur noch "rechtswidrigeren Nachfragen" am "Markt" zustaendig, da solche "dealer" nicht nachfragen "wofuer und warum".
Das "Angebot" ist voellig frei von rechtl.-politischen interessenkonflikten, und nur dem "Markt" sowie der "betriebswirtschaftlichen Gewinnmaximierung" unterworfen.

Rein kapitalistisch betrachtet, machen Menschen wie V.butt ganz hervorragende mikro- wie makrooekonomische Arbeit. Nur, voellig gewissenlos.

Aber, was unterscheidet Typen wie ihn von "sauber arbeitenden" Finanzmegavernichtern, die Mrd.Menschen weltweit in d.Existenzruin reissen, respektive umgekehrt mortale Gier generieren, oder die von Ressourcenspekulanten, die u.a. Hungersnoete und Fluchtstroeme hervorrufen, die sodann ueberhaupt erst zu "Nachfragen" v. "Produkten" i.S.d. V.butt fuehren?

Was Typen wie V.butt illegal tun, ist verwerflich, grausam, ohne jewede Rechtfertigung. Aber die "legale" Scheinheiligkeit von vorgeblich "rechtmaessigen Nachfragedeckungen" der groessten Waffenhaendler der Welt (ohne diese Staaten hier nennen zu muessen), und die sich dazu auch noch durch ihr Tun, Dulden und Unterlassen in den Dienst dieser "Nachfrage-Angebots-Kreation" stellen, die koennen nicht, wie ein Gangster butt, vor Gericht gestellt werden. Denn diese "Anbieter" sind "selbstexkulpiert", "unantastbar". Nur die Auswirkungen ihres "Geschaeftsgebahrens" nicht selten denen der "butt's" zu aehnlich.

Welch Scheinheiligkeit! insb. von einem Staat, der wohl noch immer zur "A-No.One" Nation im internationalen wie nationalen Waffenhandel zaehlt. Freilich, und anders als Gangstertypen wie V.butt, "ueber jeden Mob-Zweifel erhaben".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×