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13.01.2009

16:02 Uhr

Wall Street

Der erfolgreiche Aufräumer

VonNicole Bastian

Die erwartete Zusammenlegung des Brokergeschäfts von Citigroup und Morgan Stanley könnte für ihn die ganz große Chance sein: James Gorman könnte Herr über die größte Brokerschar der Welt werden - und sich so als Chef für Morgan Stanley empfehlen.

James Gorman gilt als Kandidat für den Chefsessel bei Morgan Stanley. Foto: AP ap

James Gorman gilt als Kandidat für den Chefsessel bei Morgan Stanley. Foto: AP

FRANKFURT. Die erwartete Zusammenlegung des Brokergeschäfts von Citigroup und Morgan Stanley könnte für ihn die ganz große Chance sein. Wenn James Gorman - wie an der Wall Street gemunkelt wird - an die Spitze des mit 22 000 Brokern dann größten Wertpapierberaters der Welt rückt, ist das die beste Ausgangsposition, um von da aus die Nachfolge von Morgan Stanley Chef John Mack anzutreten. Mack ist 64 Jahre. Sein Vertrag läuft im kommenden Jahr aus.

Gorman gilt seit Jahren als einer der heißen Kandidaten für den Spitzenposten der Investmentbank. Schon als 2005 bekannt wurde, dass er das Privatkundengeschäft von Morgan Stanley sanieren sollte, sahen ihn Finanzkreise als Anwärter. Mit ähnlichen Rezepten wie zuvor schon im Privatkundengeschäft von Merrill Lynch senkte Gorman die Zahl der Wertpapierberater, stellte Topleute von der Konkurrenz ein, erweiterte die Produktpalette und konzentrierte die Beratungsleistung auf reichere Kunden. Das war ein Kulturbruch. Denn das Chicagoer Wertpapierhaus Dean Witter, dessen Übernahme 1997 den Kern der Geschäftssparte bei Morgan Stanley bildete, hatte sich traditionell auf Mittelstandskunden konzentriert und so von den Konkurrenten Merrill Lynch und Smith Barney abgegrenzt.

Heute ist das Privatkundengeschäft bei Morgan Stanley ein Wachstumszweig und rühmt sich in den ersten neun Monaten des schweren Jahres 2008 hoher Zuflüsse von Kundengeldern. Gorman, der in der kleinen Welt der Wall Street als distanziert gilt und das "James" dem familiäreren "Jim" vorzieht, wurde dafür mit dem Posten des Co-Präsidenten belohnt. Jetzt folgt die nächste Stufe der Karriereleiter: Chef des Joint Ventures von Morgan Stanley und Citigroup, an dem Gormans Arbeitgeber die Mehrheit halten soll. Damit würde die Bank of America mit Tochter Merrill Lynch auf Platz zwei verdrängt.

Der kühle Australier Gorman gilt als zielorientiert und gerade heraus. Als er vor gut zwei Jahren öffentlich erzählte, viele der weniger guten Broker telefonierten lediglich Telefonlisten ab, um ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen, sorgte er für Wirbel in der Branche. Und die 500 Broker, die unter ihm gehen mussten, bezeichnete er in einem Interview als "Leute, die einfach nicht wirklich die Hoffnung hatten, in diesem anspruchsvollen Geschäft erfolgreich zu sein".

Einige mögen diese Direktheit des Anfang 50jährigen. Andere empfinden ihn als "abrupt und kalt". Unter Wertpapierhändlern ist er wegen seiner Ansprüche und Strategien nicht überall beliebt. Dass Kunden mit weniger als 50 000 Dollar Anlagevermögen bei Merrill Lynch auf seine Anweisung hin nur noch telefonische Beratung erhielten, kritisierten einige Wertpapierhändler als fern der Realität.

Und auch nach einem Jahrzehnt bei zwei der angesehensten Adressen der Wall Street heißt es mitunter immer noch, der Jurist sei "von außen", von der Unternehmensberatung McKinsey, auf seinen Führungsposten gekommen, statt sich aus dem Beraterheer hoch zu dienen. Dabei hat sich Gorman dem Duktus der Wall Street schon längst angepasst. Auf die eher philosophische Frage, was Erfolg für ihn bedeute, antwortete er vor anderthalb Jahren in einem Interview ganz wie ein Aufräumer: "Erfolg ist für mich, jahrein, jahraus eine Marge von 20 Prozent zu generieren, auch wenn dass heißt, dass man das Geschäft verkleinern muss, um dahin zu gelangen."

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