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18.01.2007

07:00 Uhr

Walter de Silva

Aus Liebe zum Automobil

VonMartin W. Buchenau

Der bisherige Audi-Designer Walter de Silva entscheidet künftig über die Linienführung im gesamten VW-Konzern. Er folgt seinem Chef Martin Winterkorn nach Wolfsburg. Dort wird gerade fleißig umgebaut – und de Silva muss sich auf einige Änderungen einstellen.

Walter de Silva ist auf dem Weg nach Wolfsburg.

Walter de Silva ist auf dem Weg nach Wolfsburg.

INGOLSTADT. Im lauten Getümmel der Detroiter Automesse fällt der Mann kaum auf. Wenn die Autochefs stolz ihre neuen Modelle präsentieren, stützen sie sich schon mal kräftig auf einen Kotflügel und lächeln breit in die Kameraobjektive. Gerne werden auch die verantwortlichen Designer mit auf die Bühne gezogen. Das gehört dazu. Doch solche Auftritte sind nicht die Welt von Walter Maria de Silva.

In Zukunft wird sich der 55-jährige Chefdesigner von Audi aber daran gewöhnen müssen, häufiger als bislang im Rampenlicht zu stehen. Der Konzernumbau seines bisherigen Chefs in Ingolstadt und zugleich neuen VW-Konzernchefs Martin Winterkorn, wird auch ihn weiter nach oben spülen, ebenso wie viele andere aus dem Audi-Clan.

Noch ist die Personalie nicht offiziell. Aber de Silva werde bereits Anfang Februar in Wolfsburg als neuer Chefdesigner des Konzerns und Nachfolger von Murat Günak auflaufen, heißt es in Konzernkreisen. Winterkorn erwartet von de Silva vor allem mehr Emotionalität für die Kernmarke VW.

Die bringt er auf jeden Fall mit. Der Markenslogan „Aus Liebe zum Automobil“ könnte für ihn erfunden worden sein. Denn wenn sich de Silva einem Auto nähert, tut er das fast zärtlich. Er hält Abstand, als ob er die Intimssphäre des Objekts nicht stören wolle, schaut längs über die Kanten und Fluchten, wechselt die Perspektiven, achtet auf das Licht. Fast wie ein Maler studiert er sein Modell.

De Silva ist ein Star in der Branche, aber ein stiller. Er liebt es schnörkellos – ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen beim bayerischen Konkurrenten BMW, zu dessen Stand es ihn auch in Detroit hinzieht. Chris Bangle, Chefdesigner bei den Münchenern, kennt er aus gemeinsamen Tagen beim Fiat-Konzern. Dessen unkonventionellen Stil mit konkaven Formen setzt de Silva eine ruhige Linienführung entgegen. Seiner gewagten Formensprache setzt er Ruhe entgegen. „Eine gekrümmte Linie ist eine Geschichte – eine Novelle, eine Romanze“, sagt er in ruhigem Ton. Damit muss man behutsam umgehen, ist seine Botschaft.

Viele zweifelten vor fünf Jahren, ob seine mediterrane Emotionalität mit der kühlen Ingenieursdenke der Ingolstädter harmonieren würde. Aber de Silva hat es geschafft, selbst den nüchternen Audi-Chef Winterkorn zu einem glühenden Verehrer zu machen. „De Silva hat Audi mehr sportliche Eleganz eingehaucht“, loben denn auch Analysten.

De Silva ist kein Mann der Worte. Wenn er etwas erklären will, sehnsüchtig durch seine randlose Brille schaut und die schlanken Finger langsam unruhig werden, dann wissen seine engsten Mitarbeiter schon Be-scheid: Der Chef braucht Papier und am besten gleich mehrere Stifte. „Ich zeichne, seit ich denken kann. Damit kann ich mich am besten ausdrücken. Dann bin ich glücklich – das war schon immer so“, sagt der Norditaliener, der zwar etwas Deutsch versteht, aber mit seinen Mitarbeitern Englisch spricht.

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