Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2016

06:43 Uhr

Was Chefs nervt

Nase voll von faulen Mitarbeitern

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Faule Kollegen, viel Arbeit und wenig Geld machen den Arbeitsalltag zur Hölle. Und dann erst der Chef! Hat immer was zu meckern und von nichts Ahnung. Sagen Angestellte. Zeit, die Führungskräfte zu Wort kommen zu lassen.

Kleines Nickerchen in der Konferenz. Getty Images

Kann der Chef gar nicht leiden

Kleines Nickerchen in der Konferenz.

Die Deutschen sind unzufrieden mit ihren Jobs, in vielerlei Hinsicht. 67,1 Prozent beklagen einen Mangel an Anerkennung von ihren Chefs, 57 Prozent sagen, dass sie zu wenig verdienen. Fast jeder Zweite beschwert sich über ein schlechtes Arbeitsklima. Und immerhin noch 1,8 Prozent gehen montags mit Bauchweh ins Büro, weil dort ständig die Kaffeemaschine kaputt ist.

Das zeigt zumindest eine Umfrage unter mehr als 1000 Arbeitnehmern im Auftrag des Portals Meinestadt.de zum Thema Arbeitszufriedenheit. Bei der Mehrheit der Befragten (61,3 Prozent) überwiegt der Ärger bei der Arbeit. „Man wird nicht als Mensch, sondern als Maschine angesehen“, schimpft einer der Studienteilnehmer, „der Chef traut einem nichts zu und muss jede Kleinigkeit selber prüfen“, kritisiert ein anderer. Und ein dritter unkt: „Wertschätzung ist in diesen Räumen ein Fremdwort.“ Kurzum: „Es gibt weder Motivation noch Anerkennung.“

So geht Kritik am Chef

Vertrauen aufbauen

Nur, wenn der Vorgesetzte weiß, dass er Ihnen vertrauen kann, wird er Ihnen auch bei Ihrer Kritik vertrauen.

Unter vier Augen

Wenn Sie Kritik äußern möchten, machen Sie es in einem Zweiergespräch.

Erst loben, dann kritisieren

Wer seinen Chef immer nur kritisiert, wird ihn irgendwann nicht mehr dazu bringen können, sich zu ändern. Deshalb sollten Sie ihn auch auf Dinge ansprechen, die Ihnen positiv aufgefallen sind. Achtung: Positiv ist nicht gleich schleimen.

Subjektiv ist besser als objektiv

Machen Sie Ihrem Chef klar, wie die Situation bei Ihnen persönlich angekommen ist. Gegen einen Eindruck, den er erweckt hat, kann auch Ihr Vorgesetzter nichts einwenden.

Konkret werden

Eine pauschale Kritik bringt nichts. Sprechen Sie die konkrete Situation an, in der Ihr Chef einen Fehler gemacht hat oder über das Ziel hinausgeschossen ist.

Nur wenige Punkte ansprechen

Wenn Sie kritisieren, arbeiten Sie nicht gleich eine Liste mit zehn Punkten ab. Sprechen Sie nur ein oder zwei Punkte an, die Sie in der letzten Zeit gestört haben.

Ohne auf die Kaffeemaschine eingehen zu wollen: Unzufriedene Arbeitnehmer sollten auf der Prioritätenliste ihrer Vorgesetzten weit oben stehen. Sie können für das Unternehmen richtig teuer werden. Das zeigt unter anderem der Gallup-Index: Fünf Millionen Deutsche haben demnach innerlich gekündigt, Dienst nach Vorschrift machen gut 70 Prozent. Daraus entsteht ein Schaden zwischen 76 und 99 Milliarden Euro – pro Jahr. Konkret handelt es sich hierbei um Produktivitätseinbußen: Wem der Betrieb egal ist, der hängt sich weder rein noch dreht er den tröpfelnden Wasserhahn in der Teeküche am Freitagabend zu. Positiv gewendet: „Emotional hoch gebundene Mitarbeiter zeichnen sich durch eine Reihe von Verhaltensweisen aus, die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen unterstützen“, sagt Marco Nink von Gallup.

Also gibt es zahlreiche Ratgeber und Coaches mit Tipps für Führungskräfte, um dafür zu sorgen, dass sich ihre Mitarbeiter rundum wohl fühlen: Wertgeschätzt, glücklich und Sinn in ihrer Arbeit sehen. Denn ob jemand Sinn in seinem Job sieht, entscheidet darüber, wie gut – und wie lange – er oder sie ihn macht, wie Studien zeigen.

Nur wie es den Führungskräften mit den meckernden Mitarbeitern geht, ob sie sich wohl fühlen und was sie bei der Arbeit aufregt, das fragt in der Regel keiner. Zwar gibt es immer wieder Umfragen und Studien, die den Arbeitsalltag von Führungskräften verschiedener Hierarchielevel näher beleuchteten, fragen, vor welchen Herausforderungen das Unternehmen steht, welche Ängste CEOs umtreibt oder wie sie ihre Mitarbeiter motivieren. Die Zufriedenheit der Chefs fiel dabei jedoch immer hinten runter. Hauptsache, den Mitarbeitern geht es gut.

Meinestadt.de hat deshalb auch einmal auf den oberen Hierarchieebenen nachgefragt: „Und, was nervt Sie so richtig an Ihrem Job?“ Das Ergebnis: Führungskräfte haben die Nase voll von faulen Mitarbeitern.

71,6 Prozent stören sich massiv an der fehlenden Eigeninitiative beziehungsweise der Passivität ihrer Angestellten. „Es gibt Menschen, die keine Energie und Leidenschaft für das aufbringen, was sie tun“, sagt einer der Befragten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×