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18.11.2011

16:05 Uhr

Wegen Atomausstieg

Linde-Chef spricht von Planwirtschaft

Der Atomausstieg werde die Strompreise explosionsartig ansteigen lassen. Davor warnte jetzt Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Zudem richtete der Manager wegen der Energiewende deutliche Vorwürfe an die Bundesregierung.

Linde-Chef Wolfgang Reitzle fand deutliche Worte für die Energiewende der Bundesregierung. dpa

Linde-Chef Wolfgang Reitzle fand deutliche Worte für die Energiewende der Bundesregierung.

BerlinDer Chef des Münchener Industriegasekonzerns Linde, Wolfgang Reitzle, hat die Energiewende in Deutschland scharf kritisiert. Die Marktwirtschaft im Energiesektor sei abgeschafft, sagte er am Freitag bei einem Wirtschaftskongress in Berlin. „Wir haben jetzt Planwirtschaft.“ Allein die energieintensive Chemiebranche werde mit jährlich über 300 Millionen Euro durch den Ausstieg aus der Atomkraft und die Förderung der Erneuerbaren Energien belastet. Bei den großen Versorgern seien Milliarden-Werte vernichtet worden, was niemanden zu stören scheine.

Die Folgen steigender Kosten für die Industrie würden mit einer gewissen Lässigkeit von der Politik einfach ignoriert. „Mir fehlt die Ausgewogenheit, mir fehlt die Einbeziehung der Wirtschaft“, sagte er. „Wir fühlen uns nicht mehr gehört“, beklagte der Konzernchef. „Das werden wir später noch sehr bereuen.“

Der Vorstandsvorsitzende des Gaseherstellers rechnet zudem mit steigenden Energiepreisen. „Der Strompreis wird explodieren“, sagte der Manager am Freitag in Berlin. Die erneuerbaren Energien seien schon in der Erzeugung um ein Vielfaches teurer als Atomstrom, hinzu kämen Kosten für Transport und Speicherung.

Die Debatte in Politik und Medien nach der Atomkatastrophe von Fukushima sei „eher ideologiegetrieben und nicht faktenbasiert“ gewesen, sagte Reitzle.

Kommentare (2)

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emden09

19.11.2011, 15:38 Uhr

Ja Herr Reitzle, ich bin auch dafür, dass wir die Wirtschaft einbeziehen.

Als Ausgleich für den Jahrzehntelang zu Dumpingpreisen bezogenen Strom, die von Verbrauchern mit überhöhten Preisen quer subventioniert wurden, sollten wir dringend die Wirtschaft einbeziehen. Vorschlag: Die Industrie zahlt die Hälfte der dadurch erzielten Profite nachträglich und rückwirkend zum 13.11.1960 (Inbetriebnahme des ersten deutschen AKW) in einen Fonds zum Rückbau der Anlagen ein.

Zukünftige Produktion von Atomstrom hingegen bezahlt die Wirtschaft, indem Sie dafür sorgt, dass sämtliche Risiken aller AKW in Deutschland vollständig durch Versicherungen abgedeckt werden. Die Rolle der Wirtschaft hierbei sollte vor alle sein, die Verbraucher durch Investition zukünftiger Gewinne von den Mehrkosten die der Schwachsinn des Weiterbetriebs dieser größenwahnsinnigen Dinosauriertechnologie kosten wird, zu entlasten. Schwachsinn vor allem deswegen, weil eine Kilowattstunde angemessen versicherter Atomstrom ca 2 Euro kosten wird, während jede Form regenerativer Energien inzwischen zum weniger als einem Achtel dieses Betrages produktiv wird.

Was halten Sie davon, die Wirtschaft in dieser Weise in den Weiterbetrieb der AKW einzubeziehen, statt das Risiko wie bisher bei der Bevölkerung abzuladen und die Gewinne bei der Wirtschaft und großkotzigen Managern zu belassen?

Großkotzig übrigens vor allem deshalb, weil es mir ein Rätsel ist, warum jeder Bürger nur eine einzige Stimme, nämlich bei Wahlen hat, die Manager der Wirtschaft aber fordern auch dazwischen noch die Politik in undemokratischer Weise beeinflussen zu dürfen.

JohannRoth

21.11.2011, 21:27 Uhr

Die Milliardenschäden bei den Energieversorgern werden auch über die Preise für elektrische Energie wieder hereinkommen müssen.

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