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24.06.2015

12:58 Uhr

Weicheier im Management

Wenn der Chef alles mit sich machen lässt

VonKlaus Schuster

Unverschämtheit gehört offenbar zur Job Description. Unglaublich, was sich Mitarbeiter heutzutage herausnehmen! Täglich toben sich Vorgesetzte beim Berater Klaus Schuster aus, der von abenteuerlichen Geschichten weiß.

Offenes Feedback? Schwierig für Führungskräfte. Getty Images

Offenes Feedback? Schwierig für Führungskräfte.

DüsseldorfNeulich erzählte mir ein Konzern-Bereichsleiter, dass er zwei seiner Abteilungsleiter auf Erkundungstour zu einer Konzerntochter im benachbarten Ausland geschickt hat; 400 km einfache Fahrtstrecke. Zufällig hört er nach Ende eines Meetings wie der eine Manager zum anderen sagt: „Wann holt uns denn der Chauffeur morgen hier ab?“ Und der Bereichsleiter entgegnet: „Wie bitte? Chauffeur? Sind Sie wahnsinnig? Einen Fahrer hat bei uns nur der Generaldirektor!“ Der Bereichsleiter hat einige Jahre Berufserfahrung. Er erzählte mir: „Was daraufhin folgte, war vor zehn Jahren undenkbar.“

So habe ihm der eine Manager, ein Abteilungsleiter, geantwortet: „Mit meinem eigenen Auto fahre ich nicht in dieses Land. Das ist mir zu unsicher!“ Der Bereichsleiter darauf hin: „Das ist nicht Ihr Wagen. Das ist ein Firmenwagen.“ Der zweite Abteilungsleiter dagegen kam dann mit einer unwiderlegbaren Begründung für die Anforderung eines Chauffeurs: „Meine Gattin braucht meinen Firmenwagen, ihrer ist nämlich in der Werkstatt.“ Punkt.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Der Bereichsleiter bekommt darauf hin einen Tobsuchtsanfall, was wohl die krasse Ausnahme ist. Leider, sage ich, denn zu viele Vorgesetzte trauen sich heute schlicht nicht mehr. Die lassen alles durchgehen und das ist die Regel. Betrachten wir aber weiter die geschilderte Ausnahme.

Der Bereichsleiter in unserem Beispiel also tobt: „Wenn das Head Office oder irgendein Journalist herausbekommen, wie ihr beiden Firmengelder verklopft, dann haben wir einen handfesten Skandal.“ Darauf einer der Manager: „Ach was, das kriegt doch keiner mit. Wir haben dem Chauffeur schon gesagt, dass er keinem was verraten darf!“

Der Vorgesetzte kann es nicht fassen: „Das ist mir egal. Sowas tut man einfach nicht. Wir haben gerade ein Sparprogramm laufen, den Mitarbeitern wird das Büromaterial gekürzt, wir haben Leute entlassen – da macht man aus Prinzip keine unnötigen Spesen.“ Einer der Abteilungsleiter meint dazu: „Sie immer mir Ihren Prinzipien!“ Jetzt platzt dem Vorgesetzten endgültig der Kragen: „Aus, Schluss, Basta! Ich lasse das nicht durchgehen. Sie fahren mit dem Leihwagen und wechseln sich hinterm Steuer ab. Ende der Diskussion.“ Was hätten Sie an seiner Stelle gesagt?

Kommentare (5)

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Herr Marcus T.

24.06.2015, 13:43 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Frau Annette Bollmohr

24.06.2015, 15:49 Uhr

Kein Wunder, dass kleine und mittelständische Firmen hier in Deutschland erfolgreicher sind als die großen Konzerne (habe das kürzlich im HB gelesen, und dass es in anderen Ländern genau umgekehrt sei).

Firmen mit eher überschaubarer Anzahl von Mitarbeitern wäre bei solchen an einen Kindergarten gemahnenden Zuständen auch schnell weg vom Fenster…

Account gelöscht!

24.06.2015, 18:01 Uhr

Kurzer und knapper Rauswurf dieser Komiker - mit sofortiger Freistellung und Organisation des Ersatzes.

Wer hat denn bloß solche Blindgänger eingestellt? Da muß ein Personaler komplett versagt haben.

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