Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.12.2014

06:49 Uhr

Weihnachten

Wann Geschenke gut fürs Geschäft sind

VonLisa Hegemann

In der Weihnachtszeit laufen die Poststellen vieler Unternehmen über. Darunter: etliche Firmengeschenke zum Fest. Doch wer beim Geschäftspartner punkten will, muss einiges beachten.

Weihnachtsgeschenke sind auch unter Geschäftsfreunden üblich. Doch nicht immer hat ein Päckchen auch einen Effekt. dpa

Weihnachtsgeschenke sind auch unter Geschäftsfreunden üblich. Doch nicht immer hat ein Päckchen auch einen Effekt.

DüsseldorfZur Weihnachtszeit gleichen manche Arbeitsplätze einem Gabentisch: Adventskalender von der Unternehmensberatung, Wein vom langjährigen Kunden, Blumen von der Versicherung, Firmenkugelschreiber, Weihnachtskarten mit „bestem Dank für die angenehme Zusammenarbeit“. Die Spannbreite geht von originellen, persönlichen Aufmerksamkeiten bis hin zu standardisierten Firmenwerbegeschenken.

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit, das gilt auch für Unternehmen. Das Motiv: Kontaktpflege und ein bisschen Eigenwerbung. Doch längst nicht jede Gabe lohnt das Geld, welches die Firma in sie steckt. Denn „das richtige“ Schenken ist auch im Firmenrahmen eine Kunst.

Aus rein ökonomischer Sicht betrachtet, sind Geschenke eigentlich Unsinn. So sieht es zumindest Joel Waldfogel. Der US-Wirtschaftswissenschaftler befragt seit den 1990er Jahren amerikanische Verbraucher, wie viel Geld sie für das Weihnachtsgeschenk, das sie von Mama und Papa oder einem entfernten Bekannten erhalten haben, selbst ausgegeben hätten. Das Ergebnis: 2007 investierten die Schenkenden 78 Milliarden Dollar, die Beschenkten hätten für dieselben Gaben aber nur 66 Milliarden ausgegeben – ein Werteverlust von zwölf Milliarden Dollar. Diese Studie lässt sich auch auf Unternehmensgeschenke übertragen: Vieles wird nicht so sehr wertgeschätzt wie vielleicht erhofft.

„Kein Geschenk ist selbstlos“

Doch warum schenken Firmen dann überhaupt? „Man ruft sich dem Geschäftspartner in Erinnerung“, sagt Christian Fichter, Konsumforscher an der Kalaidos-Hochschule in der Schweiz. Zwar verfolge nicht jeder die direkte Absicht dahinter, ein Geschäft abzuschließen. Doch der Professor sagt auch: „Kein Geschenk ist selbstlos.“ Am Ende erwartet der Schenkende immer eine Art von Gegenleistung.

Ursprünglich kommt der Trend zum Schenken unter Geschäftspartnern aus den USA. In den vergangenen Jahren geht der Trend zum kleinen, praktischen Geschenk. „Früher war der französische Wein modern“, sagt der Psychologieprofessor Alfred Gebert, der auch als Coach arbeitet. Inzwischen hingegen verschenkten die Unternehmen lieber kleinere, praktische Geschenke wie zum Beispiel USB-Datenträger.

Regeln für Weihnachtsgeschenke

35-Euro-Grenze

Einige Unternehmen haben bereits eine Geschenke-Richtlinie, in anderen Betrieben hingegen herrscht noch Unsicherheit darüber, welche Sachzuwendungen zulässig sind. Für Bundesbeamte gilt zum Beispiel, dass Geschenke, die den Wert von 25 Euro überschreiten, nicht ohne Genehmigung angenommen werden dürfen. In den meisten Unternehmen gelten Geschenke mit einem Wert bis zu 35 Euro als unbedenklich. Ein verlässlicher Gradmesser ist dieser Wert aber nicht!

Denn die 35 Euro sind die Grenze, die das Finanzamt deklariert hat: Geschenke an einen Geschäftspartner dürfen Sie nur dann absetzen, wenn deren Wert in einem Kalenderjahr 35 Euro nicht übersteigt. Arbeitnehmer sollten sich genau informieren, welche Regeln in ihrem Unternehmen gelten. Im Zweifelsfall verzichten Sie lieber auf alle Geschenke.

Klare Richtlinien helfen

Es empfiehlt sich, klare interne Regeln aufzustellen, was erlaubt ist und was nicht. Denkbar ist etwa, eine Obergrenze für Weihnachtspräsente einzuführen, etwa bis zu zehn Euro. Sinnvoll ist auch, im Unternehmen einen Compliance-Beauftragten zu bestimmen, der den Mitarbeitern bei Fragen und Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Eine Spende reicht

Nicht nur wegen des neuen Compliance-Trends gibt es eine wachsende Anzahl von Privatpersonen und Firmen, die sich dem weihnachtlichen Konsumtrubel entziehen wollen. Muss ich wirklich etwas verschenken? Nein. Es genügt, wenn Sie Weihnachtskarten versenden. Immer mehr Firmen gehen dazu über, das jährliche Geschenke-Budget einem guten Zweck zuzuführen.

Ein Beispiel, wie Sie stilvoll darauf hinweisen, dass das Geschenke-Budget einem guten Zweck zugeführt wird: „Seit Jahren ist es in unserem Hause Sitte, den Etat, der für Geschenke vorgesehen ist, einer sozial-karitativen Einrichtung zukommen zu lassen. In diesem Jahr spenden wir unser Weihnachtsbudget an die XY-Mission Deutschland e. V.

Geschenke zum Ver- und Gebrauchen

Falls es doch Geschenke werden sollen, sind Präsente optimal, die ge- oder verbraucht werden. Zum Verbrauchen eignen sich beispielsweise Delikatessen aus der Region. Zum Gebrauch eignen sich beispielsweise Schreibtischunterlagen, Bücher, Musik, Zeitplanbücher oder Schreibtischutensilien.

Nicht den Kopf zerbrechen

Bevor Sie sich lange den Kopf zerbrechen, legen Sie folgende Kriterien bei der Auswahl der Geschenke zugrunde.

  • Die Geschenkidee sollte eine besondere persönliche Note haben und angemessen sein.
  • Die Geschenke sollten den Geschmack möglichst vieler Menschen treffen.
  • Sie sollten gut verfügbar sein. Deshalb bevorzugen Sie Geschenke, die per Versandhandel (auch) im Internet zu begutachten und zu bestellen sind. Wer keine Zeit für einen Einkaufsbummel hat, wird dort dennoch fündig.
Finger weg von diesen Geschenken!

Diese Geschenke sollten Sie sich in jedem Fall verkneifen!

Manipulations-Geschenke
Den Empfänger oder die Empfängerin mit einem Geschenk manipulieren oder zu etwas bekehren zu wollen, ist keine gute Idee. Widerstehen Sie also der Versuchung, einem Kulturmuffel ein Theater-Abo, dem Jeansträger eine Krawatte, dem Rock-Fan eine Klassik-CD oder der berufstätigen Ehefrau, die nicht gern in der Küche steht, ein Kochbuch zu schenken.

Zu persönliche Geschenke
Im Geschäftlichen sollten Sie darauf achten, dass Ihre Geschenke nicht zu persönlich sind. Schmuck, Parfüm, rote Rosen oder Bettwäsche sind zwischen Geschäftspartnern unpassend. Bleiben Sie bei unbedenklichen Präsenten: Bildbände, CDs oder Leckereien wie Pralinen oder Weihnachtsgebäck.

Werbegeschenke
Unterscheiden Sie zwischen Weihnachtsgeschenk und Werbegeschenk. Ein Weihnachtsgeschenk sollte nicht das Ziel verfolgen, den Umsatz zu maximieren. Verzichten Sie besser auf Werbebotschaften und -aufdrucke, die sind fehl am Platz. Plastik-Kugelschreiber oder lieblose Kalender mit Werbeaufdruck als Weihnachtsgeschenk werden kaum helle Freude auslösen.

Quelle: www.stil.de

Diese Entwicklung hängt auch mit einem Mentalitätswandel zusammen. „Heutzutage geht es nicht mehr darum, vor dem Kollegen oder Geschäftspartner zu protzen“, sagt die Managementberaterin Dorothea Assig. Dieser Trend zeige sich etwa darin, dass viele Firmen heute lieber eine Weihnachtskarte verschicken, in der sie darauf verweisen, dass sie einen Betrag gespendet haben, anstatt dem Geschäftspartner einen teuren Reisegutschein oder einen Blumenstrauß zu schicken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×