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08.03.2016

14:26 Uhr

Aufsichtsrätinnen

„Nur mit Männern würden wir am langen Arm verhungern“

VonAnja Müller

Gern berichten Unternehmen, dass es schwer ist, geeignete Kandidatinnen für den Aufsichtsrat zu finden. Dabei gibt es längst Datenbanken und Netzwerke, in denen Unternehmen fündig werden könnten.

Die gelernte Industriemechanikerin und studierte Maschinenbauingenieurin sitzt im Beirat des Autopflegeherstellers Sonax. privat

Claudia Gläser

Die gelernte Industriemechanikerin und studierte Maschinenbauingenieurin sitzt im Beirat des Autopflegeherstellers Sonax.

DüsseldorfClaudia Große-Leege kann sich über die Anforderungen, die manchmal an künftige Aufsichtsrätinnen gestellt werden, amüsieren. Die Geschäftsführerin des Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) erzählt: „Sie sollen am besten 40 Jahre alt sein mit 30 Jahren Berufserfahrung, mehrsprachig, mit Erfahrung im internationalen Konzern, Ingenieurin muss sie sein und Brancheexpertise soll sie auch mitbringen.“

Dabei brächten solche Qualifikationen auch die bestehenden Aufsichtsräte nicht immer mit. Große-Leege stellt fest, dass die Anfragen für die Aufsichtsrätinnen-Datenbank des VdU deutlich zunehmen. Das war vor einem halben Jahr noch anders. Sie gibt zu, dass in der Datenbank natürlich nicht nur solche Frauen verzeichnet sind, „die sofort in den Aufsichtsrat eines börsennotierten Unternehmens einziehen können“, aber das Potenzial haben viele und Erfahrungen machen sie auch.

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Zum Beispiel Claudia Gläser. Die gelernte Industriemechanikerin und studierte Maschinenbauingenieurin sitzt im Beirat des Familienunternehmens Sonax, dem Marktführer bei Autopflegeprodukten in Deutschland. Normalerweise führt sie als geschäftsführende Gesellschafterin die Gläser GmbH, und sie kennt sich aus, nicht nur mit vielen technischen Details, sondern auch mit den Anforderungen ihrer Kunden. Das Unternehmen entwickelt hydraulische Steuerblöcke und montiert sie, es baut Prüfanlagen für technische Sauberkeit und setzt sie in einem eigenen Labor ein. Zu den Kunden zählen Herrenknecht, Liebherr und viele Autohersteller und Zulieferer.

Das Familienunternehmen Sonax hatte bei Gläser angefragt, sie stellte sich bei der Geschäftsführung, dem Beirat und bei der Familie vor, erzählt sie. „Das war schon eine echte Auswahl, kein bestehendes Netzwerk.“

Gläser beschäftigt 60 Mitarbeiter und weiß, wie wichtig es ist, geeignetes Personal zu finden. Sie könne es sich nicht leisten, auf Frauen zu verzichten. „Wenn man nur auf Männer setzen würde, würden wir am langen Arm verhungern.“ Deshalb glaubt sie auch, dass Frauen zumindest im kleineren Mittelstand mehr Chancen haben.

Verbandsgeschäftsführerin Große-Leege bestätigt: „Generell kann man sagen, dass Frauen in kleineren und jüngeren Unternehmen größere Aufstiegschancen haben.“ Große Unternehmen hätten dagegen oft noch Nachholbedarf.

Die Vizepräsidentin für Forschung an der Brandenburgischen Universität Cottbus sitzt seit 2012 im Aufsichtsrat des Fotokonzerns Cewe. privat

Christiane Hipp

Die Vizepräsidentin für Forschung an der Brandenburgischen Universität Cottbus sitzt seit 2012 im Aufsichtsrat des Fotokonzerns Cewe.

Auch Christiane Hipp sitzt seit 2012 in einem Aufsichtsrat – beim Fotokonzern Cewe. Sie ist Vizepräsidentin für Forschung an der Brandenburgischen Universität in Cottbus. Das Unternehmen fand sie über die Datenbank des VdU. Cewe hat damals gezielt nach Frauen für den Aufsichtsrat gesucht und zwei gefunden.

„Wir Frauen trauen uns zu wenig, wir wollen perfekt sein“, sagt Hipp. Doch man müsse selbstbewusst Signale senden, sich nicht zu fein sein, sich auch um Posten zu bemühen. Die Aufsichtsratstätigkeit sei lernbar und kein Hexenwerk. „Ich bin Wirtschaftsingenieurin, das hat vielleicht geholfen“, sagt sie, dabei sei aber gerade die Heterogenität in Aufsichtsratsgremien wichtig. Hipp hat selbst ein Beratungsunternehmen – die Deep Innovation GmbH – mitgegründet, nebenbei habilitiert und leitete bis vor zwei Wochen den Lehrstuhl für Organisation, Personalmanagement und Unternehmensführung. Neben ihrer Aufsichtsratstätigkeit gehört sie dem Nachhaltigkeitsbeirat der Krombacher Brauerei an.

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