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08.03.2017

09:55 Uhr

Weltfrauentag in den USA

Ein flammendroter Streik

VonKatharina Kort

Die Organisatoren der Anti-Trump-Frauenmärsche rufen zum Streik auf. Frau sollen der Arbeit fern bleiben und rot tragen. Das könnte Konsequenzen haben: Frauen machen fast die Hälfte der amerikanischen Arbeitskräfte aus.

Aus Protest sollen Frauen am Weltfrauentag ihre Arbeit niederlegen.

Aufruf zum Streik

Aus Protest sollen Frauen am Weltfrauentag ihre Arbeit niederlegen.

New YorkRote Kleidung und Streik. Zum Weltfrauentag rufen die Organisatoren der erfolgreichen Protestmärsche gegen Donald Trump die Frauen zum Streik auf. Am 8. März sollen sich Frauen landesweit von der Arbeit freinehmen und nicht shoppen gehen. Außerdem sollen sie rot tragen – als Zeichen des Protests.

Damit will das Organisationskommittee „Women’s March“ zeigen, wie wichtig Frauen auch wirtschaftlich sind. Immerhin machen Frauen fast die Hälfte der amerikanischen Arbeitskräfte aus und beeinflussen rund 73 Prozent der Kaufentscheidungen der Haushalte. Wie das Komitee mitteilt, wollen die Frauen mit ihrem Streik “gegen die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten” protestieren, mit denen Frauen noch immer zu kämpfen haben.

An diesem Weltfrauentag sollen die Frauen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Arbeit verweigern ebenso wie das Shoppen. Wenn sie gar nicht aufs Einkaufen verzichten könne, dann dürfen sie zu kleinen Läden gehen – solange diese von Frauen oder Minderheiten geführt werden. Die Farbe rot haben die Organisatorinnen gewählt, als Farbe der „Liebe und Opfer, und die Farbe der Energie und Aktion“, wie die Co-Vorsitzende des Kommittees Tamika Mallory erklärt.

Vor allem wollen die Organisatorinnen das Momentum der Proteste nutzen, bei denen am 21. Januar in den USA und weltweit Millionen Frauen in rosa Häkel-Mützen auf die Straßen gingen, um für die Rechte der Frauen und gegen Donald Trump zu protestieren. Kritiker aus dem Trump-Lager hatten der Organisation vorgeworfen, weniger für Frauen als vielmehr nur gegen Trump zu demonstrieren und außerdem indirekt Geld von Großinvestor George Soros zu erhalten. Sie bezogen sich dabei vor allem auf verschiedene Stiftungen, die die Demonstration mit organisiert hatten und zu deren Spendern der bekennende Unterstützer der Demokraten Soros gehört. Dennoch waren die Proteste für die Veranstalter ein Riesen-Erfolg.

Nun geht es darum, den Geist dieser Proteste aufrecht zu erhalten. Und was wäre da besser geeignet als der Weltfrauentag ? Der Name des Protests „A Day without a Woman“ – ein Tag ohne eine Frau -ist angelehnt an den Satire-Film „A Day without a Mexican“ – ein Tag ohne einen Mexikaner - in dem ganz Kalifornien auf einmal ohne Mexikaner auskommen muss.

Wie viele Frauen sich dem Streik und dem Kauf-Boykott am 8. März anschließen, ist noch unklar. Kritiker fürchten, dass sich ohnehin nur höher qualifizierte Frauen daran beteiligen können, ohne ihren Job zu riskieren. So kommentiert etwa die amerikanische Feministin Maurreen Shaw, dass aus dem Tag ohne Frauen ein „Tag ohne privilegierte Frauen“ werden könnte. „Die Idee hinter dem Streik ist löblich. Wer will keine wirtschaftliche Gerechtigkeit für alle ?“ fragt sie. Aber in der Praxis könnten es sich die meisten amerikanischen Frauen schlicht nicht leisten, auf ihre bezahlte oder unbezahlte Arbeit zu verzichten.

Den Organisatoren selbst ist das Dilemma bekannt. Sie räumen ein, dass die meisten Frauen nicht einfach der Arbeit fern bleiben können. „Wir streiken für sie mit“, schreibt „Women’s March“ auf der Website. Und rot könnten sie trotzdem tragen. Bei der Arbeit.

Kommentare (3)

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Herr Grutte Pier

08.03.2017, 10:37 Uhr

"Immerhin machen Frauen fast die Hälfte der amerikanischen Arbeitskräfte aus und beeinflussen rund 73 Prozent der Kaufentscheidungen der Haushalte."

Es ist wirkich erstaunlich wie "benachteiligt" und "unterdrückt" die Frauen in den USA sind, sollten diese Zahlen stimmen, was kaum zu bezeifeln ist, da der Artikel offenbar (in Zeiten von Gender muss man natürlich vorsichtig sein) von einer Frau stammt.
Da muss dringend eine "Quote" her, um mehr "Gerechtigkeit" zu schaffen.....

Account gelöscht!

08.03.2017, 10:51 Uhr

Die Frauen wollen aber selbstbestimmt sein und nicht auf irgendwelche selbsternannten Frauenbewegungsorganisationen hören. Eine selbstbewusste und freie Frau hat eh keine Organisationen von Frauenrechtler nötig, die die Frau nur bevormunden will, was diese zu tun und zu lassen haben.
Danke!

Frau Lana Ebsel

08.03.2017, 11:04 Uhr

Es gibt leider immer einen Anteil in den Bevölkerungen, die zum (Über)-Leben einen Feind benötigen. Am besten noch einen gemeinsamen Feind, da man dann gleichzeitig noch so schön miteinander kuscheln kann. Ohne Feind oder Feindbild fehlt diesen Menschen der Sinn für ihr Leben. sie werden jederzeit auch wieder einen neuen Feind entdecken, wenn der alte aus welchem Grund auch immer wieder verschwunden ist.

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