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17.01.2011

10:00 Uhr

Weltspitze

Das Phänomen Compliance – Notwendig oder überflüssig?

VonSergey Frank , Michael Mayer

Handelsblatt Online bietet Ihnen mit der Serie "Weltspitze - wie Deutsche international Erfolg haben" praktische Hilfe: Jeden Montag präsentiert der Internationalisierungsberater und Buchautor Sergey Frank eine Kolumne zu dem Thema, wie Unternehmer im Ausland Geld verdienen können. Heute geht es um das Phänomen Compliance.

Compliance – inzwischen weit mehr als ein reines Kontrollinstrument für Unternehmen – ist in aller Munde. Dies liegt zum Teil an den in den letzten Jahren aufgekommenen Korruptionsskandalen großer internationaler Konzerne begründet. Das Beispiel des Rücktritts von Günter Hirsch aus der Fifa-Ethikkommission zeigt jedoch, dass das Thema inzwischen auch entferntere Bereiche, wie etwa den des Weltfußballs, erreicht hat. Grund genug, in diesem zweiten Teil unserer Miniserie das Phänomen Compliance weiter zu beleuchten, insbesondere im Hinblick auf dessen Vor- und Nachteile.

Lesen Sie heute den zweiten von drei Teilen dieser Kolumne.

Schaffung von Vertrauen

Compliance ist heutzutage gerade auch deshalb so wichtig geworden, weil in den letzten Jahren vermehrt die Frage aufkam, ob und in welcher Form es Ethik in der Wirtschaft überhaupt geben kann. Es gibt darauf wahrscheinlich keine bessere Antwort als eine funktionierende und gelebte Compliance in einem Unternehmen, am besten durchgesetzt mit Hilfe einer eigenen Compliance-Abteilung oder, in kleineren Unternehmen, mit Hilfe einer Compliance-Funktion.

Daher ist der Vorteil von Compliance vor allem in der Stärkung des Vertrauens zu sehen: Ethisches Handeln und Rechtmäßigkeit schaffen Glaubwürdigkeit, und diese Glaubwürdigkeit schafft wiederum Vertrauen. Es bedarf kaum einer Erklärung, welchen gewichtigen Marktvorteil es bietet, wenn man ein Unternehmen als vertrauenswürdig, als einen verlässlichen, gesetzestreuen Partner, einstuft. Jeder möchte mit einem Unternehmen Geschäfte abschließen, das sich an Regeln und somit auch an Verträge hält. Vertrauen ist vielleicht das wichtigste Asset eines Unternehmens und auch seiner Marke.

Compliance – Auch Nachteile?

Ein großer Kritikpunkt an Compliance ist, dass die penible Einhaltung von beispielsweise Anleger-, Datenschutz-, Umwelt-, oder Wettbewerbsrechtsvorschriften das Wachstum hemmen. Das Maschinenbauunternehmen aus unserem Beispiel sieht sich mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. Die Einhaltung aller Regeln könnte dazu führen, dass kurzfristig höhere Kosten auf das Unternehmen zukommen oder im schlimmsten Fall so hohe Kosten entstehen, dass das Projekt scheitert. Das Management könnte zu dem Entschluss kommen, dass man es aus rein wirtschaftlicher Sicht in Kauf nehmen muss, gewisse Regeln zu brechen, da zu strenge Compliance das Wachstum hindern könnte.

Dies ist jedoch zu kurz gedacht. Denn letzten Endes geht es bei Compliance um die Förderung eines langfristigen, kontinuierlichen und stetigen Wachstums. Entscheidend ist es, eine vor allem ungreifbare, d.h. rechtmäßige, gerichtsfeste und vertrauensvolle Umgebung zu schaffen. Zudem deutet ein rein pragmatischer Aspekt auf die Wichtigkeit von Compliance: Indem man als Unternehmen weltweit Compliance ausübt, wird man auch nicht mehr angreifbar, was vor allem in Ausland oft zu negativen Konsequenzen führt. Kurzfristige Vorteile durch eine „flexible Handhabung“ der jeweiligen Gebräuche, vor allem in etwas exotischeren Ländern, schaffen mittel- und vor allem langfristig eine Angreifbar- und Erpressbarkeit, die dann auch zu hohen finanziellen Verlusten führen kann.

Kostenspezifische Vorteile der Compliance

Die Vorteile von Compliance sind also vor allem aus langfristiger Sicht erkennbar. Jedoch zeigen sich auch durchaus kurzfristige und vor allem kostenspezifische Vorteile.

Wie bei allen Maßnahmen der Implementierung von Abteilungen zeigt bereits eine einfache Kosten-Nutzen-Analyse die Sinnhaftigkeit einer Compliance-Organisation. Über 40% aller Unternehmen weltweit wurden in den letzten beiden Jahren durch Betrügereien geschädigt. Dabei entstand ein durchschnittlicher Schaden von etwa 1 Million EUR pro Unternehmen. Bei großen Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern bezifferte sich der durchschnittliche Schaden sogar auf über 6,5 Millionen EUR, ganz zu schweigen von dem nicht messbaren Imageverlust.

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