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24.01.2011

10:00 Uhr

Weltspitze

Das Phänomen Compliance – Notwendig oder überflüssig?

VonSergey Frank , Michael Mayer

Handelsblatt Online bietet Ihnen mit der Serie "Weltspitze - wie Deutsche international Erfolg haben" praktische Hilfe: Jeden Montag präsentiert der Internationalisierungsberater und Buchautor Sergey Frank eine Kolumne zu dem Thema, wie Unternehmer im Ausland Geld verdienen können. Heute geht es um das Phänomen Compliance.

Compliance – inzwischen weit mehr als ein reines Kontrollinstrument für Unternehmen – ist in aller Munde. Dies liegt zum Teil an den in den letzten Jahren aufgekommenen Korruptionsskandalen großer internationaler Konzerne begründet. Das Beispiel des Rücktritts von Günter Hirsch aus der Fifa-Ethikkommission zeigt jedoch, dass das Thema inzwischen auch entferntere Bereiche, wie etwa den des Weltfußballs, erreicht hat. Grund genug, in diesem zweiten Teil unserer Miniserie das Phänomen Compliance weiter zu beleuchten, insbesondere im Hinblick auf dessen Vor- und Nachteile.

Lesen Sie heute den dritten von drei Teilen dieser Kolumne.

Compliance im Einzelfall – Liegt der Teufel im Detail?

Was genau ist nun eigentlich Compliance bzw. wie funktioniert Compliance in einem Unternehmen? Bevor eine Compliance-Abteilung effizient eingerichtet werden kann, muss in dem Unternehmen eine Compliance-Audit, also eine Analyse des Ist-Soll-Zustandes, durchgeführt werden. Dabei wird das Unternehmen einem sorgfältigen Check durchgezogen, welche Risikobereiche gegeben sind bzw. inwieweit das Unternehmen geneigt ist, Gesetze oder andere Regeln zu verletzen. Die Durchführung eines solchen Checks muss in einem Management Letter an die höchste Unternehmensebene kommuniziert werden.

Als nächster Schritt erfolgt eine Art Compliance-Fitness. Hierbei werden die möglichen Definitionen und Implementierungsmöglichkeiten von Compliance-Standards an den Vorgaben und Risiken des Unternehmens ausgearbeitet. In diesem Zusammenhang sollte das Unternehmen einen Verhaltenskodex ausarbeiten, der die Vorgaben und Richtlinien für die Mitarbeiter enthält. Anhand dieses Kodex werden Schulungen und spezielle Compliance-Trainings durchgeführt, um die Abteilungsleiter und Entscheidungsträger hinsichtlich der gültigen Gesetzgebung auf dem Laufenden zu halten.

Was tun bei Compliance-Verstößen?

Ein sehr wesentlicher Punkt sind das Compliance-Monitoring und ein funktionierendes Feedbacksystem, für den Fall, dass Vorfälle und Verstöße gemeldet werden. Folgendes Beispiel zeigt den Interessenskonflikt, der im Rahmen der Compliance oft durch ein zu kurzfristiges Handeln auftritt:

Firma A ist ein größeres mittelständisches Unternehmen aus der Elektronikbranche mit Tochtergesellschaften in zwölf Ländern einschließlich Russland und der VR China. Der neue CFO des Unternehmens möchte eine absolute Nachvollziehbarkeit und Compliance aller Tochtergesellschaften einschließlich der Muttergesellschaft erreichen. Zusammen mit dem Justiziar verfasst er ein Dokument, welches die Geschäftsführer und Mitarbeiter der Tochtergesellschaften zur Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften, zur Unterlassung jeglicher Form von Bestechung sowie zur Einsichtbarkeit von Prozessen verpflichtet.

Alle Geschäftsführer unterschreiben bis auf diejenigen in Russland und China. Deren Antwort lässt auf sich warten. Auf Nachfrage antworten beide Geschäftsführer auf indirekte Weise. Nachdem der CFO ungeduldig wird, kommt die Wahrheit ans Licht: Wenn tatsächlich die Vorgaben, wie sie in dem internen Dokument definiert sind, eingehalten werden, sinken die Umsätze in Russland und China um 50%. Das Argument der Lokalmanager ist, dass ohne „bestimmte Usancen“ Aufträge nicht gewonnen werden und an Wettbewerber gehen, die diese Usancen erfüllen. Was tun?

Der Interessenskonflikt, in der sich die Geschäftsführer der russischen und chinesischen Tochtergesellschaften befinden, scheint unlösbar. Solange Korruption auf einem Markt unumgänglich zu sein scheint, erscheint es auch aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten als „Usance“, diese Schmiergelder (auch als „facility payments“ oder bis spät in die 90er Jahre nach deutschem Umsatzsteuerrecht als „betriebsfördernde Ausgabe“ gerechtfertigt) zu zahlen.

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