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17.01.2005

15:00 Uhr

Wer die Sucht seiner Mitarbeiter bekämpft, wird belohnt mit rasant sinkenden Fehlquoten. Der Fall Hydro Aluminium

Alle schauen einfach weg

VonChristoph Hus (Handelsblatt)

Als im Sommer 2000 das Telefon bei Joachim Deppes klingelte, ahnte der Personalchef des Grevenbroicher Werks des Aluminiumkonzerns Hydro noch nicht, dass dieses Telefonat ein neues Großprojekt lostreten würde. Am Apparat war der Technische Leiter des Werkes.

HB DÜSSELDORF. Der Anruf war ihm spürbar unangenehm. Wann endlich werde Deppe das Problem mit einem Mitarbeiter aus der Produktion lösen? Die Sache dulde keinen Aufschub mehr.

Erst nach einigem Nachfragen ergründete Personalchef Deppe das Problem: Der erwähnte Mitarbeiter war Alkoholiker, trank regelmäßig auch während seiner Schichten. Sein Chef wollte nicht länger tatenlos zuschauen.

Für Deppe wurde dieser Moment zum Schlüsselerlebnis. Ihm wurde klar, mit welch großer Angst die Mitarbeiter und Führungskräfte der Sucht des Kollegen begegneten. „Alle wussten, dass der Mann trinkt“, erinnert sich Deppe, „aber niemand unternahm etwas.“ Nicht aus Gleichgültigkeit oder Ignoranz, sondern aus Furcht und Unsicherheit. Für Deppe stand fest: Die Personalabteilung musste Sucht zum Thema machen und professionelle Hilfe anbieten.

Mit dem Problem süchtiger Mitarbeiter steht Hydro nicht allein. „Der Leidensdruck nimmt in vielen Unternehmen rasant zu“, weiß Deppe. Rund drei Prozent der Angestellten sind abhängig von einem Suchtmittel, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Dazu kommen fünf Prozent der Mitarbeiter, die regelmäßig zum Beispiel Alkohol und Medikamente missbrauchen. Der Schaden für Unternehmen ist enorm: „Wer süchtig ist, bringt bis zu 30 Prozent weniger Leistung“, rechnet Christa Merfert-Diete von der DHS vor.

Besonders anfällig für eine Sucht sind Leute, die bei der Arbeit geistig nicht gefordert sind und eintönige Tätigkeiten verrichten. Aber auch Manager gelten als Risikogruppe. Deren Mitarbeiter schauen oft besonders lange weg, aus Angst oder falsch verstandener Rücksicht gegenüber dem Chef.

Im Hydro-Werk in Grevenbroich machte sich Personalchef Deppe an die Arbeit: Mit einem Anti-Sucht- Programm wollte er die Arbeitssicherheit im Werk erhöhen und dadurch auch Fehlzeiten und Kosten senken.

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