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06.01.2005

12:13 Uhr

Werbefigur und Geschäftsführer des Stoffriesen Jab Anstoetz aus Bielefeld

Ralph Anstoetz: Das Gesicht hinter dem Stoff

VonGeorg Weishaupt (Handelsblatt)

Freitagabend – Krimizeit. Doch erst tritt der Mann im legeren Anzug mit dem offenen Hemd und dem gepflegten Dreitagebart ins Bild. „Freuen Sie sich mit mir auf spannende Unterhaltung“, sagt er, geht durch einen Raum und bleibt vor einer Wand aus farbigen Vorhangstoffen stehen. Ende. Wer um Himmels willen ist das? Der Name Anstoetz bleibt hängen. Jab Anstoetz. Doch so heißt nur das Unternehmen: Josef Anstoetz Bielefeld.

HB BIELEFELD. Also auf nach Ostwestfalen. Durch das Foyer der Firmenzentrale aus den fünfziger Jahren, links und rechts der Blick in Salons mit farbenfrohen Wohnlandschaften, geht es nach oben, dann über einen Flur mit schwerem Teppichboden ins Vorzimmer. Eine Tür öffnet sich. „Kommen Sie doch bitte herein“, sagt Ralph Anstoetz – der Mann aus der Werbung.

Sportlich-schlank ist er, etwa 1,85 m groß, auch an diesem Nachmittag trägt er einen Dreitagebart. Aber im Anzug mit fest gebundener Krawatte wirkt er nicht so locker wie im Spot. Und sein Arbeitszimmer, mit den Ausmaßen eines Großraumbüros, hat nichts vom Farbenreichtum der Werbung. Der Geschäftsführer eines der weltweit größten Anbieter von Dekorationsstoffen zieht Graublautöne vor. „Ich habe schon den ganzen Tag mit Farben zu tun.“

Ralph Anstoetz ist das Gesicht des 58 Jahre alten Bielefelder Familienunternehmens, das hochwertige Stoffe für Vorhänge, Gardinen und Polstermöbel im In- und Ausland über Raumausstatter verkauft. Zur Firmengruppe gehört eine Teppichproduktion in Herford, das „Berghotel Astenkrone“ im Sauerland, wo Einrichtungsideen zu besichtigen sind, der Möbelhersteller Bielefelder Werkstätten und der US-Stoffverlag Stroheim & Romann. Die Gruppe kam nach eigenen Angaben 2004 mit 1 300 Mitarbeitern auf 235 Millionen Euro Umsatz, zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Ralph Anstoetz führt das Unternehmen in dritter Generation mit seinen Brüdern Claus und Stephan sowie zwei externen Managern. Ralph kümmert sich um Produktentwicklung, Einkauf und Marketing. Der 45-Jährige, der einen Armreif trägt, ist der Kreative der Brüder. Claus Anstoetz, 35, steuert den Vertrieb. Und der 42-jährige Finanzchef Stephan Anstoetz sorgt dafür, dass nach ostwestfälischer Sitte „die Penunzen zusammenbleiben“.

TV-Auftritt mit Folgen

Deshalb sei die Firmengruppe „kerngesund“, sagt Ralph. „Wir arbeiten ohne Verbindlichkeiten.“ Die Brüder, die etwa 3 000 verschiedene Stoffdesigns in bis zu 200 Farbvarianten auf Lager haben, machen über die Hälfte des Geschäfts im Ausland, mit wachsender Tendenz insbesondere in Osteuropa und China. Stoffe sind mit zwei Dritteln der wichtigste Geschäftsbereich. Dann folgen Teppiche und Polstermöbel. Vor drei Jahren entstand die Idee, einen aus der Familie für die Firma in die Öffentlichkeit zu schicken, um sich von Wettbewerbern wie Zimmer + Rohde abzuheben. Das wäre zu Lebzeiten des Vaters Heinz Anstoetz undenkbar gewesen, der bis zu seinem Tod 1998 aus dem ostwestfälischen Großhandel einen internationalen Stoffverlag mit eigener Kollektion machte.

Und wieso wurde Ralph ausgewählt? „Ich verkörpere den gestalterischen Part im Unternehmen. Und, na, ja, wenn ich ein hässliches Entlein wäre, wäre die Entscheidung sicherlich nicht auf mich gefallen“, merkt er an und grinst. Geschadet hat es nicht: Heute kennen dreimal so viele Menschen die Stofffirma.

Der TV-Auftritt hat Folgen. Die „Bunte“ fragte nach einer Homestory und bekam sie („Hinter den Gardinen des Stoff-Königs“) – nicht ohne Einwände der Familie. Ebenso das Magazin „Celebrity Living“, das titelt „Ralph Anstoetz hat... Sinn für Sinnliches“. Da sieht man ihn, mit seinen Golden Retrievern, artig lächelnd, wie er seiner Gattin Anke zuschaut, die im Esszimmer eine Kerze anzündet. Demnächst will ein TV-Sender bei ihm zu Hause drehen.

Der Mann, der hier sein Privatleben zelebriert, verbringt wenig Zeit daheim. Etwa 100 Tage pro Jahr reist der Vater einer Tochter zu Stofflieferanten und Messen im In- und Ausland. Er braucht das, um sich mit Ideen aufzuladen: „Diese Vielfalt finde ich nicht in Bielefeld“, sagt er und schaut hinaus auf eine Siedlung mit biederen Einfamilienhäusern.

Trotz aller Weltläufigkeit ist er echter Bielefelder. Seit Kindertagen geht er auf die „Alm“ zu Fußballspielen der Arminia. Seit zweieinhalb Jahren sitzt er im Aufsichtsrat des Clubs. Aber Golfen passt wohl besser zur zahlungskräftigen Zielgruppe „ab 35 aufwärts“. So gibt es den „Jab Anstoetz Ladies Cup“.

Wer über Jahre erfolgreich wirtschaftet, behält einiges übrig. „Aber es gibt keine protzigen Ferienwohnungen oder Luxus-Yachten“, sagt Pressechef Philipp Keller. Immerhin: Die Familie besitzt ein Haus auf der Nordseeinsel Juist. Kollegen beschreiben Ralph Anstoetz als entscheidungsschnell und ausgewogen. „Ich habe ihn innerhalb von fünf Jahren nie unbeherrscht erlebt“, sagt ein enger Mitarbeiter.

So entspricht er dem Bild des smarten Mannes mit dem Dreitagebart aus dem TV-Spot. Da ist er ab Frühjahr wieder zu sehen – im ZDF zur besten Krimizeit.

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