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02.07.2012

06:51 Uhr

Wie groß ist der Einfluss der Medien auf Meinung und Stimmung? dpa

Wie groß ist der Einfluss der Medien auf Meinung und Stimmung?

Das Raunen über dominanten Einfluss der Medien auf Meinung und Stimmung schwillt an. Geheime Absichten und Techniken werden vermutet. Aber Meinungen lassen sich nicht so einfach zurechtzimmern und das ist auch gut so. Gerhard Polt warf einmal mit der Sahnetorte nach seinem Bühnenpartner. Als er ihn verfehlte, bat er ihn höflich, für die nächste Torte einen Schritt zur Seite zu rücken. Die Lehre daraus lautet: Niemand kann einen Treffer landen, wenn man ihm nicht entgegenkommt. Erfahrene PR-Agenten wissen das schon lange.

Die Betonung eines Themas in Massenmedien allein reicht jedenfalls nicht, um Meinung zu machen. Der Rezipient wird vielleicht aufmerksam, jedoch entscheidet er selbst, ob ihn das Thema betrifft und wie er es in seine persönliche Interessenlage einordnet. Nicht wenige Themen verfangen schon deshalb nicht, weil sie zu komplex sind - jedenfalls für den Durchschnittsbürger.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Ähnliches gilt für die Häufigkeit, mit der ein Thema platziert wird. Gewiss steigert sie das Gefühl von Bedeutsamkeit, sie kann aber rasch zum "Overkill" führen und erzeugt dann eher Überdruss als Interesse

Die Natur des Themas spielt eine Rolle. Ist es neu und überraschend? Ist es konkret und anschaulich? Ist es andererseits unscharf genug, um sich als Projektionsfläche für massenhafte Sehnsucht zu eignen? Lässt es sich personalisieren? Ist es ein Saisonartikel oder hat es nachhaltige Bedeutung? Kann man es mit mythischen Bildern oder archetypischen Grundmustern verknüpfen? Die bloße Behauptung von "angesagt" oder "kultig" glauben nur noch Dumpfköpfe.

Der Rezipient ist kein Mensch ohne Eigenschaften. Er ist ein ziemlich unübersichtliches Konglomerat von Erfahrungen, Interessen, Charakterzügen, von guten oder schlechten Gewohnheiten, von Stamm- oder Großhirn, Peristaltik und Blutdruck. Das vernebelt das Zielgebiet des Agenda-Setters und stört die Ballistik seiner Geschosse.

Starke Wirkungen gehen in der Regel nur von Primärerfahrungen aus. Mediale Wahrnehmungen sind Sekundärerfahrungen und entsprechend abgeschwächt.

Unvorhergesehenes schwächt oder verstärkt die Wahrnehmung des Themas. Seherisch gefundene und klug gesetzte Kampagnen mit optimalem Medieneinsatz können wirkungslos verpuffen. Das Ereignis muss nicht einmal so explosiv wie Fukushima sein. Die besten "Trendsetter" der Geschichte hatten einen guten Riecher.

Das war schon alles und doch so viel.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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DavidKerl

02.07.2012, 09:40 Uhr

Macht Herr Hombach jetzt in PR? Seine Sprache lässt es vermuten, denn der Aufsatz ist eins-zu-eins PR-Sprech! Von jemandem aus dem Ruhrgebiet hätte ich mir eine authentischere Sprache gewünscht. Und da sind wir auch beim Thema: "Agenda Setting" oder für Normalsterblich: ein Thema mit bestimmten Aussagen in den Medien halten, bis es auch der letzte begriffen hat, ist vor allem dann erfolgreich, wenn der Sprechende Authentizität besitzt. Wenn ein Thema oder eine Person keine Glaubwürdigkeit besitzt, dann kann man Menschen auch über alle Medienkanäle tagtäglich beschallen: sie werden es trotzdem nicht glauben! Oder wie man im Ruhrgebiet sagen würde: Man kann aus Scheiße kein Gold machen - auch nicht mit "Agenda Setting"...

Hermann.12

02.07.2012, 10:56 Uhr

Seltsamer Artikel. Warum wird hier versucht abzuschwächen?
Schon aus dem Artikel selbst lässt sich eher das Gegenteil der behaupteten Meinung herauslesen.
Ich halte es aber für richtig, dass es nicht möglich ist gezielt bestimmte Meinungen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen, jedenfalls nicht direkt.
Aber das Schlüsselwort heisst Komplexität! die Wirklichkeit ist viel zu komplex für einfache Urteile und Meinungen, aber nur wirklich einfaches lässt sich überhaupt überzeugend vermitteln.
Deshalb ist gelenkte Meinungsbildung eher ein Opportunitätsproblem, denn gezielte Absicht. Sie basiert darauf Angst zu verbreiten und somit das Bestehende vor Veränderung zu schützen.
Denkverbote, political Correctnes, Sensationsgier, ausufernder Urheberschutz, sind alles Mittel eher durchschnittlichen Menschen Sicherheit nach ihrer eigenen Fasson zu geben, das ermöglicht eigentlich nicht ausreichend Befähigten den Zugriff zur Macht.
Das ist sehr verführerisch, weil diese Dinge Existenzen schaffen, mithin wirtschaftlich korrumpieren.
Es kann daher kaum überraschen, dass der Autor sich hinsichtlich der Manipulation ohnmächtig wähnt, er ist schließlich abhängig und damit Teil einer Berichterstattung, die mehr von ökonomischen Abhängigkeiten, sprich Auflage, Wohlwollen von Informanten und Werbepartnern, sowie den Eigentümern, denn neutraler Sachverhaltsdarstellung geprägt ist.

H.

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