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05.09.2012

06:58 Uhr

Werber-Rat

Schadensfall statt guter Start

VonFrank Dopheide

Die Marke „Ergo“ durchläuft Schlimmes. Sie wird derzeit fast ausschließlich mit den peinlichen Sexpartys assoziiert. Positives bleibt kaum hängen. Besonders in der Anfangszeit einer Marke kann so etwas katastrophal sein.

Hinter der nackten Frauenskulptur in Düsseldorf ist die Zentrale der Ergo-Versicherung zu sehen. dpa

Hinter der nackten Frauenskulptur in Düsseldorf ist die Zentrale der Ergo-Versicherung zu sehen.

Im Jahr 2010 entschied der internationale Versicherungskonzern, die Markenkomplexität zu reduzieren. Der Arbeitgeber von Herrn Kaiser und 31 000 Kollegen hatte durchgerechnet, dass der Aufwand einer Mehrmarkenstrategie zu hoch sei. Jahrhundertalte Marken wie die Victoria und die Hamburg-Mannheimer wurden abgeschrieben.

Ergo investierte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag und betrat die große Markenbühne, um sich als Versicherer der neuen Art zu positionieren. Statt Herrn Kaiser kamen nun Kunden zu Wort: Versichern heißt verstehen. Statt mehrerer Boote hatte man nur noch einen dicken Tanker zu steuern - die Ergo.

Was die Controller nicht auf der Rechnung hatten: Mit alten Markennamen warfen sie auch jahrzehntelang aufgebautes Vertrauenskapital über Bord. Der Markentanker war leer. Ein riskantes Manöver. Unglücklicherweise geriet der Tanker noch auf seiner Jungfernfahrt in schweres Fahrwasser. Sex-Reisen als Belohnung für hochaktive Verkäufer bestätigten alle Klischees auf das Schillerndste. Nun rächte es sich, dass es weder Beiboote noch rettende Vertrauensanker gab.

Der Entrüstungssturm traf Ergo mit voller Wucht. Ihr Kapitän Torsten Oletzky stellte sich tapfer in den Wind, doch die Kraft seiner Persönlichkeit reichte nicht, um Druck aus dem Kessel nehmen.

Kommentare (7)

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hirnhimmel

05.09.2012, 08:46 Uhr

es glaubt doch wohl keiner ,daß der ehemalige arbeitsdirektor von vw hartz,der marke vw geschadet hat ebensowenig ,wie die rumbumserei des ig metall exbetriebsrates volkert.

selbst die ig metall konnte viele neue mitglieder dazugewinnen.

nach der theorie müßte bayern,wegen riberys sexuellen präferenzen ,vor halbleeren rängen spielen

der selbsternannte markenmeister sollte weniger auf den busch klopfen bzw. daraus hervorkommen und mal feststellen,daß die marke dadurch schneller bekannt wurde.

was das unternehmen daraus macht werden wir sehen.

markenmeister und seine markenarbeit sind auf jeden fall gestern.

in zeiten von shitstorms und inszenierten katastrophen brauchts keine TEUTSCHE markenarbeit mehr.

mediales geschwurbel....

T.Koch

05.09.2012, 09:19 Uhr

Hirnhimmel hat es anscheinend nicht ganz verstanden, was ein "Früher Zeitpunkt" oder ein "Start" ist. Der erste Kontakt zur Marke Bayern war wohl kaum der (nicht vom Verein organisierte) Sex-Skandal von Ribery und auch die Marken VW und IG Metall dürften schon vor den Skandalen bekannt und mit Werten und Ideen verknüpft gewesen sein.
Anders bei der gerade erschaffenen Marke Ergo...

Merkur

05.09.2012, 09:41 Uhr

hirnhimmel sollte sich "Herr schmeiß Hirn vom Himmel; aber ziel dieses Mal gefälligst besser" nennen.
Ich kann T.Koch nur völlig beiflichten, dass hirnmimmel den Artikel entweder nicht richtig gelesen - dann sollte man keine Kommentare geben - oder nicht richtig verstanden - wieso liest er dann Handelsblatt? - hat.
Das 1. Aufeinandertreffen - egal ob persönlich oder wie auch immer - prägt das künftige Empfinden. Das ist wissenschaftlich mehrfach belegt worden. Und ERGO wird für ca. 1 Generation, nämlich alle, die jetzt auf die Enthüllungen der ERGO gestoßen sind auf ewig die "bumsfidele Versicherung" sein. Und gerade die geradezu unprofessionelle Öffentlichkeitsarbeit zur Aufarbeitung des Skandals zeigt doch, dass die Versicherung entweder nichts dazugelernt hat oder eigentlich gar keinen richtigen Fehler und damit keinen echten Handlungsbedart sieht.
Warten wir mal ab, wie der Spaß weiter geht. Ich lese die Artikel über die ERGO immer sehr interessiert und freue mich, dass das Handelsblatt sich nicht einschüchtern läßt. Auch wenn ERGO sicherlich nicht nur per Gericht sondern auch durch Verringerung/Wegfall von Anzeigenaufträgen für den gesamten Verlag Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen versucht.

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