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02.10.2013

19:20 Uhr

Werber-Rat

Ungehobelte Vielflieger

VonStefan Kolle

Wer auf Geschäftsreisen genau hinhört, erfährt mehr Betriebsinterna, als die NSA je digital ausspionieren kann. Dabei gehören Verschwiegenheit und gutes Benehmen auf Platz eins einer guten Firmen-CI.

In der Bahn und im Flugzeug werden auf engem Raum gerne Betriebsinterna laut ausgeplaudert. dpa

In der Bahn und im Flugzeug werden auf engem Raum gerne Betriebsinterna laut ausgeplaudert.

„Na ja, dann müssen wir uns halt von der Wenzlawski trennen, das nützt ja nichts.“ Eine harte Ansage, die der Klinikleiter da macht. Und der ganze Großraumwagen hört mit. Wer fast täglich mit Bahn und Flugzeug unterwegs ist, kennt das. Viele Geschäftsleute sind nicht nur mit dem ICE von A nach B unterwegs, sondern auch mit selbigem durch die Kinderstube gebrettert. In Meetings ist ihr Benehmen noch akkurat. Doch außerhalb der Geschäftsbeziehung verwandeln sie sich in verzogene Autisten. Vordrängeln, die Unkenntnis des Wortes „Entschuldigung“ und Streit um zurückgeklappte Rückenlehnen sind da noch die kleineren Probleme.

Viel gravierender ist, wie oft unterwegs Betriebsgeheimnisse gedankenlos öffentlich gemacht werden. Vertriebsleute, die sich von 9C zu 9D lautstark über Projekte unterhalten. Banker, die sich am Gate über Kunden lustig machen - ungeachtet der Tatsache, dass immer jemand da ist, der jemanden kennt, den es betrifft. Und etliche Businessleute, die von Start bis Landung in ihren Laptop schauen und mindestens einen Nebenmann in alle Betriebsgeheimnisse einweihen.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Woher kommt dieser Mangel an Distanz, Takt und Verschwiegenheit? Liegt es daran, dass Vielreisende das Gefühl haben, das Flugzeug und der Großraumwagen seien mittlerweile ihr Wohnzimmer? Da zieht sich das Benehmen schon mal die Jogginghose an und legt die Füße auf den Tisch.

Doch Hilfe naht. Und zwar aus dem Land der neuen Reiseweltmeister, aus China. Dort arbeitet man derzeit am „Kompass für das zivilisierte Reisen“. Die chinesische Regierung ist besorgt über das Bild, das ihre reisenden Landsleute im Ausland abgeben. „Keine Kinderstube“, „unterhalten sich lärmend“, „können nicht Schlange stehen“ - das kennt man auch vom Frühflieger nach Frankfurt. Chinas Regierung fürchtet, dass ungehobelte Chinesen im Ausland den Ruf des Landes unterminieren. Eine Erkenntnis, die in jedem Corporate-Identity-Guide auf Seite eins stehen muss: Mitarbeiter sind die Visitenkarte ihres Unternehmens. Behalten wir also nicht nur die Geheimhaltungspflicht im Kopf, wenn wir in den Flieger steigen, sondern auch die chinesischen Benimmregeln. Am besten schon gleich morgen früh. Wir sehen uns.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Mitinhaber und Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe, Hamburg.

Kommentare (7)

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tabuNAIV

02.10.2013, 19:52 Uhr

mensch herr kolle,gute kinderstube ist .....weghören...

aber dazu hats bei ihnen nicht gereicht .

sie machen daraus ein geschäft und verkaufen es an die zeitung.

drei finger zeigen auf sie zurück

Joachim67

02.10.2013, 20:47 Uhr

@tabuNAIV...

Herr Kolle hat völlig Recht. Ich erlebe das auch ständig.
Und weghören geht leider nicht immer bei der Lautstärke mit der sich einige unterhalten bzw. meist telefonieren.

Account gelöscht!

02.10.2013, 21:09 Uhr

Da hätten sie China mal vor 20 -25 Jahren erleben sollen. Ein fetter, befreiender Rülpser während es Essen war gar nix. Tiefe Bewunderung rief auch jedes Mal die Treffsicherheit beim Weitspucken hervor.
Da sind die doch heute richtig umgänglich.

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